[18] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

[Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch das Register des Buchs veröffentlicht. Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Buchseiten in der PDF-Datei, die in Beitrag 1 verlinkt ist, Anmerkung neuevolkswarte.wordpress.com]

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[17] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„„Mit der Durchsetzung dieses Gedankens erreichte das Papsttum den Höhepunkt seiner Macht. Es hatte für seine Inhaber eine alles bisherige Menschentum überragende Sonderstellung geschaffen, wie eine gleiche weder ein absoluter Kaiser, noch die Inkas des südamerikanischen Priesterreiches Tahuantinsuyu, noch die Lamas des Priesterreiches Tibet, noch die Mikados Japans jemals besaßen. Es war„, wie Professor Heinrich Wolf in seiner „Kirchengeschichte“ treffend bemerkt, „die Vergottung des höchsten Kirchenfürsten„.“,

„Wie bereits im Vorwort dieses Buches gesagt wurde, kam die Erkenntnis, daß Wissen Macht bedeute, zuerst jenen Schamanen, die infolge schärferen Beobachtens der in der Natur sich abspielenden Vorgänge und durch schlaues Ausnützen dieser Kenntnisse einen gewaltigen Einfluß über ihre dümmeren und abergläubischen Stammesgenossen erlangten. Da ihnen hierdurch Vorteile aller Art zuflossen, ja, sogar eine Sonderstellung eingeräumt wurde, so mußten sie folgerichtig darauf bedacht sein, ihre Stammesgenossen in immerwährender Unwissenheit zu erhalten; hätte doch jede denselben zuteil werdende Aufklärung eine Abnahme des eigenen Ansehens und der damit verbundenen Vorteile bedeutet. In früheren Abschnitten dieses Buches wurde auch nachgewiesen, daß die Schamanen und Fetischpriester solche Personen, welche die Macht der Schamanen oder die Echtheit ihrer angeblichen Wunder anzuzweifeln wagten, entweder auf geheimnisvolle Weise verschwinden ließen oder sich ihrer gelegentlich der Gottesgerichte entledigten.

Aus genau den gleichen Gründen und in genau der gleichen Weise verfuhren sowohl die Priester des Altertums wie des Mittelalters. Stets bemüht, die ihrem Einfluß unterstehenden Völker in Unwissenheit und im Bann des Aberglaubens zu halten, beseitigten sie alle Personen, die ihren Lehren, ihrem Ansehen und ihrer Machtstellung irgendwie gefährlich wurden. Nach Tausenden und aber Tausenden zählen die Männer, die ihren Drang nach Wissen und nach Erkenntnis, ihr Streben nach Wahrheit und ihre frei verkündigten Ansichten über das Wesen der Gottheiten und die großen Rätsel des Daseins mit dem Leben bezahlen mußten.“,

„Als die gefährlichsten Gegner jeder von der ihrigen abweichenden Meinung erwiesen sich aber doch die Priester der christlichen Kirche. Schon während der ersten Jahrhunderte des Bestehens der christlichen Sekte vernichteten die Kirchenväter planmäßig alle Handschriften und Bücher, die wegen der in ihnen niedergelegten Ansichten vom allein wahren Glauben abwichen und darum als „häretisch“ oder ketzerisch betrachtet wurden.“,

„Überblicken wir den Werdegang der Menschheit, so ist nicht zu verkennen, daß die schlimmsten Hemmnisse zu ihrem Fortschritt und Aufstieg in der steten Bevormundung und absoluten Intoleranz jener Priester bestanden, die aus selbstsüchtigen Absichten die Wissenschaften als ihr Alleingut betrachteten, die Völker aber jahrtausendelang im Bann des Aberglaubens hielten, um sie zu beherrschen und widerstandslos ausbeuten zu können. Wie sie jede freie Geistesregung, jede von ihren Lehren abweichende Glaubensform gewaltsam zu ersticken suchten, so geht auch heute noch ihre Forderung dahin, daß ihnen die volle Herrschaft über das gesamte Unterrichtswesen überlassen bleiben müsse, damit die Erziehung der heranwachsenden Geschlechter ganz in ihrem Sinne geschehe.“,

Bildung macht frei! Jene Völker und Staaten werden die freiesten sein und die größte Zukunft haben, welche die besten Schulen und Universitäten besitzen und ihren Wissenschaftlern volle Freiheit des Denkens und Lehrens gewähren. Es wird und muß die Zeit kommen, wo solche „Ritter vom Geiste“ an Stelle der Priester treten und ihr Wissen frei und ungehindert der Menschheit übermitteln werden. Nicht gekennzeichnet durch Tonsur, Stola oder Talar, nicht getrieben von Habgier und Herrschsucht, nicht geknebelt durch Syllabus und Modernisteneide, werden sie aller Welt das echte Evangelium verkünden, den Geist der Duldung und wahren Nächstenliebe. Mit ihrem auf Erkenntnis beruhenden reichen Wissen werden sie der Menschheit den Frieden bringen und so wirkliche Befreier, wirkliche Erlöser werden. Und wenn es gilt, die Schönheiten und Wunder der Natur, die Allgewalt ihrer Gesetze zu preisen, so werden sie auch stets echte, von der Wahrheit ihrer Lehren überzeugte Priester sein.

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[16] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Geht man tiefer auf die Geschichte der ehemals spanischen und portugiesischen Länder Mittel- und Südamerikas ein, so ist unschwer zu erkennen, daß es dem katholischen Klerus auch hier in erster Linie darum zu tun war, Macht und Reichtum zu gewinnen. Um die Bekehrung der Eingeborenen zum Christentum erfolgreich durchführen zu können, wurden diese nach ihrer Unterwerfung sowohl den in die Länder einrückenden und zu Großgrundbesitzern gemachten spanischen Adelsfamilien sowie den geistlichen Orden und Bischöfen zugeteilt und deren „Schutz“ unterstellt, damit sie umso sicherer für das Christentum gewonnen werden möchten. Dieser „Schutz“ deckte sich aber keineswegs mit dem Begriffe des Wortes; denn in Wirklichkeit wurden die Indianer allüberall in ein Hörigkeitssystem gezwungen, das sich von tatsächlicher Sklaverei kaum unterschied. Es war eine Wiederholung jenes Fronsystems, das während des 14., 15. und 16. Jahrhunderts die aufs rücksichtsloseste ausgebeuteten Bauern der Länder Europas zu ihren häufigen Aufständen gegen die Edelleute und das Priestertum getrieben hatte. Wie dort, so verfielen auch hier die Widerspenstigen nicht nur schärfster Züchtigung, sondern sie wurden auch mit jenen grauenhaften Torturen bedroht, welche die nach der Neuen Welt übertragene Inquisition für unbotmäßige Heiden zu verordnen liebte.“,

„Der bereits erwähnte Bischof Las Casas hat uns den letzten Ausspruch eines Indianerhäuptlings Hathucci überliefert, der, um den Bedrückungen der Spanier zu entgehen, von Espanola nach Kuba geflohen war. Dort wurde er gefangen und zum Feuertode verurteilt. Ein Franziskanermönch nahte sich dem bereits an den Pfahl Gefesselten, um ihn vor der Hinrichtung noch zur Annahme der Taufe zu bewegen, da er dann in den Himmel eingehen werde, wo ewige Freude herrsche. Wolle er sich nicht zum heiligen Glauben bekennen, so werde seine Seele in die Hölle fahren und ewige Pein erleiden. Nachdem der Indianer sich einen Augenblick bedacht hatte, richtete er an den Mönch die Frage, ob die Spanier in den Himmel kämen. Als dies der Mönch bejahte, entgegnete der Häuptling ohne Zögern, er verlange nicht nach dem Himmel, sondern wolle lieber zur Hölle fahren, anstatt an einen Ort zu kommen, wo er aufs neue mit Spaniern zusammentreffen müsse!„,

Daß auch in Amerika der Katholik in erster Linie dem Papst Gehorsam schulde, wurde bereits im 18. und 19. Jahrhundertgepredigt, seitdem aber auch wiederholt in der nachdrücklichsten Weise betont. So insbesondere auf einem im Jahre 1884 in Baltimore abgehaltenen Konzil der amerikanischen Kirchenfürsten. Sowohl hier wie auch in einem im Jahre 1886 in Baltimore erlassenen kanonischen Gesetz wurde hervorgehoben, daß der Gehorsam gegen eine weltliche Regierung erst an zweiter Stelle komme, und daß keine einer Regierung geleisteten Eide gehalten zu werden brauchten, welche den Interessen der Kirche zuwiderliefen. Solche Eide seien nicht als wirkliche, bindende Eide, sondern als falsche Eide anzusehen.Wir müssen lernen,“ so lautete es in dieser Vorschrift, „daß wir zuerst Katholiken und dann erst Bürger sind. Wie Gott über den Menschen steht, so steht die Kirche auch über dem Staat!„“,

„Gegenüber diesem bis in die kleinsten Einzelheiten fest geschlossenen und wohlgedrillten Heer des Katholizismus bieten die vielen nichtkatholischen Bekenntnisse in den Vereinigten Staaten das Bild jämmerlicher Zersplitterung. In hunderte Sekten und Sektchen geteilt, die in armseligen Haarspaltereien einander befehden, werden sie von dem Katholizismus langsam, aber sicher weggeschwemmt. Dieser Prozeß wird dadurch erleichtert, daß viele der nichtkatholischen Durchschnittsamerikaner dem Vordringen der römischen Macht mit einer geradezu naiven Harmlosigkeit gegenüberstehen. Der Glaube an die Unerschütterlichkeit der Bundesverfassung ist so fest in ihnen gewurzelt, und sie bilden sich so sehr ein, Amerika mache eine Ausnahme von der Regel, wonach Religionsfreiheit und souveränes Priestertum nicht nebeneinander bestehen können, daß sie es gar nicht für möglich halten, jemand könne ernstlich die Absicht haben, diese heilige Bundesverfassung umzugestalten. Daß aber der Zeitpunkt im Anzug ist, wo die katholische Kirche der amerikanischen Regierung über den Kopf gewachsen sein und wo sie mit den weitestgehenden Forderungen hervortreten wird, läßt sich fast mit mathematischer Gewißheit berechnen.“

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[15] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Vertieft man sich in das Studium der hauptsächlich auf das Papsttum zurückzuführenden unglückseligen politischen und wirtschaftlichen Zustände Europas während des 13., 14. und 15. Jahrhunderts, so kann man sich gegen die Wahrnehmung nicht verschließen, daß die damalige christliche Welt auf dem besten Wege war, auf ein ebenso niedriges Niveau herabzusinken, auf dem Tibet, das asiatische Priesterreich der Lama, sich noch heute befindet. Wie dort die Lage der von seinen Priestern ausgebeuteten und in grauenhaftester Unwissenheit gehaltenen ländlichen Bevölkerung eine geradezu klägliche ist, so damals in den Ländern der Christenheit. Was war beispielsweise aus jenem von Tacitus in so begeisterten Worten geschilderten Edelvolk der Germanen im Lauf der Zeit unter der Herrschaft des Krummstabs geworden! Die Mehrheit seiner einst die Freiheit über alles liebenden und auf eigenen Höfen sitzenden stolzen Männer war zu Leibeigenen herabgesunken, die sich den Geboten der sie beherrschenden großen Grundherren, der Markgrafen, Grafen, Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte fügen mußten. Sie, die sich in alten Zeiten ihre Heerführer selber erkoren hatten, wurden nun von Königen regiert, die sich nicht nur durch die Päpste oder deren Stellvertreter krönen ließen, sondern ihnen auch die Füße küßten, gelegentlich die Steigbügel hielten und ähnliche Stallknechtdienste verrichteten.“,

„Am Ende des Mittelalters war in Deutschland der freie Bauernstand fast ganz verschwunden. Die übergroße Mehrheit der Deutschen bestand aus besitzlosen Leibeigenen, die infolge der ihnen unablässig vorgehaltenen Schreckbilder eines Fegfeuers, einer von unzähligen Teufeln bevölkerten Hölle und eines Jüngsten Gerichts um ihren klaren Verstand gebracht worden waren und sich einreden ließen, daß es nötig sei, ihr Seelenheil durch beständige Zehntenabgaben, Ablaß- und Messegelder zu sichern. Diese Abgaben wurden aber nicht freudig geleistet, sondern mit haßerfülltem Herzen. Wer die Chroniken, Streitschriften und Spottgedichte des 15. und 16. Jahrhunderts zur Hand nimmt, stößt gar zu oft auf bittere Beschwerden wegen endloser Bedrückungen, deren sich nicht nur die Fürsten und Edelleute, sondern insbesondere auch die Priester gegen das Volk, gegen die Bauern schuldig machten.“,

„Sowohl in Frankreich wie in England verband sich mit ihrer Mißstimmung über die armselige wirtschaftliche Lage grimmiger Haß gegen die geistlichen Tyrannen, welche die Landbevölkerung allüberall in einen lebenslänglichen Frondienst gezwungen hatten. Die ersten Unruhen entbrannten in England. Wie in den deutschen Landen, so hatte auch hier der Klerus es verstanden, sich in den Besitz von einem Drittel alles Grundeigentums zu setzen. Zudem hatten die Päpste sämtliche einträglichen Kirchenämter mit Italienern bekleidet, mit Günstlingen, die auf diese Weise für geleistete Dienste entlohnt wurden[Mit der Besetzung solcher Kirchenämter durch Italiener suchten die Päpste auch noch eine weitere Absicht zu verwirklichen. Sie planten, im Lauf der Zeit sämtliche christlichen Länder zu romanisieren und die heimischen Volkssprachen durch die lateinische Sprache zu verdrängen. Daß sie mit der Verwirklichung dieses Gedankens auf dem besten Wege waren, beweist die Tatsache, daß Latein nicht nur in allen Kirchen, Universitäten und Schulen die bevorzugte Sprache geworden war, sondern daß auch seit Jahrhunderten sämtliche Urkunden, sowie viele Chroniken und andere Werke von Wichtigkeit in dieser Sprache abgefaßt wurden.]. Wie allerorten, so gaben diese Römlinge durch ihr unmoralisches, verschwenderisches Leben, durch die dem Volk gegenüber angewendeten Erpressungen auch hier beständig Anlaß zu Beschwerden.“,

„Daß der Haß des für jedes christliche Empfinden abgestumpften, nur auf die Erhaltung seiner Macht und Einkünfte bedachten Papsttums sich auch gegen Deutschland, den Ausgangspunkt und Hauptsitz der Reformationsbewegung, wendete, war selbstverständlich.“,

„Von 1618 bis 1648 während, bildet dieser „Dreißigjährige Krieg“ einen der schauerlichsten Abschnitte der Weltgeschichte. Seinen Verlauf zu schildern ist an dieser Stelle unnötig, dagegen ist es durchaus am Platze, auf seinen Ausgang näher einzugehen, damit das heutige Geschlecht eine Lehre daraus ziehen möge, wohin törichter, durch machtgierige Priester erzeugter und beständig wachgehaltener Glaubenshaß eine von religiösen Wahnideen beherrschte Menschheit führen mag. —“

„Überblickt man die in Europa während des 18. Jahrhunderts herrschenden kulturellen Zustände, so ist zu erkennen, daß in allen Ländern, wo die von Wyclif, Luther, Calvin und deren Nachfolgern verkündigten Lehren Eingang gefunden und Wurzel geschlagen hatten, die religiöse Freiheit und Duldung immer weitere Fortschritte machte und zum Aufstieg und zur Fortentwicklung jener Länder außerordentlich beitrug, daß dagegen in den streng katholisch gebliebenen Ländern Italien, Spanien und Portugal alles wissenschaftliche Leben aufgehört hatte, dagegen die religiöse Unduldsamkeit sich beständig steigerte, die Bevölkerung im Bann- des Aberglaubens verharrte und völlig unfähig wurde, der Zunahme des am Mark der Länder zehrenden Mönch- und Priestertums zu wehren.“

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[14] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„In einem früheren Abschnitt wurde gezeigt, daß die Schamanen und Fetischpriester mancher Naturvölker es bereits verstanden, ihren eigenen selbstsüchtigen Wünschen das ganze Dasein ihrer Stammesgenossen von der Geburt bis zum Tode derart zu unterwerfen, daß dieselben beständig zu allerhand Abgaben an Vieh, Getreide, Früchten und anderen Erzeugnissen gezwungen waren. In gleicher Weise verfuhren die Priester des Christentums. Für jede von ihnen verrichtete Handlung, für die Taufe der Neugeborenen, für den Unterricht der Kinder, für ihre Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen, für die beim Eintritt in die Ehe erfolgende Trauung, für geistlichen Beistand in Krankheits- und Sterbefällen, für die Einsegnung und Bestattung der Hingeschiedenen sowie für das Lesen der Totenmessen zur Befreiung der Verstorbenen aus dem Fegfeuer waren stets bestimmte Zahlungen zu leisten, die auch von den Ärmsten erhoben wurden und bis auf den heutigen Tag erhoben werden.“,

„Um die Menschen auch beständig zu Vermächtnissen und frommen Stiftungen geneigt zu machen, wurde in ihnen die Angst vor dem Tode unablässig wachgehalten, zu diesem Zwecke wohl auch das Stoßgebet eingeführt: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt‘ für mich in der Stunde meines Todes! Amen!“ —“,

„Zu den von den Päpsten angewendeten Mitteln, sich und der Kirche die gesamte christliche Welt tributpflichtig zu machen, gehörten auch die schon im Jahre 1215 durch Innozenz III. allgemein angeordnete Ohrenbeichte und das damit verbundene Ablaßwesen.“,

„Jede Darstellung des christlichen Priestertums des Mittelalters wäre unvollständig, die es unterließe, auch auf den von ihm großgezogenen Hexenwahn und die damit verbundenen Hexenprozesse einzugehen, die neben den der gleichen Zeit angehörenden Ketzerverfolgungen ohne Frage die schwärzesten Kapitel in der Geschichte der Menschheit bilden. Fragt man, wie dieser Hexenwahn entstehen und eine so verhängnisvolle Verbreitung gewinnen konnte, so ist zunächst darauf hinzuweisen, daß bei allen orientalischen Völkern die Frauen von jeher eine sehr untergeordnete Stellung einnahmen. Sie waren wenig, mehr als die notwendigen Werkzeuge zur Fortpflanzung und Befriedigung der Sinnlichkeit, obendrein bis zur letzten Möglichkeit ausgenützte Arbeitstiere.“,

„Auch in die christliche Kirche drang diese Geringschätzung der Frauen ein, ja, steigerte sie noch zu fast feindseliger Verachtung. War es doch ein Weib gewesen, das vom Teufel dazu benützt worden war, Adam zum Ungehorsam gegen Gott zu verleiten, was weiterhin zur Vertreibung aus dem Paradiese und zur Belastung aller nachfolgenden Geschlechter mit dem Fluch der Erbsünde führte. So wenig die Stifter der christlichen Kirche das vergessen konnten, so wenig wollten auch die späteren Priester dieser Kirche dulden, daß eine Frau sich an irgendeiner gottesdienstlichen Handlung tätig beteilige, sich dem Altar nähere oder gar in der Kirche das Wort ergreife.“,

„Als mit derartigen Anschauungen behaftete christliche Priester und päpstliche Legaten während des fünften und sechsten Jahrhunderts an den Höfen der germanischen Könige erschienen, mußten sie zu ihrer Überraschung erkennen, daß im Leben der germanischen Völker den Frauen seit Urzeiten eine ungleich höhere Stellung als bei den Orientalen eingeräumt war. Was Tacitus einst an den Germanen gerühmt hatte, traf immer noch zu: das Weib war dem Gatten eine gleichwertige, treue Genossin in allen Mühsalen und Gefahren, eine Kameradin, die im Frieden wie im Kriege alles mit ihm wagte und teilte, darum auch geschätzt und hochgehalten wurde. Frauen spielten sogar im religiösen Glauben der Germanen eine hochbedeutsame Rolle.“

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[13] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Dem Kampf der Priester um die Oberherrschaft über alle weltlichen Machthaber ging ein ebenso wichtiger Kampf um die Allgewalt in der Kirche zur Seite. Er wurde zwar mehr in der Stille geführt, war darum aber kaum weniger wichtig, galt es doch, den gesamten Klerus, das gesamte Priestertum dem Willen des Papstes zu unterwerfen.“,

„Um seine Ziele zu erreichen, scheute der Jesuitenorden keine Mittel.“,

„Wenn unter dem Priestertum des ganzen Weltalls die Jesuiten sich wirklich am gefürchtetsten gemacht haben, so beruht dies nicht nur darin, daß sie am rücksichtslosesten das uralte Ziel des Priestertums: die unbedingte Herrschaft über die gesamte Menschheit, über das Weltall zu erreichen strebten, sondern auch dem ihnen zugeschriebenen Schlagwort: „Der Zweck heiligt das Mittel“ getreu, in der Wahl der zum Ziele führenden Mittel und im Gebrauch derselben weniger skrupulös, sondern rücksichtsloser gewesen sind, als jemals irgendein anderer Priesterorden. In ihm sind die uralten Ziele des Priestertums gewissermaßen verkörpert; er stellt das Streben desselben in seiner höchsten Potenz dar.“,

„Die an den päpstlichen Höfen zu Rom und Avignon vorhandenen Stellen waren gleichfalls Gegenstand schamlosen Ämterschachers. Trotz ihrer hohen Preise waren sie stets begehrt. Jeder der überaus zahlreichen Schreiber-, Advokaten- und Richterposten hatte seinen Preis. Das Amt eines „Apostolischen Sekretärs“ kostete, obwohl nur mit 200 Dukaten jährlich besoldet, 2500 Dukaten; der Versiegler der päpstlichen Dokumente bezahlte für sein 550 Dukaten einbringendes Privilegium 5500 Dukaten; die mit 300 Dukaten besoldeten Türhüter hatten 2000 Dukaten herzugeben.“,

„Nicht mit Unrecht klagte Baptista Montanus, der Verfasser der Schrift: „De Calamitate Temporum“: „Alles ist jetzt käuflich, die Kirchen, die Priester, die Altäre, die Sakramente, die Gebete, der Himmel und Gott obendrein!“ —“,

„Die an den päpstlichen Höfen zu Rom und Avignon vorhandenen Stellen waren gleichfalls Gegenstand schamlosen Ämterschachers. Trotz ihrer hohen Preise waren sie stets begehrt. Jeder der überaus zahlreichen Schreiber-, Advokaten- und Richterposten hatte seinen Preis. Das Amt eines „Apostolischen Sekretärs“ kostete, obwohl nur mit 200 Dukaten jährlich besoldet, 2500 Dukaten; der Versiegler der päpstlichen Dokumente bezahlte für sein 550 Dukaten einbringendes Privilegium 5500 Dukaten; die mit 300 Dukaten besoldeten Türhüter hatten 2000 Dukaten herzugeben.“,

„Von manchen Kunsthistorikern sind die Päpste und Erzbischöfe des Mittelalters, insbesondere der Renaissancezeit, als Förderer aller künstlerischen Bestrebungen gefeiert und verherrlicht worden. Ihrer fürstlichen Freigebigkeit und ihrem Kunstsinn verdanke die Welt viele jener Wunderwerke, die von Michelangelo, Raffael Santi, Leonardo da Vinzi, Tizian, Correggio, Holbein, Dürer und anderen Meistern geschaffen wurden. Nicht zu vergessen die stolzen Kathedralen und Dome, die als weithin sichtbare Wahrzeichen die Städte der Christenheit zieren. Daß der Ursprung vieler Skulpturen, Gemälde und Architekturwerke auf die Anregung mancher Päpste und Erzbischöfe zurückzuführen ist, unterliegt keinem Zweifel. Aber die Meister der Bildhauerkunst, der Malerei und Architektur wurden nicht etwa mit Aufträgen bedacht, um die Künste zu fördern, sondern die von ihnen geschaffenen Werke hatten in allererster Linie die Bestimmung, auf die Gemüter der gläubigen Christen einzuwirken und sie für die Zwecke der Kirche, für Opfer, Ablaß, fromme Stiftungen, Vermächtnisse und Totenmessen willfährig zu machen.

Die Päpste waren nicht die ersten Priester, welche erkannten, wie stark und nachhaltig man durch bildliche und figürliche Darstellungen auf die leichtgläubige Menge einwirken könne. Schon die Priester des Altertums waren sich der Macht solcher Darstellungen wohl bewußt. Daher die in den Tempeln aufgestellten Götterfiguren, daher die in den altägyptischen Totenbüchern enthaltenen Bilder, welche die Gerichtssitzung der Götter über die Seelen der Verstorbenen veranschaulichten und die Hinterbliebenen dieser Verstorbenen zu fleißigen Opfern anspornen sollten, damit den Seelen ihrer teuern Angehörigen der Eingang in das bessere Jenseits gesichert werde.“

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[12] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Infolge dieser Bestimmungen entwickelte sich innerhalb der katholischen Kirche überraschend schnell ein förmlicher Reliquienkult. Jede Kapelle, jedes Kloster, jede Kirche bestrebte sich, baldmöglichst in den Besitz solcher Reliquien zu kommen; denn je größer ihre Zahl und je heiliger die Reliquien waren, desto größer war auch der Zulauf des Volkes, desto größer die Opfer, Gaben und der Nutzen, der daraus den Kirchen, Klöstern und Kapellen erwuchs; denn umsonst waren die Reliquien keineswegs zu sehen.“,

„Um diesen widerwärtigen Zuständen ein Ende zu machen, wurde im Jahre 1409 eine allgemeine Kirchenversammlung nach Pisa einberufen. Hier wurde beschlossen, daß die zu der Versammlung erschienenen Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte als eine über den derzeitigen Päpsten stehende Behörde betrachtet werden solle, mit der Befugnis, Päpste ein- und absetzen zu können. Um für weitere Entschließungen völlig freie Hand zu haben, wurden die zur Zeit in Avignon und Rom ihres Amtes waltenden Päpste aufgefordert, zunächst abzudanken und die weitere Entscheidung dem Konzil zu überlassen. Da aber beide Päpste sich weigerten, diesem Ersuchen nachzukommen, so erklärte das Konzil sie für abgesetzt, worauf man zur Wahl eines neuen Papstes schritt. Aber die zu Avignon und Rom sitzenden Päpste ignorierten alle Beschlüsse und Maßnahmen des Konzils; so hatte man nunmehr drei Päpste und eine schlimmere Verwirrung denn je zuvor. —“,

„Infolge dieser Bestimmungen entwickelte sich innerhalb der katholischen Kirche überraschend schnell ein förmlicher Reliquienkult. Jede Kapelle, jedes Kloster, jede Kirche bestrebte sich, baldmöglichst in den Besitz solcher Reliquien zu kommen; denn je größer ihre Zahl und je heiliger die Reliquien waren, desto größer war auch der Zulauf des Volkes, desto größer die Opfer, Gaben und der Nutzen, der daraus den Kirchen, Klöstern und Kapellen erwuchs; denn umsonst waren die Reliquien keineswegs zu sehen.“,

„Auf den niedrigsten Tiefstand sittlicher Verkommenheit sank das Papsttum unter seinen Oberhäuptern Paul II. (1464—1471); Sixtus IV. (1471-1484); Innozenz VIII. (1484— 1492); Alexander VI. (1492-1503); Julius II. (1503—1513); Leo X. (1513—1522) und Clemens VII. (1523—1534). Habgier, Herrschsucht, Mordlust und Unzucht waren für diese „Päpste der Renaissance“ bezeichnend, ganz insbesondere für den aus dem spanischen Geschlecht der Borgia hervorgegangenen Alexander VI. Man hat denselben „den Virtuosen des Verbrechens“ genannt, da Verrat, Meineid, heimliches Gift und Mord oft von ihm angewendete Mittel waren, um seine niedrigen Leidenschaften zu befriedigen. Mit Vanozza dei Cattanei, einer seiner zahlreichen Mätressen, hatte dieser Papst eine Tochter, Lukrezia, sowie vier Söhne, von denen er den ältesten, Cesare Borgia, nicht nur zum Kardinal machte und später auch zum Herzog von Romagna erhob, sondern auch völlig unbestraft ließ, als derselbe sowohl seinen eigenen Bruder, wie auch den Gatten seiner Schwester Lukrezia ermordete.“,

„Nicolo Machiavelli, der bedeutendste Staatsmann und Geschichtschreiber jener Zeit, klagte in seinen „Discorsi“, daß, je mehr man sich der Stadt Rom, dem Hauptsitz der Christenheit, nähere, die Frömmigkeit der Bevölkerung abnehme. Es scheine, der Untergang der Kirche stehe bevor. Infolge der von den Päpsten und den Priestern gegebenen üblen Beispiele seien Italien alle Begriffe von Moral und Religion abhanden gekommen. —“

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