[2] A. MOHRING / DER PAPST FÜHRT KRIEG – EINE ZEITGESCHICHTLICHE SKIZZE

In diesem Beitrag kann man den zweiten Teil des Buches “Der Papst führt Krieg – Eine zeitgeschichtliche Skizze“ von Adolf Mohring lesen. Hier befindet sich der erste Teil.

„Man sieht sich aber damit zwangsläufig genötigt, weiterzufolgern, daß der Weltkrieg vom Vatikan systematisch in allen Einzelheiten mitvorbereitet war, denn ohne die ausdrückliche Einwilligung des Papstes wäre eine derartige militärische Zusammenarbeit bei der damaligen Lage der katholischen Kirche in Frankreich undenkbar gewesen.“,

„Konnte es übrigens für den „Stellvertreter des Gottes des Friedens“ einen größeren Spaß geben, als wenn durch seine Intrigen die ihm nicht hörigen russischen, Deutschen und englischen Soldaten sich gegenseitig totschlugen, während er als lachender Dritter im Hintergrund stand, um im gegebenen Augenblick sein Schäfchen ins Trockene zu bringen? Wie sagte doch Kardinal Faulhaber von München: „Wenn die Welt aus tausend Wunden blutet, dann schlägt die Stunde für die katholische Kirche“. Was liegt bei solcher Ansicht näher, als das Seinige zu tun, daß die Welt eben aus tausend Wunden blute? Man wende ja nicht ein, daß die römische Priesterkaste den Weltkrieg nicht gewollt haben könne, weil dadurch auch viele treugläubige Katholiken getötet worden seien. Wann hätte der römische Männerbund Gewissensbisse empfunden, wenn es darum ging, seinen Herrschaftanspruch durchzusetzen? Vor welchem nur immer erdenklichen Verbrechen wäre er dabei je zurückgeschreckt? Was ihm hierbei das Leben seiner Gläubigen gilt, das hat in dem von Papst Innozenz III. im Jahr 1209 entfesselten Vernichtung-„Kreuzzug“ gegen die ketzerischen Albigenser der Anführer des Papistenheeres, Abt Arnold von Citeaux, bei der Einnahme der Stadt Béziers und der Niedermetzelung ihrer Einwohner in geradezu klassischer Form ausgesprochen. Auf die Frage, wie man die Katholiken von den „Ketzern“ unterscheiden könne, erklärte er nämlich: „Schlagt sie alle nieder, Gott kennt die Seinen schon“.“,

„Nichts erhellt besser als diese päpstlichen Verlautbarungen, wie falsch es ist, von einem „politischen Katholizismus“ zu sprechen, denn damit wird der Eindruck erweckt, als ob es auch einen „unpolitischen“ Katholizismus geben könnte; als ob das Politisieren im Dienste römischen Machtstrebens ein „Mißbrauch der Religion“ sei. Was ein „Mißbrauch“ der katholischen Religion ist, darüber hat unbestreitbar einzig und allein der Papst zu entscheiden. Auch Papst Pius XI. erklärte in seiner Weihnachtansprache 1927, „die Anteilnahme an der Politik im Sinne der Arbeit für das allgemeine Beste sei eine der vornehmsten (katholischen) Christenpflichten“. Für das „allgemeine“ Beste, heißt es. Damit hier kein Mißverständnis entstehe, auch „katholisch“ heißt „allgemein“! Solche Politik ist also nicht nur kein Mißbrauch, sondern eine der vornehmsten Christenpflichten. General Ludendorff prägte daher für diese Priesterpolitik das treffende Wort: Politik aus dem Glauben machen.“,

„Ziehen wir die Schlußfolgerungen aus der hier aufgezeigten grundsätzlichen Einstellung der römischen Kirche zum Krieg, so finden wir in vollem Umfang bestätigt, daß für sie der Krieg nicht nur eine erlaubte, sondern auch eine verdienstvolle, ja heilige Sache sein kann. Letzteres zweifellos, wenn es sich um einen Krieg gegen „Ungläubige“ und Ketzer handelt.“

Ab hier geht es weiter mit dem Originaltext des Buches.


Im Jahr 1912 nun beriet der Deutsche Reichstag die von Ludendorff als Chef der Aufmarschabteilung im Deutschen Großen Generalstab ausgearbeitete Militärvorlage, durch die eine den militärischen Notwendigkeiten eines Zweifrontenkrieges entsprechende Vermehrung der Deutschen Wehrmacht erreicht werden sollte und, wenn auch in unzureichender Weise, zustandekam. Dies dürfte die „außerordentliche Gefahr“ gewesen sein, die den Papst veranlaßte, jene militärpolitischen Gesetze von 1905 zu billigen, durch die auch die Kleriker in Frankreich der Wehrpflicht unterworfen wurden und das „potentiel de guerre“ der französischen Armee nicht unwesentlich gesteigert wurde. Kein Wunder bezeichnet Baudrillart die Entscheidung des heiligen Bußgerichts als eine glückliche [G. A. 177/147.].

Die Zahl der kriegsdiensttuenden Priester in Frankreich wird – ohne die Seminaristen und Ordensbrüder – im Jahr 1915 von dem anonymen „Missionar“ auf 20000 geschätzt [G. A. 76/55.]. Die gleiche Zahl nennt Couget. Hiervon soll allerdings der größere Teil nicht im Waffen-, sondern im Sanitätdienst usw. tätig gewesen sein. In seinem Fastenhirtenbrief vom Jahr 1915 sagt der Bischof von Versailles hinsichtlich der militärpflichtigen Kleriker: „25000 Priester, die unter unsere Regimenter vermengt sind, richten überall neben unseren Fahnen das Kreuz und den Altar auf“ [G. A. 311/278 und 175/145.]. Baudrillart nennt diese Ziffer für das Jahr 1916 [P. A. Nr. 102, S. 18]. Herrmann schätzt die Zahl der militärpflichtigen Priester, einschließlich der Ordensbrüder, vorsichtig auf mindestens ein Armeekorps [Herrmann a. a. O. 20.]. Bei der Bewertung dieser Ziffern darf nicht außer Betracht gelassen werden, daß die Menge der im Offiziersrang stehenden Priester „sehr zahlreich“ war, wie der Ehrendomherr und Feldprediger Ardant berichtet [G. A. 207/178].

Aber noch ein Anderes ist hierbei von Wichtigkeit. Es ist die große Zahl der Priester und Ordensleute, die in dem von den Deutschen Truppen besetzten Gebiet verblieben waren. Allein für das besetzte Gebiet Frankreichs beziffert Msgr. Lacroix die Zahl der dort verbliebenen Priester auf 2500 [Herrmann a. a. O. 21]. Diese Priester bezeichnete Msgr. Lacroix als die „Seele des Widerstandes“ [„ „ 27] und fordert für sie bereits im Jahr 1915 ein Denkmal unter dem Triumphbogen zu Paris [„ „ 21], also an jener Stelle, wo nach dem Krieg tatsächlich das Denkmal für den „soldat inconnu“ errichtet wurde, was bezeichnenderweise ebensowohl der „unbekannte“ wie der „unerkannte“ Soldat heißt. Und in der Tat, wieviele unerkannte Soldaten mögen unter diesen in den besetzten Gebieten verbliebenen Priestern gewesen sein? Nicht nur in Frankreich, sondern auch unter den aus Anlaß der Trennunggesetze in großer Zahl nach Belgien abgewanderten französischen Ordensleuten! Von dem Palais des Erzbischofs von Cambrai, des Msgr. Chollet, schreibt der Chef des Nachrichtendienstes der Deutschen Obersten Heeresleitung, Oberst Nicolai selbst, daß es besonders im Verdacht stand, eine Spionagezentrale gewesen zu sein [„ „ 29]. Und von diesem Msgr. Chollet berichtet der schon wiederholt erwähnte Msgr. Lacroix, daß dank seiner mutigen Verteidigung vor dem Prinzen Rupprecht von Bayern zwei Feldgeistliche, ein Prälat und ein Jesuit, die zum Tode durch Erschießen verurteilt waren, weil sie der französischen Artillerie mit ihrem Rotekreuzfähnlein Zeichen gegeben hatten, begnadigt wurden [„ „ 30]. Und wenn Msgr. Lacroix im Jahr 1915 an anderer Stelle sagt:

„Später, nach dem Krieg, wird man, wie zu glauben ist, in allen vom Feinde besetzten Bistümern und unter dem Einfluß der Bischöfe, Gemeinde für Gemeinde, die schreckliche Bilanz der von den Reitern des Kaisers begangenen Raubzüge auf unserem Gebiet aufstellen. . .“

„Man wird hier die lange Liste der Pfarrer, Vikare, Professoren und Feldgeistlichen finden, die ihren normalen Beschäftigungen entrissen sind, um dem Ruf des Vaterlandes zu folgen, und, mit einem Wort, man wird ihre Rolle angeben, ihre geheime (rôle obscur) oder ruhmvolle, je nach den Umständen“, [„ „ 32]

so sollte dies an sich zur Abrundung des Bildes genügen. Besonderer Heldenmut, den „unerkannten Soldaten“ zu spielen, scheint allerdings für die Priester kaum erforderlich gewesen zu sein. Denn einmal schreibt Herrmann selbst:

„Am interessantesten ist hier, daß wir währen des ganzen Krieges niemals militärische Ausbildung bei einem Geistlichen vermutet haben“ [Herrmann a. a. O. 30],

und zum andern konnten die überstaatlichen Querverbindungen des römischen Männerbundes im Notfall wirksam gemacht werden, wie aus obigem Beispiel ersichtlich ist.

Es wird uns aber auch die ganze widerwärtige Heuchelei bei den Lamentationen der Wortführer des römischen Männerbundes wegen angeblich feindseliger Handlungen der Deutschen Truppen gegen die katholische Kirche und ihre Priester bewußt, so z. B., wenn Papst Benedikt XV. in seiner Ansprache an das Konsistorium am 22. 1. 1915 von den Deutschen Truppen fordert,

„daß sie nicht die Bewohner (der besetzten Gebiete) in ihren heiligsten Gütern, nämlich ihren geweihten Gotteshäusern, ihren von Gott bestellten Seelsorgern, ihren Rechten der Religion und des Glaubens böswillig verletzen“.

Wir haben nie gehört, daß der Papst in aller Form jene ungeheuerlichen Greuelmärchen verurteilt hätte, die Herr François Veuillot [G. A. 101-170/81-140.], mit dem ausdrücklichen Segen des Kardinals Amette, über die Deutschen Truppen in dem von dem damaligen Rektor der Katholischen Universität zu Paris und General-Vikar, dem nunmehrigen Kurienkardinal Baudrillart herausgegebenen Buch „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ in die Welt hinausschleuderte, um von kirchlicher Autorität gedeckt die Katholiken der neutralen Staaten in nicht zu überbietender Weise gegen Deutschland aufzuhetzen. Gewiß haben die Kardinäle Erzbischof von Hartmann in Köln und Erzbischof von Bettinger in München damals an den Deutschen Kaiser folgendes Telegramm gerichtet:

„Empört über die Verunglimpfung des deutschen Vaterlandes und seines glorreichen Heeres in dem Buche ,Der deutsche Krieg und der Katholizismus‘ ist es uns Herzensbedürfnis, Eurer Majestät im Namen des ganzen deutschen Episkopats unsere schmerzliche Entrüstung auszusprechen. Wir werden nicht unterlassen, beim Oberhaupt der Kirche Beschwerde zu führen.“ [Pfeil. 493.]

Diese Beschwerde bezog sich aber keineswegs auf die ungeheuerlichen Lügen und Verleumdungen über das Deutsche Volk und Heer in dem von Kardinal Amette sanktionierten Buch, sondern, wie aus der schon oben erwähnten Ergebenheitadresse der Fuldaer Bischofkonferenz vom 17. 8. 1915 an den Papst hervorgeht, lediglich gegen die Verdächtigung die Deutschen Katholiken seien „von der Reinheit des Glaubens abgeirrt“. Auch die mehr als lendenlahme Antwort des Papstes Benedikt XV. vom 6. 9. 1915 bezog sich lediglich auf diese Streitfrage. Wem die Sympathien dieses Papstes galten, erhellt unzweideutig seine Ansprache an das Konsistorium am 22. 1. 1915, in der er u. a. sagte:

„Der römische Pontifex, einerseits als Stellvertreter Jesu Christi, der für alle Menschen und für Jedermann gestorben ist, andererseits als der gemeinsame Vater aller Katholiken, soll dasselbe Gefühl christlicher Liebe für alle Streiter empfinden. Auf jeder Seite der Kriegführenden ist eine große Zahl von Söhnen vorhanden, deren Seelenheil Ihm in gleicher Weise am Herzen liegen soll. Es ist daher nötig, daß Er in Ihnen nicht die besonderen Interessen, sie zu entzweien, in Betracht zieht, sondern das gemeinschaftliche Band des Glaubens, durch das sie Brüder sind . . .

Aber indem Wir keiner der beiden Parteien beitreten, bekümmern Wir uns, wie Wir es bereits gesagt haben, in gleicher Weise um den Einen wie um den Andern, und zu gleicher Zeit folgen Wir mit Angst und Bangigkeit den schrecklichen Phasen dieses Krieges, der um so verderblicher ist, als die Heftigkeit der Angriffe manchmal jedes Maß übersteigen. Aber es ist ganz natürlich, daß unser Gedanke öfters zu jenen schweift, bei denen Wir die ehrerbietigste Zuneigung für den gemeinsamen Vater der Getreuen finden, und dies trifft zum Beispiel für das vielgeliebte belgische Volk zu, wofür der Brief, den Wir unlängst an den Kardinal-Erzbischof von Malines (Kardinal Mercier von Mecheln, d. Verf.) sandten, Zeugnis ablegt.“ [G. A. 244-245/216-217.]

Damit wird übrigens nur die schon oben wiedergegebene Äußerung der „Civiltà cattolica“ bestätigt, daß der heilige Stuhl nicht ohne Schrecken die Möglichkeit eines Deutschen Sieges ins Auge gefaßt habe.

Manchen lehrreichen Aufschluß über die intimen Beziehungen zwischen dem Vatikan und der französischen Regierung geben auch die in den „Pages actuelles“ Nr. 101 unter der Sammelüberschrift „Le dieu allemand“ veröffentlichten Reden und Zeitungartikel des französischen Staatsministers Denys Cochin [„Pages actuelles“ (1914-1916) Nr. 101, bei Bloud & Gay, Paris-Barcelona, 1917.]. Wir wollen hier nur zwei derselben in Kürze betrachten. Da ist zunächst der im „Temps“ vom 29. Dezember 1914 erschienene Aufsatz mit der Überschrift „L’Union sacrée“ [P. A. Nr. 101, S. 49 ff.] („Die heilige Union“). Darin wird Bezug genommen auf ein Dekret des Papstes Benedikt XV., das unter Hinweis auf Artikel 16 der Haager Konvention von 1899 die konfessionelle Betreuung der Kriegsgefangenen durch sprachkundige Priester ihres Bekenntnisses anordnet, darüber hinaus aber auch zur Schaffung zwischenstaatlicher Nachrichtenaustauschstellen für die Kriegsgefangenen mit ihren Familien und die Schaffung einer zwischenstaatlichen Nachforschungstelle für Kriegsvermißte aufruft. Nach Cochin entsprang dieser päpstliche Schritt einer Anregung der Abgeordneten des Seinedepartements. Für Kriegsgefangene, die nicht selbst imstande waren zu schreiben, sollten dies die sie betreuenden Priester tun. Nun besteht kein Zweifel, daß ein solcher Nachrichtendienst für die Nächstbeteiligten eine äußerst segensreiche Einrichtung sein kann. Er ist auch für die kriegführenden Staaten solange unbedenklich, als er zwischenstaatlich bleibt und sich lediglich auf private Mitteilungen beschränkt. Man wird sagen, daß hiefür die strenge Zensur sorgt, der Gefangenenbriefe unterworfen werden. Anders wird aber die Sache, wenn überstaatliche Organisationen mit eigenen machtpolitischen Interessen sich in diesen zwischenstaatlichen Nachrichtendienst einschalten, z. B. die römische Kirche durch ihre Priester. Wie Herrmann [Carl Herrmann „Geheimkrieg, Hamburg 1930   „Pater Philippart . . .“, Tübingen 1932   „Die Hüllen fallen“, Tübingen 1933.] nachgewiesen hat, bedient sich der römische Männerbund – ebenso wie die Weltfreimaurerei – der anagrammatischen Tonspiel-Chiffer für seinen geheimen Nachrichtendienst. Dieses Chiffersystem hat den außerordentlichen Vorzug, daß seine Anwendung für den Uneingeweihten überhaupt nicht erkenntlich ist, weil es mit scheinbar offenen und völlig unverfänglichen Texten arbeiten kann. Wenn wir nun berücksichtigen, daß für eine derart chiffrierte Nachrichtenübermittlung nicht nur die in überstaatlichem Dienst stehenden Kriegsgefangenen-„Seelsorger“, sondern auch die mit diesem Nachrichtensystem vertrauten kriegsdienstpflichtigen französischen Priester während ihrer Gefangenschaft in Betracht kommen, so dürfen wir uns wohl mit Recht fragen, ob diese „väterliche Initiative“ des Papstes Benedikt XV. wirklich nur edlen Beweggründen entsprungen ist, oder ob nicht auch hier wieder einmal, wie das beim römischen Männerbund und anderen überstaatlichen Bünden System ist, eine edle Sache als Mäntelchen für sehr unedle Absichten dienen mußte. Vieles was sich „heilig“ nennt, ist bei näherem Zusehen nur scheinheilig. Könnte da nicht auch die „heilige Union“ des Herrn Cochin in Wirklichkeit nur eine unheilige Union gewesen sein?

Nicht minder nachdenklich stimmende Schlüsse zwingt auch die Rede auf, die Staatsminister Cochin am 10. September 1916 in Meaux anläßlich einer Feier des französischen Sieges an der Marne im Jahr 1914 in Anwesenheit der Bischöfe von Reims, Arras und Meaux hielt [P. A. Nr. 101, S. 60 ff.]. In dem von ihm ausgebrachten Toast sagte er u. a.:

„. . . Je ne sais pas s’il est très correct de boire à la santé de Nos Seigneurs les évêques, mais j’ai devant moi des prélats desquels la providence a exigé, sans les prendre au dépourvu, des vertus militaires; laissez-moi, suivant notre vieil usage, vider mon verre à la santé des courageux évêques de Reims, d, d’Arras et de Meaux.“ . . .

(„. . . Ich weiß nicht, ob es sehr korrekt ist, auf die Gesundheit unserer hochwürdigen Herren Bischöfe zu trinken, aber ich habe Prälaten vor mir, von denen die Vorsehung militärische Tugenden forderte, ohne sie unvorbereitet zu überraschen; lassen Sie mich, unserem alten Brauch folgend, mein Glas auf die Gesundheit der mutigen Bischöfe von Reims, Arras und Meaux leeren.“ . . . [„sans les prendre au dépourvu“ = ohne sie unversehens zu überfallen.]

Die „Vorsehung“ hat von den Bischöfen also „militärische Tugenden“ gefordert, m. a. W. die Bischöfe hatten militärische Aufgaben zu erfüllen, für die sie „vorgesehen“ waren. Wir folgen nur der von Baudrillart selbst vertretenen Geschichteauffassung, wenn wir die Worte des Staatsministers Cochin so lesen. Und was der Toast weiter verrät: diese militärische Aufgabe kam ihnen nicht überraschend und unversehens, sondern sie waren darauf vorbereitet.

Nun, klarer kann man wohl die geheime Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und dem französischen Generalstab nicht mehr beweisen. Man sieht sich aber damit zwangsläufig genötigt, weiterzufolgern, daß der Weltkrieg vom Vatikan systematisch in allen Einzelheiten mitvorbereitet war, denn ohne die ausdrückliche Einwilligung des Papstes wäre eine derartige militärische Zusammenarbeit bei der damaligen Lage der katholischen Kirche in Frankreich undenkbar gewesen.

Einen ganz besonderen Reiz birgt es auch in sich, wenn Cochin die Bischöfe als „Prälaten“ bezeichnet, denn das französische Wort „prélat“ bedeutet auch „officier de la maison du pape, autorisé à porter le violet“, also auch Offiziere des Papstes. Da ist es ja auch gar nicht verwunderlich, wenn diese Prälaten mit militärischen Aufgaben betraut waren.

Es ist nötig, hier auch noch kurz auf die Beteiligung Englands am Weltkrieg an der Seite Frankreichs und Rußlands, d. h. der papistischen Union, einzugehen, denn es mag zunächst sonderbar erscheinen, daß das „protestantische“ England sich an diesem papistischen Kreuzzug gegen Deutschland beteiligte. Der schon wiederholt genannte „Missionar“ sagt hierüber in dem von ihm zu Baudrillarts Buch beigesteuerten Abschnitt „Die Rolle Frankreichs in der Welt als katholische Macht“ voll offensichtlichen Bemühens, die Katze nicht aus dem Sack zu lassen:

„England, das Tausende seiner Söhne nach Nordfrankreich gesandt hat, wo sie die katholische Bevölkerung Flanderns und ihre französischen Brüder, unsere Priester, unsere Nonnen und unsere Krankenschwestern kennen und schätzen gelernt haben, wird aus dem Kriege vorurteilsloser hervorgehen und dem Katholizismus gegenüber eine noch wohlwollendere Stellung einnehmen als bisher. Dieser Wandel ist bereits wahrnehmbar. Und welche tatkräftige Unterstützung könnte England nicht der Verbreitung des Evangeliums angedeihen lassen!“ [G. A. 98/78.]

Man könnte demnach gerade meinen, die Entente Cordiale zwischen Frankreich und England sei von den beiderseits verantwortlichen Staatsmännern nur zu dem Zweck geschaffen und die systematische Einkreisung Deutschlands nur zu dem Zweck betrieben worden, dem englischen Volk eine großzügig organisierte Reisegelegenheit nach Frankreich und Belgien zu geben, um die katholische Bevölkerung dieser Länder näher kennen zu lernen. Es wurde schon so viel über die Politik König Eduards VII. von England und das Zustandekommen der Entente Cordiale geschrieben. Frankreich und England tun sich soviel zugute, alte „Demokratien“ zu sein. Und doch schrieb, wie schon weiter oben wiedergegeben, der von Baudrillart zitierte Maurice Vaussard in Bezug auf das „demokratische“ Frankreich, daß bei der Lenkung seiner Politik ein handelnder Kern mehr wert sei als eine gestaltlose Menge. Warum sollte dies in anderen „Demokratien“ anders sein? Man sagt, „Demokratie“ heiße „Volksherrschaft“, da fragt sich aber dann nur, wer mit dem „Volk“ gemeint ist. Sollte es nicht das auserwählte Volk Israel sein, das regiert? Weder die Vorherrschaft der christlichen Bigotterie im gesellschaftlichen Leben, noch die Tatsache, daß bereits im vorigen Jahrhundert ein Jude wie Disraeli (Lord Beaconsfield) als Ministerpräsident an der Spitze der englischen Regierung stehen konnte, sprechen für das Vorhandensein eines wirklich klaren Rassebewußtseins beim englischen Volk. Der unmittelbare politische Einfluß des Judentums (bekanntlich ist auch der derzeitige englische Kriegsminister Hore-Belisha Jude) durch seine wirtschaftliche Machtstellung und seine systematische Versippung mit einflußreichen englischen Familien ebenso wie sein mittelbarer Einfluß auf dem Weg über die gerade in England besonders stark vertretenen Freimaurerei ist ungleich viel größer als seiner rein zahlenmäßigen Stärke entspräche.

Das gleiche trifft aber auch auf den Einfluß Roms zu, dessen Stoßtrupp der verhältnismäßig zahlreiche katholische Hochadel in England ist [Es sei auch auf die außerordentlich einflußreiche Stellung des von den Jesuiten erzogenen, mit dem britischen Botschafter in Paris, Sir Eric Phipps, verschwägerten, früheren langjährigen Unterstaatssekretärs im Britischen Auswärtigen Amt und jetzigen „diplomatischen Ratgebers der englischen Regierung“ Sir Robert Vansittard, hingewiesen.].

Konnte es übrigens für den „Stellvertreter des Gottes des Friedens“ einen größeren Spaß geben, als wenn durch seine Intrigen die ihm nicht hörigen russischen, Deutschen und englischen Soldaten sich gegenseitig totschlugen, während er als lachender Dritter im Hintergrund stand, um im gegebenen Augenblick sein Schäfchen ins Trockene zu bringen? Wie sagte doch Kardinal Faulhaber von München: „Wenn die Welt aus tausend Wunden blutet, dann schlägt die Stunde für die katholische Kirche“. Was liegt bei solcher Ansicht näher, als das Seinige zu tun, daß die Welt eben aus tausend Wunden blute? Man wende ja nicht ein, daß die römische Priesterkaste den Weltkrieg nicht gewollt haben könne, weil dadurch auch viele treugläubige Katholiken getötet worden seien. Wann hätte der römische Männerbund Gewissensbisse empfunden, wenn es darum ging, seinen Herrschaftanspruch durchzusetzen? Vor welchem nur immer erdenklichen Verbrechen wäre er dabei je zurückgeschreckt? Was ihm hierbei das Leben seiner Gläubigen gilt, das hat in dem von Papst Innozenz III. im Jahr 1209 entfesselten Vernichtung-„Kreuzzug“ gegen die ketzerischen Albigenser der Anführer des Papistenheeres, Abt Arnold von Citeaux, bei der Einnahme der Stadt Béziers und der Niedermetzelung ihrer Einwohner in geradezu klassischer Form ausgesprochen. Auf die Frage, wie man die Katholiken von den „Ketzern“ unterscheiden könne, erklärte er nämlich: „Schlagt sie alle nieder, Gott kennt die Seinen schon“.

Die Erörterung des hier angeschnittenen Themas wäre unvollständig, wenn nicht auch dazu Stellung genommen würde, welche Haltung die römische Priesterkaste ihren Mitgliedern hinsichtlich der Beteiligung an kriegerischen Konflikten vorschreibt und welche grundsätzliche Einstellung sie zum Krieg selbst hat. Zu ersterem wollen wir Baudrillart sprechen lassen. Er stellt die Frage:

„Hat der katholische Priester das Recht, den bürgerlichen Gesetzen, die ihn zum Waffendienst verpflichten, zu gehorchen oder nicht zu gehorchen?“ [P. A. Nr. 102 S. 13]

Hierzu sagt er:

„Der Priester, der mit der Waffe kämpft, begeht keine unmoralische Handlung; er begeht eine Handlung, die seiner Funktion zuwiderläuft“ [P. A. Nr. 102 S. 15] . . . „Der Krieg ist kein Übel an sich, Kämpfen ist kein Fehler an sich, es kann sogar eine sehr verdienstvolle Tat sein“ [P. A. Nr. 102 S. 15] . . . „Am Krieg teilnehmen ist dem Priester keineswegs verboten . . . er kann sogar, wo er dazu berufen ist, in Erfüllung ziviler oder politischer Funktionen an der Organisation des Krieges und an seinen Vorbereitungen sich beteiligen“ [P. A. Nr. 102 S. 14] . . . „Es gibt gerechte Kriege, es gibt weise Kriege, es gibt ehrenvolle Kriege, ja es gibt sogar heilige Kriege. Wer immer sich daran beteiligt, sei es auf Grund seiner natürlichen Verpflichtung oder auf Grund seines Amtes, gleichgültig ob Soldat, Bürger oder Priester, begeht eine gerechte, weise, ehrenhafte, ja selbst heilige Handlung.“ [P. A. Nr. 102 S. 10] . . . Wenn die Kirche den Geistlichen verbietet, einen Krieg zu führen, so geschieht das einzig, weil die Kriegführung ihrem Amt zuwiderläuft. Sie verbietet ihnen aber keineswegs, andere dazu anzustiften. Warum? Weil der Krieg keineswegs immer eine böse Tat zu sein braucht, sondern im Gegenteil eine gerechte und verdienstvolle Tat sein kann. . . . Ein katholischer Priester kann jemandem raten, Krieg zu machen, ohne das Recht zu haben, ihn selbst zu machen, ebenso wie er jemandem raten kann, sich zu verheiraten, ohne das Recht zu haben, selbst zu heiraten. . . . Die Frage, den Frieden oder den Krieg wollen, ist also für den Priester wie für den Gläubigen auf die gleiche Weise zu beantworten: der ungerechte Krieg ist verboten, der gerechte Krieg ist erlaubt. . . . Wenn der Gläubige das Recht hat, einen gerechten Krieg zu wollen, dann hat es der Priester in gleicher Weise. Alle beide haben das Recht, ihn so lange zu wollen, bis die Gerechtigkeit triumphiert. . . . Wenn der vom Feind vorgeschlagene Friede nicht der Gerechtigkeit entspricht, hat der Priester ebenso wie der Gläubige das Recht, ihn abzulehnen und den Krieg fortzusetzen, solange ein Widerstand möglich ist. . . . Die Frage ist also, zu wissen, ob der eingegangene Krieg ein gerechter Krieg ist.“ [P. A. Nr. 102 S. 8-9 (Hervorhebungen v. Verf.)]

Diese Worte des Msgr. Baudrillart sprechen für sich selbst, sie machen jede Erläuterung überflüssig. Nicht unangebracht dürfte es aber sein, an dieser Stelle auf Kanon 139, § 4 des kirchlichen Gesetzbuches hinzuweisen, der bestimmt:

„Geistliche sollen nicht das Amt eines Senators oder Abgeordneten in einer gesetzgebenden Körperschaft ausüben, ohne besondere Genehmigung des Heiligen Stuhles, wo dieser zuständig ist, bzw. ohne die Erlaubnis des zuständigen Bischofs.“

Diese Bestimmung könnte nun leicht zu der irrigen Annahme führen, daß die römische Kirche sich grundsätzlich aus der Politik fernhalten wolle und nur ausnahmeweise ihren Priestern politische Betätigung gestatte, diese darum von besonderer Erlaubnis anhängig mache. Zu solch irriger Auffassung bezüglich der Einstellung des römischen Männerbundes zur Politik könnten auch gewisse zweckbestimmte päpstliche Verlautbarungen führen, wie etwa die Benedikts XV. in seiner Ansprache an das Konsistorium am 22. 1. 1915, in der er u. a. sagte:

„ . . . Es ist weder angemessen noch nützlich, sich mit der päpstlichen Autorität in den Streit der Kriegführenden zu mischen. Es ist sicher für jeden ruhig denkenden Geist klar, daß der Heilige Stuhl in diesem entsetzlichen Kampfe eine völlige Unparteilichkeit bewahren muß, ohne daß Er deshalb aufhöre, ihm das aufmerksamste Interesse zu widmen. . . . Wenn Er sich anders verhalten würde, würde Er nicht nur die Sache des Friedens nicht fördern, sondern was noch schlimmer ist, Er würde auch der Religion Haß und Unwillen zuziehen und die Ruhe und innere Eintracht der Kirche schweren Störungen aussetzen.“ [G. A. 244/216.]

Daß der römische Männerbund aber nicht im geringsten daran denkt, auf politische Betätigung zu verzichten, dafür ließen sich unzählige Verlautbarungen von Päpsten und führenden katholischen Politikern anführen. Es genüge hier die Stellungnahme Papst Pius‘ X. in seiner am 9. November 1903 an die Kardinäle gehaltenen Ansprache:

„Unseres Amtes ist es, jeden einzelnen, und zwar nicht nur die Untergebenen, sondern auch die Herrschenden . . . im privaten wie im politischen Bereich nach den Normen der Sittlichkeit zu leiten. Wohl begreifen Wir, daß es einigen zum Anstoß gereichen wird, wenn Wir sagen, zu Unserer Aufgabe gehöre auch die Politik; aber jeder billige Beurteiler sieht ein, daß der Papst von dem Lehramte, das Er in Sachen des Glaubens und der Sitten besitzt, das Gebiet der Politik durchaus nicht trennen kann.“

Nicht minder klar sprach sich auch schon Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika „Sapientiae christianae“ aus:

„Die Kirche hat tatsächlich das Recht, den Bürgern die Richtlinien für ihr Verhalten im Staatsdienst vorzuschreiben, wenn es um die Interessen der Religion geht. Sie hat sogar das Recht, den Bürgern gewisse Mittel und die Zugehörigkeit zu gewissen Parteien zu verbieten, die nach ihrem Urteil im Widerspruch zum christlichen Gewissen und zur Religion stehen. Die Katholiken haben die Pflicht, sich ganz mit den Lehren der Kirche über die sozialen und politischen Dinge zu erfüllen und sich nach ihrem Können darum zu bemühen, daß diese Lehren auf geistigem Gebiet und in den Staatseinrichtungen durchdringen. Sie haben auch die Pflicht, als Staatsbürger in ihrem politischen Handeln mit allen Kräften der Verbreitung von Irrtümern und Gesetzen Widerstand zu leisten, die dem heiligen Recht der Kirche und der christlichen Sittenlehre widersprechen.“

Nichts erhellt besser als diese päpstlichen Verlautbarungen, wie falsch es ist, von einem „politischen Katholizismus“ zu sprechen, denn damit wird der Eindruck erweckt, als ob es auch einen „unpolitischen“ Katholizismus geben könnte; als ob das Politisieren im Dienste römischen Machtstrebens ein „Mißbrauch der Religion“ sei. Was ein „Mißbrauch“ der katholischen Religion ist, darüber hat unbestreitbar einzig und allein der Papst zu entscheiden. Auch Papst Pius XI. erklärte in seiner Weihnachtansprache 1927, „die Anteilnahme an der Politik im Sinne der Arbeit für das allgemeine Beste sei eine der vornehmsten (katholischen) Christenpflichten“ [„Germania“ Nr. 2/1928]. Für das „allgemeine“ Beste, heißt es. Damit hier kein Mißverständnis entstehe, auch „katholisch“ heißt „allgemein“! Solche Politik ist also nicht nur kein Mißbrauch, sondern eine der vornehmsten Christenpflichten. General Ludendorff prägte daher für diese Priesterpolitik das treffende Wort: Politik aus dem Glauben machen.

Bei dieser völlig zweifelsfreien Sachlage kann es sich also nicht mehr darum handeln, gegen den „politischen Katholizismus“ zu zetern, vielmehr ergibt sich für jeden verantwortungbewußten Menschen, insbesondere aber für die Lenker aller Völker die Aufgabe, zu prüfen, ob und inwieweit die römisch-katholische „Religion“, ihre Lehren und ihre Praxis den Interessen und Aufgaben des Staates, vor allem des völkischen Nationalstaates widersprechen, ja, ihnen von Grund auf feindlich gegenüber stehen. Klar und nüchtern, wie ein Staat seine Maßnahmen trifft bei der Bekämpfung etwa einer mächtigen Gangsterorganisation, die einen ganzen Landesteil terrorisiert und in Schrecken versetzt, Widerspenstige mordend und beraubend, Geängstigte durch Tribute ausplündernd, Freunde und Anhänger fördernd und mit allen Mitteln unterstützend, ebenso müssen die Regierungen der völkischen Staaten nötigenfalls ihre Maßnahmen gegen den römischen Männerbund treffen, der seine Macht ebenfalls einzig und allein der Seelenverängstigung, der Androhung ewiger Verdammnis und Höllenqualen oder der Verheißung nur durch seine Vermittlung erreichbaren ewigen Lohnes verdankt. Seit je haben die Priesterkasten auf gerissenste Weise verstanden, dem breiten Volk gegenüber sich das Mäntelchen der Heiligkeit umzuhängen, ihre Organisationen und Einrichtungen für „heiligmäßig“ zu erklären und sich bevorrechtigten Schutz durch die von ihnen beeinflußten Staatsregierungen zu verschaffen. Wenn immer man ihnen aber die Maske lüftet, grinsen einem nur unermeßliche Herrschsucht, grenzenlose Machtgier entgegen.

Doch, betrachten wir auch noch die grundsätzliche Einstellung der römischen Priesterkaste zum Krieg selbst und zu den sittlichen Formen der Kriegführung.

Wir haben oben gehört, daß Msgr. Baudrillart die Frage nach der Erlaubtheit des Krieges durchaus bejaht und erklärt, daß es lediglich notwendig sei, zu wissen, ob ein Krieg „gerecht“ oder „ungerecht“ sei. An anderer Stelle sagt er, daß die Kirche zu allen Zeiten ihren Priestern gestattet habe, mit der Waffe zu kämpfen „in Fällen höchster Gefahr für die Christenheit, für die Gesellschaft, für die Nation“ [P. A. Nr. 102 S. 18-19 (Hervorhebungen v. Verf.)]. Wörtlich sagt er:

„Kann die Kirche niemals das Gesetz aufheben, das sie gemacht hat und recht gemacht hat, welches sie aufrecht zu halten behauptet und welches sie gerade eben im ursprünglichen Zustand (gemeint ist zweifellos die hierarchische Gesellschaftordnung) und gemäß der allgemeinen (Kirchen-) Satzung erhält, selbst in den modernen, den demokratischen und gleichmacherischen Gesellschaftformen?

Wir verkünden nichts Neues, wenn wir daran erinnern, daß die Kirche zu allen Zeiten, ausdrücklich oder stillschweigend, ihre Priester ermächtigt hat (mit der Waffe) zu kämpfen, in Fällen höchster Gefahr für die Christenheit, für die (bestehende) Gesellschaftordnung, für den Staat (das französische „nation“ hat keine Bedeutung in völkischem Sinn, sondern bedeutet einfach Staatsvolk). Da ist der heilige Magloire, Bischof von Dol, welcher, mit den Waffen in der Hand, die normannischen Inseln gegen die Heiden aus dem Norden verteidigte; da sind die Päpste Johann VIII., Johann X., der heilige Leo IX., Julius II.; nicht zu reden von jenen, die die Kreuzzüge organisierten: Calixtus III., Pius II., der heilige Pius V. Da sind die französischen Bischöfe Gozlin von Paris, der heilige Ebbon von Sens, der heilige Emil von Nantes, Guerin von Senlis, Philipp von Beauvais, Richelieu, Sourais; da ist der glaubenseifrige heilige Johann von Capistran; da sind die italienischen und spanischen Kardinäle: Scarampa, Caraffa, Albornoz, Ximenes, Ruffo, lauter Heerführer, welche die brennende Sorge um das öffentliche Wohl zeitweilig aus dem Heiligtum trieb, das öffentliche Wohl der Kirche oder des Staates [„bien de l’église“, heißt bezeichnenderweise nicht nur das Wohl der Kirche, sondern auch das Kirchengut.], das Entsetzen über die Unordnung, hervorgerufen durch den Ungläubigen, den Ketzer, den Revolutionär; da sind die Seelenhirten des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, die als Führer der Streitkräfte der Landstände der königlichen Macht zum Sieg über die blutige Gewaltherrschaft gewisser Lehnsherren (Landesfürsten) verhalfen und, indem sie den Sieg Philipp-Augusts in Bouvines sicherten, in einer nationalen Glaubensgemeinschaft (staatlichen Glaubenseinheit) den Pakt erneuerten, der in Reims zwischen dem Frankenreich und der katholischen Kirche geschlossen worden war.“ [Gemeint ist der Pakt des Frankenkönigs Chlodwig mit der römischen Kirche. Es ist für die geistige Haltung Baudrillarts – wie auch anderer Franzosen – bezeichnend, daß er das Frankenreich mit Frankreich gleichsetzt und damit den Anspruch Frankreichs auf das Erbe Karls des „Großen“ vertritt.]

Allein aus diesem, an sich beliebig erweiterungfähigen, knappen Geschichteabriß des Msgr. Baudrillart ersehen wir, was wir davon zu halten haben, wenn sich das Oberhaupt der römischen Priesterkaste als „Stellvertreter des Gottes des Friedens“ bezeichnet. Der Wirklichkeit dürfte es entschieden näherkommen, wenn man ihn als einen der Hauptverantwortlichen dafür bezeichnet, ob die Völker der Erde in Kriege gestürzt werden oder sich der Segnungen friedlicher Arbeit erfreuen dürfen. Sofern wir aber die Rolle des Papstes schon mit einem kurzen Wort bezeichnen wollten, müßten wir ihn eher „Stellvertreter des Kriegsgottes“ nennen, falls ihm damit nicht zuviel Ehre angetan wäre, denn nach Baudrillart entspricht ja nicht der ehrliche und immerhin Mut erfordernde Kampf mit der Waffe in der Hand dem Amt des katholischen Klerikers, dagegen offenbar die hinterhältige und feige Kriegshetzerei.

Besonders zu beachten ist bei obigen Ausführungen Baudrillarts, daß die Kirche den Kampf, d. h. den Krieg für die Interessen der „Christenheit“ und gegen die Ungläubigen, Ketzer und Revolutionäre offenbar jederzeit gestattet bzw. für erlaubt hält. Daß hierbei „Christenheit“ mit römischer Kirche gleichzusetzen ist, versteht sich bei den von der katholischen Kirche erhobenen Totalitätansprüchen von selbst.

Kanonikus Bernard Gaudeau sagt in seiner „Kurzen Übersicht der christlichen Gesetze des Krieges“ [G. A. 14-15/2-3.] u. a.:

„Weder das Evangelium noch die Kirche hat eigentliche, besondere Gesetze für den Krieg aufgestellt. Nach der katholischen Auffassung ist der Krieg nur ein spezieller Fall der allgemeinen Moral; und die christliche Offenbarung enthält ebenfalls keine besonderen, positiven Vorschriften über diesen Punkt. Man hat also die Gesetze des Krieges aus dem natürlichen Gesetz, aus dem natürlichen Recht herzuleiten. Hierunter verstehe man die Normen, welche jedem Menschen sein Gewissen vorschreibt, wenn er sich in Treuen der natürlichen und normalen Weltordnung, Ausdruck des göttlichen Willens, unterwirft und anpaßt.“

Nichts wäre irriger, als nun anzunehmen, Gaudeau, und nach ihm also die katholische Lehre, verstehe unter dem „natürlichen“ Gesetz die Naturgesetze. Noch nie hat im Grunde genommen die katholische Kirche die Naturgesetze anerkannt, und sie kann dies auch niemals tun, weil sie sonst mit einem Schlag das von ihr aufgestellte Weltbild und damit die Grundlagen ihrer ganzen hierarchischen Machtansprüche zertrümmern müßte. Das katholische Weltbild ist nicht das Ergebnis voraussetzungloser Forschung, an seiner Wiege stand vielmehr die „göttliche Offenbarung“ oder mit anderen Worten, zweckbestimmte Priesterlehre, die an Stelle des Beweises die Behauptung setzt. Dies zeigt auch die von Gaudeau gegebene Definition des Wesens der „katholischen Moral“, wenn er sagt:

„Das Charakteristische an ihr ist eben, daß sie objektive, absolute, unwandelbare Normen aufstellt, die nicht von den ihnen unterworfenen Individuen oder Völkergemeinschaften herrühren und daher auch nicht abhängig von denselben sind; es sind göttliche Normen, denn sie sind nichts anderes als der Ausdruck des Willens Gottes, des Schöpfers und Meisters aller Dinge, Willen, der sich einerseits in der natürlichen, durch die menschliche Vernunft erkennbaren Weltordnung, andererseits in der christlichen Offenbarung kund gibt.“ [G. A. 15-16/3-4.]

Lassen wir uns aber wiederum nicht dadurch irre führen, daß hier von einer Erkenntnis der Weltordnung durch die menschliche Vernunft die Rede ist. Die katholische Moral lehrt,

„daß bis ans Ende der Zeiten jeder Adamsohn bei seiner Geburt die von seinem Stammvater ererbte Natur mit auf die Welt bringt, das heißt eine unvollkommene Natur, die mit Gottes Beistand recht zu handeln wohl fähig, aber andererseits schwach, fehlbar und dem Übel gar leicht zugänglich ist. Sie lehrt also, daß die Menschheit in ihrem innersten Wesen den unzerstörbaren Keim aller Kriege trägt und tragen wird.“ [G. A. 16/4.]

Dieser, der grundlegenden katholischen bzw. christlichen Lehre von der Erbsünde entspringende Dualismus: Gott-Mensch hat seinen folgerichtigen Niederschlag gefunden in der grundsätzlichen Verneinung rassischer und völkischer, d. h. blutgebundener Eigenwerte. Auf dem Gebiet der Moral hat er seinen klassischen Niederschlag gefunden, grundsätzlich in der Sterilität kirchlicher Dogmen, praktisch in der von höchster Verruchtheit erfüllten Labilität des Probabilismus mit seiner Lehre von den inneren Vorbehalten.

Ein sehr lehrreiches Beispiel hiefür ist der im Deutsch-vatikanischen Konkordat vom Jahr 1933 in Artikel 16 festgelegte Eid, den die Bischöfe dem zuständigen Reichsstatthalter bzw. dem Reichspräsidenten zu leisten haben und der lautet:

„Vor Gott und auf die heiligen Evangelien verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande . . . Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte.“

Wer anders als der Papst wird für einen Bischof der römischen Kirche Schiedsrichter dafür sein, was sich für ihn „geziemt“ und was dem Wohl und Interesse des Deutschen Staatswesens dient?

Diese beiden hervorspringendsten Wesenszüge katholischer Moral dürfen wir auch bei der Betrachtung des Folgenden nie aus dem Auge verlieren.

Nach Thomas von Aquin, dem bekannten Scholastiker und Kirchenlehrer, muß der Krieg, soll er kein Verbrechen sein, „gerecht“ sein. Taparelli fügt hinzu, daß der Krieg auf das Gemeinwohl aller Glieder der ihn unternehmenden Gesellschaft ausgehen müsse. Suarez sagt:

„Keine andere Ursache kann den Krieg rechtfertigen, als die offenbare Verletzung eines unzweifelhaften Rechtes, für die man trotz aller Bemühungen auf friedlichem Wege keine Genugtuung hat erlangen können.“

Gaudeau fügt diesen von ihm angeführten Moraltheologen hinzu:

„. . . daß die verlangte Genugtuung eine dringende Notwendigkeit darstellen muß, in dem Sinne, daß ohne dieselbe dem Lande größere materielle oder moralische Nachteile erwachsen würden als die, welche der Krieg mit sich bringt.“

Er kommt hierbei zu dem Ergebnis, daß im Grunde genommen der einzig gerechte Krieg der „Defensivkrieg“ sei. Wenn ein Volk, ohne jede Provokation von seiner Seite, angegriffen werde, so liege die Gerechtigkeit seiner Sache auf der Hand.

„Jedoch die unerläßliche Genugtuung für ein erlittenes Unrecht durch die Waffen zu erlangen suchen, bedeutet auch sich verteidigen, d. h. einen ungerechten Angreifer, indem man ihm die verdiente Züchtigung zuteil werden läßt, zurückstoßen.“ [G. A. 22-23/10-11. (Hervorhebungen v. Verf.)]

Mit dieser Auffassung läßt sich aber letztlich jeder Krieg rechtfertigen, ganz besonders von seiten einer so anmaßenden und selbstherrlichen Gesellschaft wie der Papstkirche. Wir wollen gerade an dieser Stelle jene Ausführungen ins Gedächtnis zurückrufen, mit denen Baudrillart die Beweggründe des Papstes für den Erlaß der wiederholt erwähnten Verfügung des heiligen Bußgerichts vom 18. März 1912 darlegte. Ließen nicht die augenblicklichen Schwierigkeiten, in denen sich die römische Kirche in Frankreich zu jener Zeit befand, eine Ablenkung und zugleich eine „Züchtigung“ des französischen Volkes in den Augen des Papstes angezeigt erscheinen? Papst Pius X. sagte ja selbst am 29. November 1911 in seiner Ansprache an das Konsistorium in Bezug auf Frankreich:

„Das Volk, das am Taufstein zu Reims sein Bündnis mit Gott (!) geschlossen hat, wird zu seiner eigentlichen Berufung zurückkehren. (D. h. der weltliche Arm der römischen Kirche zu sein.) Die Fehler werden nicht unbestraft bleiben, aber die Tochter so vieler Verdienste, so vieler Seufzer und so vieler Tränen wird nie zu Grunde gehen.“

Kanonikus Gaudeau nennt diese Worte des Papstes „prophetisch“. Nun, eine solche „Prophetie“ war für den Papst wahrhaftig keine Kunst.

Ließ sich dies nicht am besten durch den schon von langer Hand vorbereiteten Rachefeldzug gegen Deutschland bewerkstelligen und ließ sich der Krieg nicht am besten dadurch provozieren, daß man die Heranziehung der Priester zum Waffendienst auf Grund des Militärgesetzes vom 21. März 1905 und die dadurch vollzogene Verstärkung des französischen Heeres sanktionierte und damit der freimaurerischen französischen Regierung einen Beweis der Solidarität und eine machtpolitische Stärkung gab? Die Kriegshetze des Vatikans nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Serajewo hat für alle Zeiten ihren dokumentarischen Niederschlag in den Berichten des österreichischen Gesandten am Vatikan, des Grafen Moriz Palffy und des bayerischen Gesandten am Vatikan, von Ritter, an ihre Regierungen gefunden und darf hier als bekannt vorausgesetzt werden. [Vergl. General Ludendorff: „Wie der Weltkrieg gemacht wurde“ und „Kriegshetze und Völkermorden“.]

Die ganze Gefährlichkeit des Treibens der römischen Priesterkaste tritt aber dann zutage, wenn man ihren Anspruch auf die moralische Lenkung der Angehörigen der verschiedenen Völker auch in Bezug auf den Kriegsfall in Betracht zieht. So sagt Gaudeau, die moralischen Folgen für den „ungerechten“ Angreifer seien außergewöhnlich nachteilig:

„Er ist nicht nur nach Recht und Gerechtigkeit gezwungen, all den verursachten Schaden wieder gut zu machen, die geraubten oder durch den Krieg verlorenen Güter zu ersetzen, sondern nach Lehmkuhl [Gaudeau nennt den Jesuiten Lehmkuhl in irreführender Weise einen Deutschen Theologen. Ein Jesuit hat kein Vaterland, Lehmkuhl kann daher auch nur noch abstammungmäßig als Deutscher bezeichnet werden, wobei ihm aber jedes artgemäße Fühlen und Denken offensichtlich durch die Dressur im schwarzen Zwinger abhanden gekommen ist. Seiner ganzen Geisteshaltung nach ist er nichts anderes als ein „Kettenhund Jesu“.] ,haben die Soldaten in einem ungerechten Kriege auch nicht das Recht, selbst wenn es ihnen ausdrücklich befohlen wird, einen Feind zu töten oder sein Leben in Gefahr zu setzen; sie müssen in die Luft schießen (aerem verberare debent). Ja selbst wenn sie vom Feinde angegriffen werden, dürfen sie sich nicht verteidigen, indem sie Blut vergießen (cruente se defendere nequeunt). Eine Anzahl Theologen legen das so aus, daß sie nicht das Recht hätten, sich zu verteidigen, selbst im Falle da der Gegner ihnen nicht Pardon gewährte, wenn sie die Waffen streckten‘.

,Gewiß‘, bemerkt der Autor (gemeint ist Lehmkuhl) und mit ihm die anderen Theologen, ,haben die gemeinen Soldaten, die zu gehorchen gezwungen sind, in der Regel keine Untersuchung über die Gerechtigkeit des Krieges anzustellen‘. Aber er fügt hinzu: ,Wenn sie jedoch gute Gründe haben zu glauben, daß der Krieg ungerecht ist, und wenn sie hoffen können, durch Nachforschungen über diesen Punkt Klarheit zu erlangen, so sind sie der Pflicht, diese Nachforschungen anzustellen, nicht enthoben.‘

Die Verantwortlichkeit der Führer und besonders der eigentlichen Urheber des Krieges bleibt natürlich voll und ganz bestehen, und sie lastet schwer auf ihnen.

Dieser Unterschied in der rechtlichen Stellung der beiden Gegner, je nachdem sie einen gerechten oder ungerechten Krieg führen, erstreckt sich auf alle Einzelheiten und verschafft den ersteren ungeheure moralische und materielle Vorteile. So z. B. haben sie, wenn sie in Gefangenschaft geraten, nicht nur natürlich das Recht, die Flucht zu ergreifen, sondern es ist ihnen auch gestattet (was den andern nicht gestattet ist), sich an den Gütern des Feindes nach Möglichkeit zu entschädigen.“ [G. A. 23-24/11-12.]

Die Gefahren, die für jeden nicht völlig romhörigen Staat, der Angehörige der römisch-katholischen Kirche zu seinen Bürgern bzw. Soldaten zählt, aus derartigen Morallehren entstehen können, sind unabsehbar, denn wer anders als der Priester wäre für einen Katholiken im Zweifelsfalle der maßgebende Gewissensberater?

Ziehen wir die Schlußfolgerungen aus der hier aufgezeigten grundsätzlichen Einstellung der römischen Kirche zum Krieg, so finden wir in vollem Umfang bestätigt, daß für sie der Krieg nicht nur eine erlaubte, sondern auch eine verdienstvolle, ja heilige Sache sein kann. Letzteres zweifellos, wenn es sich um einen Krieg gegen „Ungläubige“ und Ketzer handelt. Wir haben auch gesehen, daß Msgr. Baudrillart, heute Kurienkardinal der römischen Kirche, ohne Scheu bekannte, daß es einem (römischen) Priester ohne weiteres gestattet sei, andere Leute zum Krieg aufzuhetzen, und zwar mit der gleichen Berechtigung, wie er jemandem raten könne zu heiraten. Da letzteres durchaus im Rahmen der pastoralen Funktionen eines römischen Priesters liegt, ergibt sich logischerweise, daß die römischen Priester auch die Kriegshetze als einen Teil ihrer pastoralen Funktion zu betrachten berechtigt sind, zumindest immer, wenn es zur höheren „Ehre“ der Kirche zweckmäßig erscheint.

Die ganze Verruchtheit dieser Kriegshetzermoral tritt uns aber entgegen, wenn Baudrillart als Rektor der katholischen Universität in Paris und mit ihm deren Dekane sich auf die völkerrechtlichen Bestimmungen der Haager Konvention berufen und erklären, daß gewisse Akte nicht nur die Menschengesetze verletzen, „sondern auch das religiöse Gesetz“, denn die Kirche habe im Laufe der Geschichte in ihrer Moral die Bedingungen der Rechtmäßigkeit des Krieges festgelegt, sowie die Grundlehren, die die Kriegführenden zu beachten die Verpflichtung haben [G. A. 316/283.]. Von diesen „moralischen Verpflichtungen“ nennt er unter Berufung auf die Beschlüsse der Konzile von Charroux und von Narbonne, daß „die Geistlichen, die Greise, die Frauen und die Landleute von den Unternehmungen des Kriegführenden nicht getroffen werden sollten“ [G. A. 316/283-284. (Hervorhebungen v. Verf.)], um dann mit nicht zu überbietendem Cynismus zu erklären: „So wurde Arbeit und Schwäche zu gleicher Zeit geschützt“. In Wirklichkeit aber hat der römische Männerbund nur verstanden, dem teuflischen Treiben seiner Mitglieder einen Freibrief zu verschaffen, damit sie unter scheinheiligem Mäntelchen die unglücklichen Völker nur umso besser gegen einander in Kriege hetzen konnten.

Flachköpfe, aber ganz besonders auch jene überstaatlichen Kreise, die ihr machtpolitisches Treiben nicht gerne ans Tageslicht gezogen sehen, glauben eine ihnen nicht genehme Geschichteschreibung dadurch herabsetzen zu können, daß sie sie als „politisch“ bezeichnen. Sie hätten viel lieber, wenn sich die Geschichteschreibung damit begnügen würde, die äußeren Ereignisse lediglich zeitfolglich zu verzeichnen. Man könnte dann so schön den unterjochten und hörigen Völkern als Urheber all der Geschehnisse die „Vorsehung“, diesen im Wortschatz jener Kreise so beliebten mystischen Popanz präsentieren, hinter dem sich die eigenen dunklen Machenschaften so geschickt verbergen lassen. In Wahrheit erfüllt die Geschichteschreibung ihre höchste Aufgabe erst dann, wenn sie die Ereignisse der Vergangenheit mit ihren Ursachen und Urhebern in Verbindung bringt. Nur so wird die Vergangenheit auch für die Gegenwart und Zukunft lebendiges und lehrreiches Geschehen.

Die geschichtlichen Ereignisse vollziehen sich nicht blind, chaotisch, unabsichtlich. Stets verfolgen ihre Urheber irgendwelche bestimmten Absichten. So müssen wir auch hier fragen, welche Ziele der römische Männerbund im Auge hatte, als er, wie oben aufgezeigt, den Weltkrieg systematisch und von langer Hand mit vorbereitete. Wir wollen uns nicht damit begnügen, nur auf die am Eingang dieser geschichtlichen Studie wiedergegebene Erklärung der Ursache und des Sinnes des Weltkrieges aus der Feder des Kanonikus Gaudeau zu verweisen. Noch deutlicher sagt es uns jener schon wiederholt erwähnte anonyme Missionar, wenn er erklärt:

„Es ist doch bedeutungvoll, daß so viele wichtige, seit Jahrhunderten einer Lösung harrenden Probleme alle zu gleicher Zeit in die Geschichte treten, und wir können nicht umhin zu glauben, daß es die Vorsehung ist, die sie vereinigt hat, um ihnen eine gemeinschaftliche Lösung zu geben. Unsere Epoche ist der folgenschwersten eine, die die Geschichte je gekannt hat.

Das erste dieser Probleme lautet: Soll die griechisch-lateinische, vom Christentum durchdrungene und geadelte Kultur der Welt weiterhin als intellektuelle und moralische Nahrung dienen, oder ist sie verurteilt, in der Conception der deutschen Kultur aufzugehen? Das ist im Grunde genommen die innerste Ursache des Konflikts, der die Felder Europas in Blutlachen verwandelt.

Sollte auch die Stunde gekommen sein, da die Orientfrage ihre endgültige Lösung erhält, da die Balkanvölker zufrieden und in Frieden nebeneinander leben werden, da in den slawischen Ländern für die (römischen) Katholiken die Ära der Freiheit anbrechen wird, . . . da das Kreuz sich wieder auf der St. Sophien-Kirche in Konstantinopel erheben, da Jerusalem den Kreuzrittern des 20. Jahrhunderts seine Tore öffnen und mancher derselben daselbst wieder lernen wird, sich zu bekreuzigen? – Denn die Vorsehung bedient sich zur Ausführung ihrer Pläne oft Mittel und Werkzeuge, an die die Weisheit der Menschen nie gedacht hätte.

Und die Frage Roms selbst, Roms und des Papstes, steigt sie nicht ebenfalls am Horizont auf?“ [G. A. 99/79. (Hervorhebungen v. Verf.)]

Diesen hauptsächlichsten Kriegszielen des römischen Männerbundes trugen auch die Regierungen unserer Feinde im Weltkrieg Rechnung, so wenn Lord Northcliff, der englische Propagandaleiter im Weltkrieg, in seiner an den englischen Außenminister Lord Balfour gerichteten Denkschrift vom 24. Februar 1918 erklärt:

„Diese (d. h. auf die völlige Zerschlagung Deutschlands und seiner Verbündeten gerichtete) Politik . . . ist auch den Interessen der katholischen Kirche nicht zuwiderlaufend, und sie ist in Übereinstimmung mit den Zielen der Alliierten.“ [Sir Campbell Stuart „Geheimnisse aus Crew House“, Leipzig 1922, S. 26.]

Wirft sich uns Deutschen da nicht unwillkürlich die Frage auf: hat der römische Männerbund durch den Weltkrieg und dessen Ausgang seine kultur- und machtpolitischen Ziele in Deutschland erreicht, haben ihm nicht das unerwartete völkische Erwachen und die nationalsozialistische Revolution die schon triumphierend erfaßte Beute wieder entrissen?

Und indem wir diese letztere Tatsache freudigen Herzens bejahen, türmt sich dann nicht zugleich die weitere Frage vor uns auf: welche neuen Pläne wird Rom gegen das Deutsche Volk und gegen den Deutschen Geist schmieden, um sein Ziel zu erreichen?

Wieder sehen wir zwischen Frankreich und Rußland Fäden geknüpft wie vor dem Weltkrieg. Verknotet sind sie in Prag, und der aufmerksame Beobachter sieht von überall her die Verbindungen nach dem Vatikan. War es übrigens nicht der päpstliche Kammerherr Laval, der als Außenminister Frankreichs das Bündnis mit Sowjet-Rußland ratifizierte? Diesmal herrscht aber in Rußland kein geistig umnebelter Romanow, sondern ein Stalin mit seiner gerissenen, von der Alliance Israélite Universelle gestützten Judenklique. (Deshalb wird zweifellos die Sowjet-Union auch zu den „Demokratien“ gerechnet.) Das Schicksal, das Stalin im Gefolge eines verlorenen Krieges dem ehemaligen Herrscher aller Reußen selbst in vorderster Linie mit bereiten half, hat ihn offenbar zu gewitzigt gemacht, als daß er sich, bisher wenigstens, auf das von Rom so sehr gewünschte Abenteuer eines Krieges gegen Deutschland oder sonst eine Großmacht eingelassen hätte.

Dagegen liegen sich der Papst und das von der Volksfront regierte Frankreich brüderlich liebend in den Armen. Am 8. Mai 1937 rief der Präsident der radikalsozialistischen Fraktion Campinchi in der französischen Kammer aus: „Wir sind nicht mehr antiklerikal!“ [Soeben bringt der „Angriff“ Nr. 147 vom 21. 6. 38 folgenden Bericht über ein Interview, das der französische stellvertretende Ministerpräsident, der Hochgradfreimaurer Chautemps, dem belgischen Katholikenblatt „XX. Siecle“ über die Lage der katholischen Kirche in Frankreich gewährte:

„Der Freimaurer Chautemps erklärt in diesem Interview ganz offen, die Logen hätten aus politischen Gründen ihren Antiklerikalismus eingestellt. Der Papst habe in Frankreich nichts mehr zu beanstanden: ,Ich bin sicher, daß der Vatikan den Vergleich mit Deutschland anstellt und seine Konsequenzen daraus zieht.‘“] Am 11. Juli 1937 erklärte der Kardinal-Staatssekretär Pacelli in Lisieux, wie der „Osservatore Romano“ vom 12./13. Juli 1937 berichtete:

„Von der Höhe der Kanzel ertönt in allen Kirchen einer edlen und machtvollen Nation, welche schlechte Hirten jedoch zur Vergötterung der Rassen verleiten wollen, der empörte Protest eines achtzigjährigen Papstes wie die Stimme auf dem Berge Sinai . . . Seht euch um in einer Welt, die sich gegen Gott erhebt mit Verhöhnungen, Blasphemien und Zerstörung seiner Altäre!“

Wer anders als das nationalsozialistische Deutschland sollte mit diesen Auslassungen gemeint gewesen sein? Und wenn Kardinal-Staatssekretär Pacelli in einem im Auftrag des Papstes an den Erzbischof von Paris, den Kardinal Verdier, gerichteten Dankschreiben von den „himmlischen Eindrücken“ spricht, die ihm eine höchst kostbare Hilfe, ein sehr großer Trost seien, welche er von Lisieux und Paris mitgebracht habe, und erklärt:

„Der Heilige Vater hat auch die ehrerbietige Bereitwilligkeit der öffentlichen Gewalten, die einmütige Sympathie der Presse . . . zu schätzen gewußt“,

wer vermöchte da den tiefen politischen Sinn solcher Äußerungen nicht zu erkennen?

Und wenn wir am Anfang dieser Ausführungen aus dem Munde des Kanonikus Gaudeau hörten, daß es im Weltkrieg 1914-18 in Wirklichkeit um das Reich des Gottes in den Seelen der Menschen ging, dessen Existenz unter allen religiösen Doktrinen allein die katholische aufzuzeigen wage, mit anderen Worten, daß es im Weltkrieg von 1914-18 in Wirklichkeit um die Herrschaft des römischen Männerbundes ging, so können wir diese Darlegungen nicht besser schließen, als daß wir Kardinal Baudrillart selbst das Wort zu dem Problem Deutschland und der Vatikan im Jahr 1938 erteilen.

Während der Führer und Reichskanzler im Mai 1938 in Italien weilte, erschien in Nr. 108 des „Journal des Débats“ vom 7. Mai 1938 aus der Feder des Kardinals Baudrillart an hervorragendster Stelle des Blattes ein Artikel unter der Überschrift: „Evêques, Empereur, Führer (1811, 1938)“, („Bischöfe, Kaiser, Führer – 1811, 1938“), der es wert ist, in seinen wesentlichsten Teilen hier wörtlich wiedergegeben zu werden. Baudrillart berichtet zunächst:

„Einige Tage vor Ostern befand ich mich in Rom. Alle politischen und religiösen Kreise standen noch unter dem Eindruck des Handstreichs des Anschlusses (le coup de l’Anschluß), der verblüffenden Unterwerfung eines ganzen Volkes unter einen Herrn, der, nicht zufrieden, diesem Volk in brüsker Weise seine Unabhängigkeit zu rauben, zugleich seinen katholischen Glauben ernstlich bedrohte und von seinen überraschten Bischöfen eine bedingunglose Zustimmung verlangte, ohne Vorbehalt der Rechte Gottes und der Kirche. Was die kirchliche Hierarchie anbetrifft, so hat Pius XI. die Dinge durch ein kraftvolles Eingreifen wieder in Ordnung gebracht. Unser Sinn indessen blieb erstaunt und unser Herz zu Tode gepeinigt.

Eine hochgestellte Persönlichkeit sprach mir gegenüber das für mich als französischen Bischof tröstliche Wort aus: ,Die französischen Bischöfe verstanden es, sogar Napoleon gegenüber, als dieser sich auf dem Gipfel seines Ruhmes und seiner Macht befand – nach Tilsit, Erfurt, Wien und der Heirat mit Marie Luise – die (katholische) Doktrin zu behaupten, die von den Ansprüchen des Kaisers, der den Papst Pius VII. als Gefangenen in Savona hielt, bedroht war. Der kleine Bischof von Troyes hielt inmitten seiner Amtsbrüder, die in der Notre-Dame-Kirche zu Paris versammelt waren, eine Rede über das Thema: ,Da, wo Petrus ist, da ist die Kirche, und da, wo sie ist, werden wir sein.‘ ‘

Das Zitat ist nicht wörtlich, aber es faßt sehr genau die lange, sehr lange Rede zusammen, mit der Msgr. De Boulogne, Bischof von Troyes, das nationale Konzil von 1811 eröffnete, das nach den Plänen des Leiters des französischen Staates dazu ausersehen war, den Erzbischöfen das Recht der kanonischen Einsetzung zu übertragen für den Fall, daß der Papst zu lange zögern oder opponieren sollte, die von der Regierung ernannten Bischöfe zu bestätigen, ein Recht, das dem Oberhaupt der Kirche vorbehalten ist, was durch das Konkordat von 1801 anerkannt war.“

Baudrillart verbreitet sich dann über die einzelnen Abschnitte des Kampfes zwischen Napoleon I. und Pius VII., zitiert die von priesterlichem Fanatismus erfüllte Ansprache des Bischofs von Troyes an seine in Notre-Dame versammelten Amtsbrüder, deren Quintessenz schon oben angedeutet wurde, und berichtet dann, zweifellos um damit ein Lehrbeispiel zu geben, über den weiteren Verlauf des nationalen Konzils von 1811 und des Kampfes der römischen Kirche gegen Napoleon:

„Ein Schaudern durchlief die Versammlung und verdoppelte sich, als man sah, wie der Kardinal Fesch, der Präsident des Konzils (der eigene Onkel Napoleons, d. Verf.), von den Offizianten gefolgt, langsam auf das Podium zuschritt, wo sein Thron inmitten des Chors aufgerichtet stand. Dort sprach der Kardinal, kniend, die Hand auf dem Evangelienbuch, mit sehr lauter Stimme den Eid, den Pius IV. vorgeschrieben hatte und in welchem sich folgendes Glaubensbekenntnis findet: ,Ich anerkenne die Heilige katholische, apostolische und römische Kirche, die Mutter und Herrin aller Kirchen; ich verspreche und schwöre dem römischen Pontifex, dem Nachfolger des heiligen Petrus, Fürst der Apostel und Stellvertreter Jesu-Christi auf Erden, einen wahrhaften Gehorsam.‘

Einer nach dem andern, alle Mitglieder des Konzils traten vor und wiederholten dieselbe Formel. Sobald es dem Kardinal Fesch schien, so berichtet uns sein Biograph, als ob das eine oder andere unter ihnen sie nicht deutlich genug vorlesen würde, zwang er ihn, sie zu wiederholen, besonders wenn es sich um einen alten Konstitutionellen handelte oder um einen von jenen, deren Orthodoxie verdächtig war.

Napoleon war außerordentlich unzufrieden. Nicht nur, daß er sich in seinem Hochmut verletzt fühlte, sondern er sah seine Pläne vereitelt, denn er versuchte dem Papst einzureden, daß die ganze Kirche in Frankreich hinter ihm stehe. Er tat, was wir die Diktatoren unserer Tage – einschließlich Hitler – tun sehen: er verbot den Zeitungen (angefangen beim ,Moniteur‘), auch nur eine Zeile der Rede zu drucken oder die Szene der Eidesleistung zu beschreiben.

Vergebens versuchte er das Konzil lahmzulegen durch die erzwungene Anwesenheit der beiden Kultminister Frankreichs und Italiens, des Grafen Bigot de Préamenau und des Grafen de Marescalchi, die mit seinen Anweisungen versehen und mit seinen Drohungen bewaffnet waren: die Botschaften des Kaisers brachten Bestürzung unter die Prälaten, aber sie machten sie nicht nachgiebig. Auf Antrag des Bischofs Broglie von Gent beschloß das Konzil, nichts ohne den Papst zu tun und eine Abordnung an ihn zu senden.

Das Konzil wurde aufgelöst; drei Bischöfe, Broglie, Hirn und Boulogne, wurden im Schloß von Vincennes eingesperrt.

Allein, nach einem Zornanfall wurde Napoleon inne, daß er nicht viel weiter gekommen war als zuvor. Nunmehr verfiel er auf ein Verfahren, das ihm der Kardinal Maury eingeflüstert hatte: Von jedem Bischof einzeln das zu erlangen, was das Konzil verweigert hatte: ,Unser Wein ist nicht gut befunden worden im Faß, Sie werden sehen, daß er sich flaschenweise besser erweisen wird‘. Der Kultminister ließ sie kommen, einen nach dem andern, mit Ausnahme der notorisch Widerspenstigen. Im Verlauf von 14 Tagen hatten fast alle Bischöfe zugestimmt.

Hierauf rief Napoleon das Konzil zu einer einzigen Sitzung zusammen, die am 5. August 1811 stattfand. 81 Stimmen stimmten für die 4 Artikel des vom Kaiser angenommenen Vergleichsvorschlags. Dabei war aber ein fünfter Artikel, folgenden Inhalts: ,Der gegenwärtige Beschluß wird unserem Heiligen Vater dem Papst zur Billigung vorgelegt und zu diesem Zweck wird Seine Majestät gebeten zu erlauben, daß eine Abordnung von 6 Bischöfen sich zu seiner Heiligkeit begibt, um ihn zu bitten, diesen Beschluß zu bestätigen, der allein den Leiden der Kirchen von Frankreich und Italien ein Ende zu bereiten vermag.‘

So war die letzte Entscheidung dem Papst zugeschoben und alles konnte von vorne beginnen!

Der Papst ließ sich nicht überzeugen.

Das bedeutete also den Krieg.

Er sollte nahezu drei Jahre dauern, mit seinen herben Episoden der Gefangenschaft von Fontainebleau und des Konkordats von 1813, das, kaum unterzeichnet, sofort widerrufen wurde; aber auch mit dem Erkalten der Zuneigung seitens fast aller Geistlichen Frankreichs, die aufhörten den Gesetzesgehorsam zu predigen, einschließlich der militärischen Dienstpflicht und der Treue zum Staatsoberhaupt.

Fast drei Jahre! Das sind sehr lange Stunden für diejenigen, welche leiden, es ist eine Minute im Leben eines Volkes, das auf 20 Jahrhunderte Geschichte zurückblicken kann.

Am 6. April 1814 legte Napoleon die Krone im Schloß von Fontainebleau nieder, demselben Schloß, in dem er sein Opfer gequält hatte. Am 24. Mai kehrte Pius VII. unter dem Jubel der Bevölkerung nach Rom zurück, während sein Kerkermeister von gestern von der kleinen italienischen Insel Besitz nahm, die ihm seine Besieger als Gefängnis bestimmt hatten. Im folgenden Jahr war es St. Helena. Die Mutter Napoleons und die große Mehrzahl der Prinzen und Prinzessinnen seiner Familie wurden in Rom die treuen Untertanen Pius VII. Dieser allein unter den Herrschern Europas verwandte sich dafür, daß das Schicksal seines einstigen Verfolgers gemildert wurde. Aus dieser Prüfung ging das Papsttum verjüngt und gestärkt hervor.

Wir wissen natürlich nicht, was die Zukunft – und die Vorsehung – für Herrn Hitler bereit halten. Herr Hitler ist ein großer Mann, weniger blendend als Napoleon, aber trotzdem ein großer Mann. Er weiß, was er will, und früher als Richelieu in seinem ,Testament‘ hat er in ,Mein Kampf‘ seine Absichten dargelegt und bekannt gegeben. Nicht vom Zufall läßt er sich führen, und schon hat er mehrere Teile seines umfassenden Planes verwirklicht, der weniger ungeheuerlich und homogener, also leichter zu verwirklichen ist wie der Napoleons. Indessen, sein Glück ist ziemlich außergewöhnlich, sodaß er schon davon benebelt wird. Napoleon konnte 1811 nicht mehr die Konkurrenz des Papstes ertragen, Herr Hitler ist dabei, nicht mehr diejenige Jesu Christi, diejenige des Gottes der Juden und Christen zu ertragen. Als Feind der Kirche ist er unendlich viel radikaler und viel gefährlicher als der Korse, der durch die Glocken von St. Cloud immer wieder gerührt und träumerisch gemacht wurde. Was er der Kirche entreißen will, das ist nicht das entscheidende Wort bei der Ernennung einiger Bischöfe, sondern das sind die Seelen selbst, zuvörderst die Seelen der Kinder, die er durch seine Gesetze einlädt, von ihrem 14. Lebensjahr an ihren christlichen Glauben abzuschwören und an seine Stelle das antike rassische Heidentum der Germanen und den Staatskult zu setzen. Zu Heiden machen ist seine Parole, eine Parole, die ebenso gefährlich ist wie diejenige des Kommunismus, die hierin einander ziemlich verwandt sind; sie ist eine ansteckende Krankheit, die er zu verbreiten trachtet und die schon auf die Länder übergegriffen hat, auf welche sein Einfluß sich erstreckt. Wir haben dies nur zu sehr in Italien festgestellt. Pius XI. bietet ihm die Stirn, wie Pius VII. Napoleon widerstanden hat. Wir zweifeln nicht daran, daß die österreichischen Bischöfe an der Seite der deutschen Bischöfe jetzt völlig klar sehen und tun, was die französischen Bischöfe im Hinblick auf Napoleon getan haben, obwohl dieser der Wiederhersteller der katholischen Kirche in unserem Land gewesen ist, bevor er sich mit Pius VII. überworfen hat. Das gleiche ist bei Hitler nicht der Fall.

Wie wird sich das Walten der göttlichen Nemesis in Bezug auf diesen auswirken? ,Mein ist die Rache, spricht der Herr‘. Sie kommt immer, ein wenig früher, ein wenig später. Wird Hitler in einem kaiserlichen Bett in Berlin sterben, dem Berlin der Hohenzollern, nachdem er den Verfall Wiens vollendet haben wird, nachdem er die Unabhängigkeit, die Kultur und den Glauben seiner Mutter Österreich geopfert hat? Wird er im Verlauf eines äußeren oder eines Bürgerkrieges enden? Ich bezweifle auf jeden Fall, daß ein siegreiches England ihn mit Napoleon an der Ehre und der Legende von St. Helena teilnehmen lassen wird. Ich weiß, daß auch für ihn der Papst beten wird, und daß, wenn die Christen den Mut haben zu kämpfen, getreu den erhabenen Aufrufen ihres Oberhauptes und Vaters, sie von neuem über der heute hoffnunglos dahintreibenden Welt die heilige und stolze Devise zum Erstrahlen bringen werden: Christus lebt, Christus regiert, Christus herrscht!“

Soweit Kardinal Baudrillart. Es wäre ein leichtes zu ironisieren, daß, was Napoleon betrifft, Gott sich doch offensichtlich erst gegen diesen wandte, als er wagte, den Zaren, also das Oberhaupt der abtrünnigen orthodoxen Kirche anzugreifen, doch ist die Sache viel zu ernst. Wir sehen vielmehr, wie ein Kardinal der römischen Kirche den Deutschen Bischöfen den Rat gibt, dem Deutschen Führer und Reichskanzler Hitler gegenüber das gleiche zu tun, was die französischen Bischöfe und Geistlichen Napoleon I. gegenüber taten. Und was taten diese nach Baudrillart? Sie hörten auf, den Gesetzesgehorsam zu predigen, einschließlich der Pflicht zum Militärdienst und der Treue zum Staatsoberhaupt!

Nun wird niemand behaupten können, Adolf Hitler habe etwa das Konkordat aufgehoben (Meinungverschiedenheiten über die Auslegung einzelner Bestimmungen kann es ja immer geben), oder er verlange das Recht der Ernennung von Bischöfen und die Übertragung kanonischer Rechte vom Papst auf die Erzbischöfe. Auch Kardinal Baudrillart kann das nicht behaupten. Nein, er sagt selbst, es gehe um anderes, um mehr noch, nämlich um die „Seelen“.

Am Anfang unserer Betrachtungen zitierten wir den Kanonikus Gaudeau, der sagte, im Weltkrieg 1914-18 sei es in Wirklichkeit „um das Reich Gottes in den Seelen der Menschen“ gegangen, alles andere sei demgegenüber belanglos gewesen. Wir haben dann aufgezeigt, wie der römische Männerbund den Weltkrieg aus machtpolitischen, in seinen „religiösen“ Grundsätzen verankerten Gründen, in maßgebendster Weise mit vorbereitete und durchführte. Wir haben nun zuletzt aus dem Munde des Kardinals Baudrillart gehört, daß es für die römische Kirche auch heute gilt, den Kampf um die „Seelen“ und zwar in erhöhtem Maße weiterzuführen. Mit welchen Mitteln wird dieser Kampf von seiten des römischen Männerbundes heute geführt und geplant? Wir überlassen es jedem einzelnen, seine Schlußfolgerungen zu ziehen.

Der Feldherr des Weltkrieges, Erich Ludendorff, schreibt:

„Wer seine Augen aufgemacht hat, für den ist das Wesen des Papsttums voll enthüllt. Jedes Blatt Deutscher Geschichte der letzten tausend Jahre zeigt es, und die Gegenwart beweist es. Aber viele Deutsche täuschen sich trotzdem noch immer über solches Wesen des Papsttums. Da begrüße ich jeden geschichtlichen Vorgang, der auch sie allmählich sehend machen könnte. Ohne solch Erkennen ist Deutsches Freisein nicht möglich. . . .

Wo wir auch hinsehen, das Papsttum wird immer mehr in seinem Wirken aller Welt gezeigt, das darauf hinauslaufen muß, widerstrebende Mächte zu unterwerfen. Es war höchste Zeit, daß wieder einmal ein Staat sich gegen die Übergriffe des römischen Papstes wehrt. Auch Bismarck tat es, allerdings ohne Erfolg, wie früher es bereits Herrscher mit dem gleich ernsten Ergebnis für ihr Land und Volk getan hatten. . . .

Die Einsicht in das Wesen des Papsttums ,in weltlichen Dingen‘ ist heute erreicht, in deren Zusammenhang mit ,geistlichen Dingen‘ ist sie im Wachsen, sie fehlt allerdings leider noch viel zu vielen. Hier ist eine bedeutende Enthüllungarbeit zu leisten, um den Sieg Deutschen Freiheit- und Lebenswillens gegenüber dem Papsttum zu sichern.

Es gilt daher das Wesen des Papsttums und sein Handeln auch in ,weltlichen Dingen‘ als Glaubensüberzeugung und Glaubensziel immer von neuem und dabei die Tatsache festzustellen, daß die Christenlehre das Fabrikat x-beliebiger Juden ist und später von herrschsüchtigen Priestern zu ihren Gunsten umgestaltet wurde, und die Überlieferungen des Papsttums der geschichtlichen Tatsächlichkeit nicht entsprechen. Erst wenn so die Axt an die Wurzeln des Papsttums gelegt wird, kann es gefällt werden.“ [„Das enthüllte Papsttum“, „Am Heiligen Quell“, Folge 6/37.]

Advertisements

Über Laetitia

Schau doch mal in meinen Blog rein: „Neue Volkswarte“ :)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s