[1] A. MOHRING / DER PAPST FÜHRT KRIEG – EINE ZEITGESCHICHTLICHE SKIZZE

Titelbild Mohring, Adolf - Der Papst führt Krieg - Eine zeitgeschichtliche Skizze, Ludendorffs Verlag, München 1938

„Aufs ganze gesehen gibt es für den römischen Männerbund nur eines: die restlose Durchsetzung seines Weltherrschaftanspruchs. Was aber die Verwirklichung dieses Zieles anbetrifft, so gilt immer das Wort, daß viele Wege nach Rom führen. Wir dürfen auch eines nie aus dem Auge verlieren, daß nämlich Rom unablässig einen doppelten Kampf zu führen hat. Einmal gilt es, den Herrschaftbereich gebietsmäßig zu erweitern, neue Länder, neue Völker unter den Krummstab zu beugen. Zum anderen ist Rom ständig gezwungen, das eroberte Land in Botmäßigkeit zu halten, die Völker daran zu hindern, aus dem römischen Pferch auszubrechen. Wäre die römische Kirche, wie der völkische Staat, biologisch begründet und damit in ihren Grundlagen sittlich, so wäre der eine Kampf nicht möglich, der andere nicht nötig. Die katholische Idee, folgerichtig zu Ende gedacht, bedarf zu ihrer Verwirklichung in biologischer Hinsicht der Verschmelzung sämtlicher rassischer Bestandteile dieser Erde, d. h. die Auslöschung aller rassischen Besonderheit, während die Natur offensichtlich ihre schöpferischen Ziele gerade durch Schaffung mannigfaltiger Vorbilder und Spielarten erstrebt. In der katholischen Idee manifestiert sich also geradezu die Widernatur, die Gegenschöpfung.“,

„Der römische Männerbund hat in seinen Lehren und Einrichtungen so viel von dem vorchristlichen jüdischen Priesterbund übernommen, daß man ihn ohne weiteres als den Geschäftsnachfolger der pharisäischen Hierokratie bezeichnen kann.“,

„Durch die verbrecherischen Machenschaften des römischen Männerbundes ist im Verlauf der Geschichte der letzten anderthalb Jahrtausende nachweislich in zahllosen Kriegen so viel Blut vergossen worden, daß wir keinen Zweifel mehr zu haben brauchen, wenn wir den Mann auf dem Stuhle Petri in jeder Beziehung als den würdigen Nachfolger Aarons, des Gründers der jüdischen Hierokratie, bezeichnen.“,

„Der Katholizismus kann sich zuweilen des Nationalismus für seine Zwecke bedienen, ohne Selbstaufgabe könnte er aber niemals den Primat des Nationalismus anerkennen. Wenn aber gar der Nationalismus zu völkischer Selbstbesinnung wird, erblickt die römische Kirche darin naturnotwendig einen Todfeind.“,

„Das Wort, daß der Katholizismus jedem Nationalismus das Rückgrat bricht, gilt, wenn immer auch die Stunde der Entscheidung kommen mag, für alle Völker.“,

„Als papistische Anmaßung – nicht Bismarck, wie die katholischen Geschichteklitterer behaupten – durch die Folgen der Konzilsbeschlüsse vom 18. Juli 1870 den sog. „Kulturkampf“ provoziert hatte, gegen den sich Bismarck energisch und nicht ohne Erfolg zur Wehr setzte, kannten Haß und Rachsucht des römischen Männerbundes gegen das neu geeinigte Deutschland keine Grenzen mehr.“

Lieber Leser und liebe Leserin,

im nachfolgenden können sie das Buch “Der Papst führt Krieg – Eine zeitgeschichtliche Skizze“ von Adolf Mohring lesen.

Das Buch habe ich auf der Webseite archive.org gefunden. Es lässt sich dort als PDF-Datei herunterladen, oder direkt von diesem Blog. Das Buch habe ich komplett abgetippt, was geschätzte 24 Stunden dauerte.

Ich habe den Text des Buches unverändert übernommen. Findest du einen Fehler, der bei der Digitalisierung leider oft vorkommt, wäre ich dir dankbar, wenn du mir ihn mitteilst. Im Buch g e s p e r r t gedruckte Schrift habe ich normalisiert, aber fett hervorgehoben. Dies dient der besseren Leserlichkeit und Indizierbarkeit des Textes.

Mit freundlichen Grüßen,

Laetitia

Inhaltsverzeichnis des Buches:

Ab Hier geht es weiter mit dem Originaltext des Buches:


Der Papst

führt Krieg?

Eine zeitgeschichtliche Skizze

von

Adolf Mohring

 

Der Papst führt Krieg?

„Die wahre Gefahr für die Kirche ist in Deutschland, denn der eigentliche Herd des intellektuellen Atheismus und infolgedessen des sozialen oder besser antisozialen Anarchismus ist in Deutschland, und das sind die zwei größten Gefahren der Zukunft für die Kirche und für die ganze Kulturwelt.

Es geht in diesem Kriege (d. h. im Weltkrieg 1914-1918) im Grunde genommen nicht um den Gewinn oder den Verlust einiger 100 Kilometer Terrain, nicht um die politische und wirtschaftliche Hegemonie zu Lande oder zu Meere der einen oder der anderen Nation, nicht um die mehr oder weniger tiefgehende Umgestaltung der Karte Europas, ja, der Weltkarte; nicht einmal (ach Gott, die Feder erzittert mir in der Hand beim Schreiben dieser Worte) um das Sein oder Nichtsein einer Nation. Es geht in diesem Kriege in Wirklichkeit um das Reich Gottes in den Seelen, nämlich um das Wiederaufkommen oder die Vernichtung des Absoluten in der menschlichen Seele. Die moderne – mit der brutalen Gewalt des Pangermanismus identische – deutsche Geistesrichtung aber ist es, die das Absolute in der menschlichen Seele vernichtet.

Die menschliche Vernunft muß wieder zur Erkenntnis Gottes geführt werden, des wahrhaften, des persönlichen Gottes, des Schöpfers aller Dinge, dessen Existenz heutzutage allein unter allen religiösen Doktrinen die katholische Doktrin zu verkünden wagt. Das größte Hindernis zur Verwirklichung dieses unerläßlichen Werkes ist aber die moderne deutsche Geistesrichtung, deren unausbleibliche Folgen für die Menschheit ein pantheistischer Atheismus und soziale Anarchie sind.

Ihr, die Ihr um das Schwinden des Glaubens aus den Seelen Eures Volkes trauert, geht auf den Urquell dieser Erscheinung zurück. Immer und immer wieder werdet Ihr Euch überzeugen können, daß das Übel von der deutschen Philosophie herrührt. Die Schlußfolgerung ist klar.“ (Hervorhebungen v. Verf.)

Kanonikus Bernard Gaudeau in dem Buch

„La Guerre Allemande et le Catholicisme.“

[„La Guerre Allemande et le Catholicisme“, herausgegeben von Alfred Baudrillart bei Bloud et Gay, Paris 1915 (im folgenden kurz: G. A.). Der Wortlaut der Zitate entstammt der im gleichen Verlag erschienenen Deutschsprachigen Ausgabe. Die Seitenzahlen sind jeweils von der Deutschsprachigen und der französischen Ausgabe angeführt. Obiges Zitat: G. A. 43-44/28-281 (Hervorhebungen v. Verf.).]

Wenn wir, selbstredend auf unsere Art, die nötigen Schlußfolgerungen aus obigen Worten des Kanonikus Gaudeau ziehen wollen, ist es nötig, dem Buch, dem sie entnommen sind, selbst unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Buch erschien i. J. 1915 unter dem Patronat des Katholischen Komitees für französische Propaganda, dessen Ehrenpräsidenten die Kardinal-Erzbischöfe Luçon von Reims und Amette von Paris waren. Herausgeber des Buches war der Rektor des Institut Catholique in Paris, Msgr. Alfred Baudrillart, der selbst auch zu den Mitverfassern des Buches zählt. Dieser Herr Baudrillart empfing im Dezember 1935 von Papst Pius XI. den Kardinalspurpur: er wurde zum Kurienkardinal ernannt mit der Erlaubnis, seinen Sitz in Paris beizubehalten. Der mächtige und nach totaler Weltherrschaft gierige römische Männerbund wird wohl kaum die höchste Würde, die er nächst der Papstwürde zu vergeben hat, jemandem zuerkennen, den er nicht für geleistete wertvolle Dienste belohnen und zugleich mit neuen, wichtigen Aufgaben betreuen will. Auch die Erlaubnis, als Kurienkardinal seinen Sitz in Paris beibehalten zu dürfen, wird kaum allein der Absicht entsprungen sein, Herrn Baudrillart an der Spitze der Katholischen Universität in Paris zu belassen. Personalpolitische Maßnahmen sagen im Bereich der hohen Politik meist mehr als offizielle Kundmachungen. Hat nicht gerade der Lateiner das Wort geprägt: „Nomen est omen“? Baudrillart war es auch, der den gewiß nicht ohne tiefe Absicht zum päpstlichen Legaten auserkorenen derzeitigen Kardinal-Erzbischof von Paris, Verdier, zu dem vom 28.-30. Juni 1935 stattgefundenen allgemeinen Katholikentag nach Prag begleitete. In jener Zeit wurde der Knoten zum Bündnis Paris-Prag-Moskau geschürzt, die Prager Hussitenhäuptlinge sanken in die liebevoll ausgebreiteten Arme des Heiligen Vaters, und die Herren Verdier und Baudrillart wurden bald darauf zu Ehrendoktoren der Universität Prag ernannt.

Welch ein Schauspiel für Götter! Der „heilige Vater“ und „Stellvertreter Gottes“ führt Frankreich, seine geliebte „älteste Tochter“ in die Arme des „Ehrengottlosen“ Stalin und sorgt zugleich dafür, daß auch die Tschechei, dieser in Versailles von diversen Vätern gezeugte Bankert seiner ältesten Tochter, in diesem herrlichen Ehebund die Rechtstellung eines legitimen Kindes erhält! Und mit welcher Liebe der heilige Vater sich seither dieses seines jüngsten „Enkelkindes“ annimmt! So unternahm jüngst der Chefredakteur des „Osservatore Romano“, Graf della Torre eine Informationreise nach der Tschecho-Slovakei, worauf er sich in einem Leitartikel seines Blattes (Nr. 136/1938) über „die juristische Lage der Nationalitäten in der Tschechoslovakei“ verbreitete und zu dem Ergebnis kam, daß die Sudetendeutschen die nationale Gleichberechtigung auf Grund des Artikels 134 der Verfassung schon längst besitzen, daß eigentlich alles in schönster Ordnung wäre, wenn nicht die Sudetendeutschen eine grundsätzlich andere Staatsform forderten.

Und in ihrer Nr. 257 vom 4.6.38 gibt die Berliner Börsen-Zeitung eine Meldung des „Tschechoslowakischen Preßbüros“ vom 3. Juni wieder, wonach der Erzbischof von Paris, Kardinal Verdier, im Anschluß an den eucharistischen Kongreß in Budapest in Prag dem Ministerpräsidenten Hodscha einen Besuch abstattete und von Staatspräsident Dr. Benesch in Audienz empfangen wurde. In seiner Erwiderungansprache anläßlich des ihm auf dem Rathaus zuteil gewordenen feierlichen Empfangs erklärte der Kardinal u. a., er sei voll Hoffnung und Vertrauen, daß die Tschechoslovakei ihre Mission glänzend zu erfüllen imstande sein werde.

Der „Enkel“ seiner Heiligkeit scheint sich demnach seit den Junitagen des Jahres 1935 äußerst befriedigend und hoffnungvoll entwickelt zu haben. Manche Leute meinen zwar, die Tschechoslowakei tue alles, um einen allgemeinen europäischen Krieg zu provozieren. Aber vielleicht ist das ja gerade ihre „Mission“. Doch kommen wir auf das Buch des Herrn Baudrillart zurück.

Seinem propagandistischen Zweck entsprechend, der auf die Beeinflussung der Katholiken in den neutralen Ländern gerichtet war, erschien das obengenannte Buch außer in Französisch in 5 weiteren Sprachen, nämlich in Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Dem Buch hat der damalige Kardinal-Erzbischof von Paris, Amette, selbst ein Vorwort geschrieben, das gewissermaßen zum Leitspruch die Worte hat: „Curam habe de bono nomine!“ (Gebet acht auf euren guten Ruf!) Hinsichtlich der Verfasser des Buches sagt er:

„Die verschiedenen diesen Band bildenden Kapitel haben Männer geschrieben, deren Strenggläubigkeit und Treue gegenüber der Kirche ebenso bewährt sind wie ihre Urteilsfähigkeit und die Dokumente, auf die sie sich stützen. Wir können versichern, daß die von ihnen auseinandergelegten Ansichten sowie die von ihnen berichteten Tatsachen vollen Glauben verdienen.“

Sollte Herr Amette tatsächlich die sattsam bekannten Greuelmärchen von den durch die Deutschen abgehackten Kinderhänden, den geschändeten Nonnen, den gemarterten Priestern geglaubt haben, oder sollte er bei dem Zitat von dem „guten Ruf“ an die Worte des „Völkerapostels“ Paulus gedacht haben:

„So die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seinem Preis, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden?“ (Römer 2-3-7).

Man begegnet zuweilen der Ansicht, der römisch-katholische Priester in Frankreich sei im Gegensatz zu dem in manchen andern Ländern in erster Linie Franzose und dann erst Katholik. Wer so urteilt, betrachtet die Dinge vielleicht zu einseitig oder von nicht genügend geschichtlicher Warte aus. Aufs ganze gesehen gibt es für den römischen Männerbund nur eines: die restlose Durchsetzung seines Weltherrschaftanspruchs. Was aber die Verwirklichung dieses Zieles anbetrifft, so gilt immer das Wort, daß viele Wege nach Rom führen. Wir dürfen auch eines nie aus dem Auge verlieren, daß nämlich Rom unablässig einen doppelten Kampf zu führen hat. Einmal gilt es, den Herrschaftbereich gebietsmäßig zu erweitern, neue Länder, neue Völker unter den Krummstab zu beugen. Zum anderen ist Rom ständig gezwungen, das eroberte Land in Botmäßigkeit zu halten, die Völker daran zu hindern, aus dem römischen Pferch auszubrechen. Wäre die römische Kirche, wie der völkische Staat, biologisch begründet und damit in ihren Grundlagen sittlich, so wäre der eine Kampf nicht möglich, der andere nicht nötig. Die katholische Idee, folgerichtig zu Ende gedacht, bedarf zu ihrer Verwirklichung in biologischer Hinsicht der Verschmelzung sämtlicher rassischer Bestandteile dieser Erde, d. h. die Auslöschung aller rassischen Besonderheit, während die Natur offensichtlich ihre schöpferischen Ziele gerade durch Schaffung mannigfaltiger Vorbilder und Spielarten erstrebt. In der katholischen Idee manifestiert sich also geradezu die Widernatur, die Gegenschöpfung[Nach Niederschrift dieser Zeilen berichtet die Presse (s. „Völkischer Beobachter“ Nr. 212 v. 31. 7. 1938 und „Angriff“ Nr. 182 vom 31. 7. 1938) soeben von einer Ansprache, die Papst Pius XI. vor Priesterschülern der Kardinalkongregation „De Propaganda Fide“, des päpstlichen Ministeriums für die Missionen, hielt, wobei er nach dem „Angriff“ u. a. ausführte: „Man vergißt, daß das menschliche Geschlecht, die gesamte Menschheit, eine einzige große universale menschliche Rasse ist. Der Ausdruck menschliches Geschlecht bezeichnet ja gerade die menschliche Rasse, obwohl gewisse Schriftsteller diesen Ausdruck als wenig sympathisch betrachten. Wie man Geschlecht sagt, so kann man Rasse sagen, und muß man sagen, daß die Menschen vor allem ein großes und einziges Geschlecht, eine große und einzige Familie Geborener und Gebärender sind. Das Menschengeschlecht ist also eine einzige universale katholische Rasse. Man kann allerdings nicht bestreiten, daß in dieser universalen Rasse kein Platz für verschiedene Rassen, ihre zahlreichen Abarten, ebenso wie für viele Nationalitäten ist, die sich in noch stärkerem Maße voneinander unterscheiden.“ Damit wird das oben Gesagte aus päpstlichem Munde selbst in vollem Umfang bestätigt.].

Die taktischen Erfordernisse in diesem doppelten Kampf sind äußerlich begreiflicherweise sehr verschiedenartig. Die Methode selbst aber ist keineswegs so kompliziert, wie es scheinen könnte. Der römische Männerbund hat in seinen Lehren und Einrichtungen so viel von dem vorchristlichen jüdischen Priesterbund übernommen, daß man ihn ohne weiteres als den Geschäftsnachfolger der pharisäischen Hierokratie bezeichnen kann. Er bezeichnet sich ja selbst „in loco Aaron“, auf Aarons Platz sitzend [Vergl. Ludendorffs Halbmonatsschrift „Am Heiligen Quell Deutscher Kraft“ Folge 16 vom 20.11.1937, S. 635. Im folgenden kurz: H. Quell.], und es wäre geradezu ein Wunder, wenn die Herren auf dem Stuhl Petri nicht auch die erprobten Regierungmethoden ihrer Vorgänger übernommen hätten, von denen eine treffende Schilderung sagt:

„Um sich nicht unnütze Arbeit aufzubürden und nicht Zusammenstöße mit den Massen zu bekommen, waren sie (d. h. die Priester) unter sich übereingekommen, nicht nur die Heiden (d. h. die Nichtjuden) in Kriege zu hetzen, sondern auch die wehrfähigen Männer des eigenen Volkes in jedem dritten oder vierten Geschlecht in den Krieg zu treiben, damit sie die Älteren zu Hause in aller Ruhe lenken konnten, während das jüngste Geschlecht schon durch die bekümmerten Gesichter der Älteren in Furcht und im Zaume gehalten wurde.“

Durch die verbrecherischen Machenschaften des römischen Männerbundes ist im Verlauf der Geschichte der letzten anderthalb Jahrtausende nachweislich in zahllosen Kriegen so viel Blut vergossen worden, daß wir keinen Zweifel mehr zu haben brauchen, wenn wir den Mann auf dem Stuhle Petri in jeder Beziehung als den würdigen Nachfolger Aarons, des Gründers der jüdischen Hierokratie, bezeichnen.

Wie segensvoll so ein Krieg für die Belange der römischen Kirche sein kann, sagt der Bischof von Versailles in seinem Hirtenbrief zu Fasten 1915:

„Unter dem Druck des Leidens und der Vaterlandsliebe hat sich über unser Land ein Hauch höheren Lebens erhoben, und Frankreich ist zugleich zur ältesten und notwendigsten seiner Überlieferungen, zur katholischen Überlieferung zurückgekehrt“. [G. A. 311/278.]

Die Haltung der katholischen Kirche und ihres Klerus ist, wie sich das ganz von selbst versteht, in überwiegend katholischen Ländern zu den Fragen der Politik äußerlich eine andere als in vorwiegend nichtkatholischen Ländern. Auf die Generallinie hat dies aber keinerlei Einfluß. Der Katholizismus kann sich zuweilen des Nationalismus für seine Zwecke bedienen, ohne Selbstaufgabe könnte er aber niemals den Primat des Nationalismus anerkennen. Wenn aber gar der Nationalismus zu völkischer Selbstbesinnung wird, erblickt die römische Kirche darin naturnotwendig einen Todfeind. Stets muß auch berücksichtigt werden, daß die römische Kirche zur Führung ihrer Kriege über keine eigenen Armeen in staatsrechtlichem Sinne verfügt, sondern daß sie darauf angewiesen ist, die Armeen anderer Staaten auf irgend einem Wege ihren Zwecken dienstbar zu machen. (Von der Aufhebung des Kirchenstaates im Jahr 1870 bis zur Konstituierung der souveränen Vatikanstadt durch die Lateranverträge im Jahr 1929 hatte die römische Kirche überhaupt kein eigenstaatliches Gebiet.) Dem Wort „Frankreich zuerst“, mit dem zuweilen der römische Klerus in Frankreich in Bezug auf seine nationale Einstellung charakterisiert wird, seien daher die Worte Baudrillarts gegenüber gestellt:

„Wir lieben innig unser Vaterland, aber wir sind vor allem die treuergebenen Kinder der katholischen Kirche, und wir wollen unter keinerlei Vorwand an dem unheilvollen Werke mitarbeiten, ihr ,Kleid ohne Naht‘ zu zerreißen.“ [G. A. 12/XII]

Das Wort, daß der Katholizismus jedem Nationalismus das Rückgrat bricht, gilt, wenn immer auch die Stunde der Entscheidung kommen mag, für alle Völker.

Um das politische Spiel des römischen Männerbundes zu erhellen, darf nicht unerwähnt bleiben, daß nach dem Erscheinen des Buches von Baudrillart, vorab in Kreisen des Deutschen Katholizismus, eine heftige Abwehrbewegung einsetzte; bei diesen allerdings ganz besonders aus dem Grund, weil in dem Buch den Deutschen Katholiken zum Vorwurf gemacht wurde, sie hätten sich willfährig in das „delirium germanicum“ [G. A. 69/49] hineinziehen lassen, von dem die ganze Deutsche Nation befallen sei. Der weiter erhobene Vorwurf, die Deutschen Katholiken seien von der Reinheit des Glaubens abgeirrt [„Deutsche Kultur, Katholizismus und Weltkrieg“, eine Abwehr des Buches La Guerre Allemande et le Catholicisme, Herausgeber Georg Pfeilschifter, Freiburg 1915 (im folgenden kurz: Pfeil.). Obiges Zitat: Pfeil. 493.], veranlaßte die Fuldaer Bischofskonferenz sogar, gegen die Anschuldigungen Baudrillarts und seiner Mitarbeiter in Form einer Ergebenheitadresse beim Papst bewegliche Klage zu führen. In seiner Antwort vom 6. Sept. 1915 beschränkte sich Papst Benedikt XV. jedoch darauf, seine Gläubigen zu ermahnen, die Handlungen der Katholiken eines anderen Volkes nicht in herausfordernder Weise herabzusetzen. (In Bezug auf die Nichtkatholiken war es anscheinend gestattet). Dabei ersuchte er alle Katholiken, den Frieden zu erflehen, „und zwar einen Frieden, der sowohl den Forderungen der Gerechtigkeit wie auch der Würde der Völker entsprechen möge.“ [Pfeil. 494.] Welche Ansichten der heilige Vater über Gerechtigkeit und Würde der Völker hatte, erfuhr das Deutsche Volk allerdings erst, als Benedikt XV. am 3. November 1919 an den Pariser Kardinal-Erzbischof Amette schrieb:

„Von Frankreich möge sich Gottes Gnade über die ganze Welt ergießen; was menschliche Klugheit auf der Versailler Konferenz begonnen hat, möge göttliche Liebe veredeln und vollenden!“ (Acta apostolicae sedis Nr. 12)

Über das Versailler Diktat, dieses Werk „menschlicher Klugheit“, hat inzwischen die Geschichte schon ihr Urteil gesprochen. Was mochte es aber für eine Bewandtnis haben mit der „Veredelung“ und „Vollendung“ dieses verbrecherischen politischen Machwerks durch die „göttliche Liebe“? Einen Fingerzeig, in welcher Richtung die „Veredelung“ und „Vollendung“ gehen sollte, geben uns wohl am besten die Worte des Lobes, die Benedikts XV. Nachfolger, Papst Pius XI., laut „Osservatore Romano“ Nr. 118 vom 24. 5. 1923 in einer Ansprache im Konsistorium am 23. Mai 1923 dem Landesverräter Erzberger und seinen Helfern zollte, weil sie

„sowohl mitten im Toben des Weltkriegs wie auch unter den jetzigen verwickelten Verhältnissen ihren Eifer und ihr Organisationsgeschick dafür eingesetzt haben, den traurigen Abfall von der römischen Kirche, der vor 400 Jahren erfolgte, wieder wett zu machen.“

Die hauptsächliche Gegenschrift der Deutschen Katholiken war das ebenfalls im Jahr 1915 in sechs Sprachen bei Herder in Freiburg erschienene, von Georg Pfeilschifter, Professor der Theologie an der Universität Freiburg i. Br., in Verbindung mit einer Reihe katholischer Persönlichkeiten herausgegebene Buch „Deutsche Kultur, Katholizismus und Weltkrieg“. Zu den Verfassern dieses Buches gehörte auch Kardinal Faulhaber, damals noch Bischof in Speyer, der Baudrillarts Buch als „eines der traurigsten Dokumente der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts“ bezeichnete [Pfeil. 452.]. Heute sitzen beide, Faulhaber und Baudrillart, brüderlich vereint im Hohen Rat des römischen Männerbundes. Wenn man in den Nachkriegsjahren Deutsche Katholiken auf das Buch Baudrillarts hinwies, wurde stracks das Pfeilschiftersche Buch dagegen ins Feld geführt. Nun, ja, es ist eine seine Sache um ein Alibi, denn schließlich konnte man im Jahr 1915 noch nicht sagen, wie der Ausgang des Krieges sein werde. Inzwischen schrieb aber im April 1919 die „Civiltà cattolica“ in Nr. 1651:

„ . . . daß der heilige Stuhl ein höchstes Interesse hatte, die Wiederherstellung Belgiens und die Erhaltung Frankreichs als Großmacht, zweier durchaus katholischer Nationen, zu betreiben . . . Er konnte nicht ohne Schrecken ins Auge fassen die Aussicht eines schließlichen Sieges Deutschlands, der den Triumph des Luthertums und des Rationalismus mit der Niederwerfung Frankreichs und Belgiens besiegelt hätte.“

Es kann also keineswegs nur als die unmaßgebliche Privatmeinung des Bischofs von Versailles gewertet werden, wenn dieser in seinem schon oben erwähnten Fastenhirtenbrief vom Jahr 1915 sagte:

„Wenn Frankreich untergehen würde, oder wenn auch nur sein Stern erbleichen sollte, . . . der Kirche würde eine ihrer Festungen, und welche Festung, fehlen! . . . Gott braucht hienieden ein auserwähltes Volk . . . Gott braucht mit einem Worte . . . Frankreich!

Preußen . . . ist die ,Sünde Europas‘, und die Sünde Deutschlands besteht darin, die Vergiftung durch Preußen erlitten und angenommen zu haben. Die verpreußten Deutschen sind Luther und seinen rechtmäßigen Erben: Kant, Strauß, Haeckel, Nietzsche, Harnack, alles gründliche Antikatholiken, gefolgt . . . Nein, das verpreußte und lutheranische Deutschland ist nicht der Diener und der Bote der christlichen Zivilisation auf Erden und kann es nicht sein. . . . Frankreich, das katholische Frankreich ist das auserwählte Volk Gottes, der Freund Christi, der älteste Sohn und getreue Diener der heiligen Kirche . . .“

Frankreich das auserwählte Volk Gottes? Das laizistische Frankreich, das Frankreich der Freimaurer-Regierungen, das Frankreich der Kirchentrennunggesetze?! Oder sollte sich in der religiösen Einstellung des französischen Volkes seit dem Jahr 1905 ein so nachhaltiger Wandel vollzogen haben, daß es nur 9 Jahre später in der Tat wieder zur Übernahme der Rolle des willfährigen Dieners und Boten der „christlichen Zivilisation“ bereit gewesen wäre? Wie wird denn die religiöse Lage in Frankreich heute von katholischer Seite selbst beurteilt? Lassen wir die führende, in Wien erscheinende Zeitschrift „Die schönere Zukunft“ vom 16. Juli 1937 sprechen, in der u. a. zu lesen ist:

„. . . In einer französischen Zeitschrift ist vor kurzem eine Landkarte von Nordfrankreich veröffentlicht worden, aus der der Grad der Glaubensbetätigung des französischen Volkes in den einzelnen Gegenden ersichtlich wird. – Die Karte teilt Nordfrankreich in drei Teile – Nordwest, Mitte und Nordost – ein.

Das Nordwestgebiet ist im großen und ganzen glaubenstreu. Es umfaßt 6 Provinzen mit 4 Millionen Einwohnern, die zum überwiegenden Teil ausübende Katholiken sind. In einzelnen Gegenden, z. B. in den 13 Kantonen der Nord-Vendée, erfüllen 98 Prozent der Männer ihre österliche Pflicht; in den Industriegegenden hingegen sinkt der Durchschnitt bis auf 6 Prozent. Auch die Grubenzone ist religiös flau.

Einige wenige Gebiete der Bretagne neigen dem praktischen Heidentum zu.

Das Gebiet „Mitte“ umfaßt 20 Provinzen mit 7 Millionen Einwohnern; es trägt das Gepräge der religiösen Gleichgültigkeit. Der Durchschnitt der ausübenden Katholiken ist nicht höher als 7 Prozent. In den Weingegenden sind 16 Prozent der Kinder nicht getauft, 25 Prozent erhalten keinen Religionunterricht, 33 Prozent der Eheschließungen und der Beerdigungen erfolgen ohne den Segen der Kirche, 90 Prozent der Bevölkerung sterben ohne Sakramente, 98 Prozent besuchen niemals eine Kirche.

Zu den Nordostgebieten gehören 5 Grenzprovinzen mit 5 Millionen Einwohnern. Hier nimmt die religiöse Gesinnung zu, je mehr man sich der Grenze nähert. Die Provinz Santerre z. B., die von der Grenze am weitesten entfernt liegt, ist einerseits die reichste, anderseits die religiös gleichgültigste aller Provinzen dieses Gebietes. (Vielleicht ist sie gerade deshalb die reichste, weil sie die „religiös“ gleichgültigste ist, d. h. sich am wenigsten von den Priestern das Geld aus den Taschen ziehen läßt. D. Verf.)

Lothringen hinwiederum ist zu 50 Prozent gläubig. Im Elsaß steht die Glaubensbetätigung in umgekehrtem Verhältnis zur Einwohnerzahl, d. h. in Dörfern mit weniger als 1000 Einwohnern erfüllen 100 Prozent der Männer ihre österliche Pflicht, in Orten mit weniger als 10000 Einwohnern sind es 60 Prozent und in Orten mit weniger als 100000 Einwohnern sind es nur 30 Prozent.

Der Kinderreichtum der einzelnen Familien, der auf der Karte gleichfalls eingezeichnet ist, entspricht genau der größeren oder geringeren Betätigung des religiösen Lebens der Bevölkerung . . .“

Wir stellen diese Beurteilungen des französischen Volkes – beide aus katholischer Quelle stammend – mit Absicht einander gegenüber, denn in ihnen scheint uns der Nachweis für den oben erwähnten Zweifrontenkrieg gegeben zu sein, den die römische Klerisei ständig zu führen gezwungen ist, um ihren machtpolitischen Einfluß zu erhalten und zu erweitern. Die Bezeichnung des französischen Volkes durch den Bischof von Versailles als „Diener und Bote der christlichen Civilisation“ müssen wir daher in ihrem ganz alltäglichen Sinn auffassen. Diener und Boten sind Werkzeuge fremden Willens, fremden Auftrags, die ja wohl in der Regel über den wahren Sinn, Zweck und Inhalt der von ihnen zu leistenden Dienste und zu befördernden Botschaften vom Auftraggeber nicht unterrichtet zu werden pflegen.

Schon oben wurde eindringlich davor gewarnt, den Mitgliedern des römischen Männerbundes in den einzelnen Völkern eine wirklich national-völkische Gesinnung, d. h. Grundhaltung, unterzuschieben. Jedes Volk, dessen biologische Substanz noch nicht völlig durch rassische Entartung verrottet, dessen sittliche Haltung noch nicht restlos vom rassezersetzenden Gift der Sittenlehren überstaatlicher Priester- und sonstiger Geheimbünde gebrochen ist, wird sich immer wieder aufbäumen gegen die Macht- und die Herrschaftgelüste dieser überstaatlichen Organisationen. Nicht zuletzt auf Grund der Lehren, die ihm die Geschichte des Krieges von 1870/71 gegeben hatte, war in dem französischen Volk um die Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert wieder einmal eine äußerst starke Abwehrbewegung gegen den römischen Männerbund entstanden, die in den Kirchentrennunggesetzen von 1905 ihren stärksten Ausdruck fand. Baudrillart schreibt in seiner im Jahr 1917 in den „Pages actuelles“ Nr. 102 erschienenen Erwiderung [„La France. Les Catholiques et la Guerre“ Réponse à quelques objections par Mgr. Alfred Baudrillart, abgedruckt in „Pages actuelles“ 1914-1917, Nr. 102, Verlag Bloud et Gay, Paris-Barcelone, 1917. (im folgenden kurz: P. A.).] auf die von Pfeilschifter herausgegebene Gegenschrift über diese Frage:

„La France n’est pas un pays irréligieux, mais c’est un pays anti-clérical . . . elle a horreur de gouvernement des curés.“

(„Frankreich ist kein irreligiöses Land, sondern es ist ein antiklerikales Land . . . es hat Grauen vor der Pfaffenherrschaft.“)

Er sagt dann weiter, daß, wenigstens in den Kreisen des französischen Bürgertums, gleichgültig ob zu Recht oder zu Unrecht, fast immer eine gewisse Abneigung gegen priesterliche Herrschaftgelüste bestanden habe. Er hält dies auch nicht für verwunderlich bei einem Volk, das in seiner überwiegenden Mehrheit katholisch ist, und auf dessen Regierung die Priesterschaft Jahrhunderte lang einen so maßgebenden Einfluß ausübte wie in Frankreich.

Wie sehr das französische Volk bei Beginn des Weltkriegs seinen römischen Priestern mißtraute und sie der Vorbereitung des Kriegs bezichtigte, darüber berichtet der ehemalige Abteilungchef bei der Geheimen Feldpolizei am Oberkommando der 6. (Deutschen) Armee, Carl Herrmann, in seinem Buch „Von Pater Philippart, von Kardinal Mercier und von anderen Unbekannten Soldaten“ [Carl Herrmann: „Von Pater Philippart, von Kardinal Mercier und von anderen Unbekannten Soldaten“, Tübingen 1932, S. 23.]. Er erwähnt dort aus dem 1915 in Paris erschienenen Buch des französischen Bischofs Lacroix, „Le Clergé et la guerre de 1914“ folgendes über gewisse zu Kriegsbeginn im französischen Volk umgehende Ansichten, denen Lacroix natürlich heftig widerspricht:

„Man erzählte doch, oder vielmehr man tuschelte in die Ohren der leichtgläubigen Bauern, daß es in diesem Krieg war wie bei dem von 1870, daß er herausgefordert worden war von den Priestern, daß er deren Werk war und daß er keine anderen Ziele hatte als den schwarzen Herrschaftabsichten zu dienen, die trotz ihrer Niederlage die klerikale Partei nährt.“

Und an gleicher Stelle berichtet die in derselben Linie liegende Äußerung des Bischofs von Saint Dié:

„Man hat es geistreich gefunden auszuplaudern, daß der Krieg, der uns schmerzt, den geheimen Wünschen(voeux secrets-Gelübde?) der Klerikalen oder, um frei zu sprechen, der Geistlichen, der Bischöfe und des Papstes entspricht.“

Msgr. Lacroix stellt also gar nicht in Abrede, daß der Krieg von 1870/71 von den römischen Priestern provoziert war.

Nun, im Jahr 1914 war ja offensichtlich die klerikale Partei nicht am Ruder des französischen Staatsschiffes, sondern die von Rom angeblich so heftig bekämpfte Freimaurerei, die bekanntlich von den römischen Schwarzröcken dem dummgläubigen Volk so gerne als der leibhaftige Gottseibeiuns hingestellt wird [Was aber bekanntlich die Römlinge im Jahr 1937 in der Schweiz nicht hinderte, gegen die Auflösung der Freimaurerbünde bei der Volksbefragung zu stimmen.]. Für jeden Dummkopf ist also die Engelreinheit des heiligen Vaters sonnenklar, denn wie könnte er mit den Oberfreimaurern Clemenceau, Delcassée, Poincaré, Cambon und Genossen unter einer Decke stecken?!

Baudrillart sagt:

„Viele unter ihnen (das Ausland, insbesondere die Katholiken neutraler Länder, d. Verf.) . . . urteilen nach gewissen äußerlichen Tatsachen . . . und glauben daraus den Schluß ziehen zu dürfen, Frankreich habe aufgehört, eine christliche, eine katholische Nation zu sein.“ [G. A. 9/IX. (Hervorhebung v. Verf.)]

Der Verfasser des Abschnitts „Die Rolle Frankreichs in der Welt als katholische Macht“ in dem von Baudrillart herausgegebenen Buch, ein ungenannter „Missionar“, faßt seine Ausführungen über dieses Thema zusammen, indem er den Ausspruch Baudrillarts in der Zeitung „La Croix“ vom 5. Sept. 1914 anführt:

„Alle religiösen Krisen waren zugleich nationale Krisen; alle Wiedergeburten Frankreichs waren Wiedergeburten des Katholizismus“,

um dann fortzufahren:

„Die neueste Epoche, in der alle Grundsätze bedroht erschienen, auf denen eine Gesellschaft (welche Gesellschaft?, die ,Gesellschaft Jesu‘?, der römische Männerbund? D. Verf.) beruht, dürfte ihr Ende erreicht haben. Eine neue Epoche hat bereits begonnen. Die Reaktion bereitet sich seit langem in den Geistern vor, einzig sichtbar für den aufmerksamen Beobachter; der Krieg zeigt sie in ihrer ganzen Ausdehnung. ,Bei uns verbünden sich‘, wie Maurice Barrès es so schön ausgedrückt hat, ,die Kämpen der Revolution mit den Kämpen des Heilands‘“. [G. A. 71/51.]

In der Tat, das ist schön ausgedrückt! Dieses offenherzige Eingeständnis des Bündnisses zwischen den „Kämpen der Revolution“ und den „Kämpen des Heilandes“ beweist unwiderleglich die innige Zusammenarbeit zwischen dem römischen Männerbund und der Freimaurerei, dem die Romkirche beherrschenden Jesuitismus und dem die Freimaurerei beherrschenden Judentum, die wie zwei rivalisierende Gangsterbande um ihre Opfer streiten, die sich aber im Kampf gegen die gesittete Welt jederzeit nach Ganovenart verbünden. Geschah dies früher mehr oder minder unter der Decke, so geschieht es seit dem 11. Juli 1937, dem Tag von Lisieux, offen vor aller Welt.

Den Abbruch der diplomatischen Beziehungen Frankreichs zum Vatikan im Jahr 1904 und die am 3. Juli 1905 erfolgte Kündigung des Konkordats durch die französische Regierung bezeichnet Baudrillart im Jahr 1916 als „peinlichen Zufall“, wobei er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß dieser Zustand, der übrigens weder zur Ketzerei noch zum Schisma geführt habe, bald beendet sein werde [P. A. Nr. 102, S. 43.]. Diese Hoffnung ging nach dem Weltkrieg erstaunlich schnell in Erfüllung; die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem heiligen Stuhl wurden bereits 1921 wieder aufgenommen.

Es mag an unserem „Unglauben“ liegen, wenn wir der Ansicht des Herrn Kanonikus Gaudeau, daß „ja die Normen der wissenschaftlichen Redlichkeit sich mit denen der katholischen und priesterlichen Denkweise decken“ [G. A. 14/2.], mit einigem Zweifel begegnen. Und darum fällt es uns auch nicht leicht, an den von Herrn Baudrillart genannten „Zufall“ hinsichtlich des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan zu glauben. Weit eher will uns scheinen, daß das Ganze nur eine geschickt inszenierte Komödie war, durch die der Welt, vorab jedoch dem friedliebenden, aber argwöhnisch gewordenen französischen Volk, Sand in die Augen gestreut werden sollte. Aber auch das Deutsche Volk ist auf den Trick hereingefallen, erst seit den Tagen von Lisieux beginnt es sich die erstaunten Augen auszureiben und über das vermeintlich so sonderbare, täglich sich festigende Bündnis zwischen Rom und dem über Freimaurerei, Bolschewismus und Volksfrontregierung wirkenden Weltjudentum nachzudenken. Und wenn der schon erwähnte ungenannte „Missionar“ von dem im Weltkrieg zutage getretenen Bündnis zwischen den „Kämpen der Revolution“ und den „Kämpen des Heilands“ sagt:

„Deutschland ist es, das durch seinen Überfall dieses Wunder bewirkt hat, nachdem es uns 44 Jahre lang gedemütigt und geschwächt hatte. Und das Wunder wird fortdauern“! [G. A. 71/51.]

So können wir leider auch an dieses „Wunder“ nicht glauben. An eines glauben wir allerdings, zumal wir es sehen, nämlich an die Fortdauer des Bündnisses zwischen Rom und Juda gegen Deutschland, wie gegen alle rassisch erwachenden Völker und alle sich ihrer völkischen Aufgabe bewußt werdenden Staaten.

Wie alle Medizinmänner und Fetischpriester arbeiten auch die Mitglieder des römischen Männerbundes gerne mit „Wundern“. Geht man aber dem Zauber auf den Grund, dann erweist es sich meist als faul, und der „Wunder“-Mann entpuppt sich gewöhnlich als gerissener Bauernfänger. Daß die Methode immer wieder und mit soviel Erfolg angewandt wird, ist durch die Tatsache begründet, daß die Dummen nicht alle werden, und fast will es so scheinen, daß der „Felsen Petri“ nur deshalb dem Sturmesbrausen des Geistes zwei Jahrtausende zu trotzen vermochte, weil er mit der menschlichen Dummheit identisch ist. Gehen wir also dem „Wunder“ des Herrn Missionars zu Leibe!

In dem von Baudrillart selbst zu dem Buch „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ beigesteuerten Abschnitt „Die Religion in der französischen Armee“ zitiert dieser in zustimmendem Sinn folgende Äußerung von Maurice Vaussard aus dessen Aufsatz „Für die Überlebenden“ in der „Revue pratique d’apologétique“ vom 1. April 1915:

„Die psychologische Vorbereitung des Krieges von 1914 wird einmal mehr bewiesen haben, daß ein handelnder Kern mehr wert ist, um ein bestimmtes Resultat zu erreichen, als eine gestaltlose Menge.“ [G. A. 222/193 Fußnote.]

Baudrillart selbst schreibt:

„ . . . Die zahlreichen Anhänger der Lehre des Zufalls und der Zweckbestimmung sagen gerne: Es gibt zu gewissen Zeiten Strömungen, die, ohne daß man weiß warum, eine ganze Nation erfassen; die Geschichte ist eine Folge von Handlungen und ihren Reaktionen.

Dies ist in gewissem Sinne wahr, aber diese Strömungen bilden sich nicht allein und wählen nicht von selbst ihren Lauf; diese Handlungen und diese Reaktionen sind in der moralischen Ordnung, sie sind nicht vom Zufall geleitet.

Es gibt wirkende Wesen, und diese wirkenden Wesen kann man finden, wenn man sich nur Mühe geben will. Hauptursache an dieser religiösen und patriotischen Wiedergeburt waren ganz einfach die religiösen Erzieher. . . .

Diesen katholischen Erziehern verdanken wir drei Kategorien von Werken: Lehrinstitute aller Stufen, Verbände und Vereinigungen sowie Schutzvereine, die einen großen Teil der heutigen Jugend umfassen. Dort wurden eine Anzahl von Offizieren und Soldaten herangebildet, die, mit der Armee vermengt, wie ein Gärungmittel wirken sollten. . . . Der Krieg gab diese Gelegenheit.“ [G. A. 221-222/192-193 (Hervorhebungen v. Verf.)]

Wir nehmen gerne zur Kenntnis, daß die Geschichte von „wirkenden Wesen“ gemacht wird, die man finden kann, wenn man sich nur Mühe geben will. Und wenn Papst Benedikt XV. am 22. Januar 1915 in seiner Ansprache an das Konsistorium u. a. sagte:

„. . . Wir glauben nicht, daß der Friede die Welt ohne die göttliche Zustimmung verlassen hat. Gott läßt es zu, daß die Nationen, welche alle ihre Gedanken auf die irdischen Dinge gerichtet hatten, sich gegenseitig durch Metzeleien für die Verachtung und die Nachlässigkeit strafen, mit der sie Ihn selbst behandelt haben. Andere Ereignisse treten noch hinzu, um die Menschen zu zwingen, sich unter der mächtigen Hand Gottes zu erniedrigen. Eines derselben ist die Katastrophe dieser letzten Tage, von der wir alle wissen, wie entsetzlich und wie mörderisch sie war“ [G. A. 245-246/217-218.], so nehmen wir, eingedenk der obigen Lehren des Msgr. Baudrillart, an, daß der heilige Vater nicht etwa glaubt, der Krieg sei durch ein „Wunder“ losgegangen oder durch „Zufall“; vielmehr hoffen wir, daß er in dem Krieg ebenfalls eine von „wirkenden Wesen“ ausgelöste zweckbestimmte Handlung erblickt.

Nun fragt sich bloß, ob gar der heilige Vater selbst mit zu diesen „wirkenden Wesen“ gehörte. Um zu dieser Frage Stellung nehmen zu können, ist es zunächst nötig, auf einige Bestimmungen der französischen Militärgesetzgebung einzugehen. Durch das Militärgesetz vom 27. Juli 1872 waren die französischen Geistlichen vom Militärdienst befreit. Das Militärgesetz vom 15. Juli 1889 bestimmte, daß sie „im Falle der Mobilisation dem Sanitätdienst angeschlossen werden“. Durch das Gesetz vom 21. März 1905 wurden die Geistlichen ebenfalls der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen und demgemäß zum Waffendienst herangezogen, allerdings nur die Jahresklassen 1905, 1906 usw. Für die älteren Jahrgänge blieben die Bestimmungen vom Jahr 1889 in Kraft.

Nun hält aber das kirchliche Recht in gewissen Fällen die Lage eines Priesters, der zu den Waffen greift, für „unregelmäßig“. Dieserhalb hat das „heilige Bußgericht“ in Rom am 18. März 1912 für die französischen Priester eine Entscheidung getroffen, die u. a. folgendes sagt:

„Für den Fall, daß die Priester dadurch, daß sie mitkämpfen, in eine Unregelmäßigkeit verfallen, werden die Folgen dieser Unregelmäßigkeit einstweilen aufgehoben; infolgedessen behalten die Geistlichen für die Zeit der Feindseligkeiten ihre Befugnisse, wie wenn diese Unregelmäßigkeit nicht vorhanden wäre, d. h. sie können die Sakramente spenden und auch selbst empfangen. Die Erlaubnis, solange der Krieg andauert, seine Befugnisse zu bewahren, wie wenn die Unregelmäßigkeit nicht bestehen würde, hebt aber diese Unregelmäßigkeit, sobald sie vorhanden ist, nicht ohne weiteres auf; der kämpfende Geistliche ist daher nach Friedensschluß verpflichtet, sich an die zuständige Behörde zu wenden, um sich, wenn nötig, von dieser Unregelmäßigkeit befreien zu lassen.“

Baudrillart nennt diese Entscheidung des heiligen Bußgerichts eine glückliche. In seiner bereits erwähnten Erwiderung auf die Pfeilschiftersche Gegenschrift geht er auf diese Verfügung nochmals ein und sagt dazu u. a. folgendes:

„Les circonstances présentes autorisent-elles de la part de l’Eglise des dérogations de ce genre au droit commun?

Le Pape l’a pensé: considérant les inconvénients très graves qui résulteraient pour les prêtres français et pour l’Eglise d’une résistance à la loi; tenant peut-être aussi compte de l’extrême danger couru par la nation, il a suspendu par un décret de la Sacrée pénitencerie de mars 1912, les effets de l’irrégularité que les clergés pourraient contracter en combattant . . .“ (21) (Hervorhebungen v. Verf.)

„Ermächtigen die gegenwärtigen Umstände die Kirche zu derartigen Abweichungen vom gemeinen Recht? (Kirchenrecht, d. Verf.)

Der Papst hat es gedacht: Indem er die sehr ernsten Unannehmlichkeiten in Betracht zog, die sich für die französischen Priester und für die Kirche aus einem Widerstand gegen das Gesetz (des franz. Staates, d. Verf.) ergeben würden, indem er vielleicht auch die außerordentliche Gefahr in Rechnung stellte, die von der Nation durchlaufen wurde, hat der Papst durch ein Dekret des Heiligen Bußgerichts vom März 1912 die Folgen der Unregelmäßigkeit aufgehoben, daß die Geistlichen zum Kämpfen verpflichtet werden könnten . . .“

Nach der im Dezember 1916 erteilten erzbischöflichen Druckerlaubnis zu schließen, sind diese im Jahr 1917 veröffentlichten Worte wohl im Spätjahr 1916 geschrieben worden. Sind die „gegenwärtigen Umstände“, die den Papst zu dieser Haltung in der Frage der Trennunggesetze veranlaßt haben, die kriegerischen Ereignisse von 1916, die im Jahr 1914 ihren Anfang nahmen? Welche „prophetische“ Voraussicht wäre dies gewesen! Aber selbst den Fall gesetzt, Baudrillart hätte die „gegenwärtigen“ Umstände auf einen größeren Zeitabschnitt bezogen, was veranlaßte dann den Papst im Jahr 1912 sich der doch unleugbar in ihrer Mehrheit zu den Kirchentrennunggesetzen bekennenden französischen Nation so väterlich anzunehmen? Oder kann denn etwas anderes als ein Krieg oder zumindest die Unabwendbarkeit eines Krieges unter der „außergewöhnlichen Gefahr“ verstanden werden, die von der französischen Nation durchlaufen worden sein soll?

Vergegenwärtigen wir uns doch die damalige Lage der römischen Kirche in Frankreich. Wenige Jahre zuvor war durch die Trennunggesetze der auf 600-1000 Millionen Goldfranken geschätzte Besitz der katholischen Orden enteignet, 22000 bis 23000 Klöster, 16000 von 17000 kirchlich geleiteten Schulen waren geschlossen worden. Zahlreiche Kirchen und Kultstätten wurden dem Verfall preisgegeben, wenn nicht kurzerhand zerstört. Maurice Barrès berichtet hierüber in seinem 1914 in Paris erschienenen Buch „La grande pitié des églises de France“. Dabei spielten sich Vorkommnisse ab, bei deren Lektüre wir uns nach Sowjet-Rußland oder nach Sowjet-Spanien versetzt glauben. So berichtet er, daß z. B. der Gemeinderat von Vendôme den aus dem 15. Jahrhundert stammenden Glockenturm von St. Martin, der erhalten bleiben sollte, in eine öffentliche Bedürfnisanstalt umwandelte, die Grube mit vom Friedhof geholten, kaum ein Dutzend Jahre alten Grabsteinen abdecken, die im Turm gefundenen Gebeine längst Verstorbener nicht etwa nach dem Friedhof verbringen, sondern unter die Abortrohre werfen ließ. Zur „Einweihung“, die am Karfreitag erfolgte, erließ der Gemeinderat eine öffentliche Aufforderung:

„Wir errichten auf geweihtem Boden dem Gott der Verdauung einen Tempel“.

Wie ist es nun aber mit der „außergewöhnlichen Gefahr“ bestellt, die um 1912 von der französischen Nation durchlaufen worden sein soll? Was hat den Papst veranlaßt, sich bei diesen Ereignissen dem französischen Staat gegenüber so große Zurückhaltung aufzuerlegen, ja, Entscheidungen zu treffen, die nicht mehr und nicht weniger der militärischen Stärkung dieses ihm dem äußeren Anschein nach doch feindlich gegenüberstehenden Staates zugute kamen? Diese Frage zu stellen liegt niemandem näher als uns Deutschen, wenn wir uns daran erinnern, mit welcher Unnachgiebigkeit die römische Kirche den von ihr provozierten „Kulturkampf“ gegen das von Bismarck geführte Deutsche Reich durchfocht.

Es gibt zunächst zwei Möglichkeiten für die Haltung des Papstes. Entweder fürchtete er eine Niederlage, wenn er es in offenem Kampf gegen den französischen Staat auf Biegen und Brechen ankommen ließ, zumal er die ihm nach wie vor ergebenen Schäflein nicht mit dem Schlagwort vom Glaubenskrieg gegen die Ketzer aufputschen konnte, denn in der französischen Regierung und der Mehrheit des französischen Volkes standen ihm ja keine „Ketzer“, sondern, wenn dieser Ausdruck gestattet ist, höchstens „ungläubige Katholiken“ gegenüber. Oder aber erschien dem Papst die ganze Sache nur als eine mehr oder minder belanglose Episode, die sich über kurz oder lang von selbst wieder ins rechte Gleis bringen werde, wobei es am besten sei, möglichst wenig Aufhebens zu machen, d. h. den Launen des Tobsüchtigen klug nachzugeben.

Beide Auffassungen werden aber der wirklichen Sachlage zweifellos nicht gerecht. Der politische Machtanspruch des römischen Männerbundes ist international, er erstreckt sich nicht nur auf Frankreich bzw. das französische Volk. So müssen wir auch die politischen Entscheidungen des Papstes stets von internationalem Blickpunkt aus betrachten. Wir müssen also stets die gesamtpolitische Lage in den verschiedenen Staatengebieten betrachten, in denen der Vatikan seine Machtstellung hauptsächlich verteidigen muß oder erweitern will. Dies ist insbesondere deshalb notwendig, weil der Vatikan in Ermangelung eigener machtpolitischer Exekutivorgane, d. h. in erster Linie eigener Armeen, stets bestrebt ist und bestrebt sein muß, auf irgend eine Weise auf die innen- und außenpolitischen Machtfaktoren der einzelnen Staaten Einfluß zu gewinnen, um diese seinen eigenen, meist gut getarnten Zwecken dienstbar zu machen. Die Aufgabe des Vatikans besteht also darin, die verschiedenen Staaten gegeneinander auszuspielen, sich als Störenfried möglichst unerkannt zu halten, um im geeigneten Augenblick als biederer „Friedensstifter“ oder heimlich lachender Dritter die eigene Machtstellung zu heben. Der Anspruch des Papstes auf den „weltlichen Arm“ der Staaten zur Verwirklichung seiner Machtpolitik ist ja alt, aber die über die katholischen Völker ausgebreiteten geistigen Nebelschleier sind im Lauf der Jahrhunderte dank dem Freiheitkampf der erleuchtetsten Geister auch dort so weit gelichtet, daß offensichtliche Religionkriege und „Kreuzzüge“ nicht mehr möglich sind. Die aus solchem Grunde nötigen indirekten machtpolitischen Methoden bestimmen aber auch wesentlich das Zeitmaß der politischen Arbeit des Vatikans. Die Kriege des Papstes lassen sich heute nicht mehr ohne weiteres vom Zaun brechen, sondern sie bedürfen meist langjähriger geheimer Wühlarbeit, bis die Lage dafür reif gemacht ist.

Wie stellt sich uns Deutschen nun die politische Lage in Europa vor dem Weltkrieg dar? Der infernalische, zuweilen leicht übertünchte, häufig genug aber offen zutage tretende Haß Roms gegen das vorwiegend nichtkatholische Deutschland im Herzen Europas darf als so bekannt vorausgesetzt werden, daß sich eine weitschweifige Beweisführung hier erübrigt. Wir können uns daher auf die Erwähnung einiger für die Beziehungen des Vatikans zum Zweiten, von Bismarck geschaffenen Reich wesentlicher Begebenheiten beschränken.

War schon durch die von Papst Pius IX. am 8. Dezember 1864 erlassene Enzyklika und den ihr beigegebenen Syllabus eine sehr natürliche Spannung zwischen den nichtkatholischen Staaten Deutschlands, insbesondere aber zwischen Preußen und dem Vatikan, entstanden wegen der in diesen Erlassen dokumentierten und sich auf wichtigste staatsrechtliche Belange erstreckenden grenzenlosen Anmaßung des römischen Männerbundes, so war diese Spannung noch verschärft worden durch den für die katholische Habsburgerdynastie ungünstigen Ausgang des Krieges von 1866, durch den die Monarchie zur Verzichtleistung auf ihre Teilnahme an der Lösung der Deutschen Frage gezwungen wurde.

Was Papst Bonifazius VIII. schon in einer Bulle im Jahr 1294 in echt pfäffischer Anmaßung verkündet hatte, indem er sagte:

„Wir erklären, sagen, bestimmen und entscheiden hiermit, daß alle menschliche Kreatur dem Papst unterworfen sei, und daß man nicht selig werden könne, ohne dies zu glauben“,

und was Papst Pius IX. in seiner schon erwähnten Enzyklika und dem Syllabus vom Jahr 1864 zeitgemäß neuformuliert hatte, sollte durch das auf den 8. Dezember 1869 nach Rom einberufene ökumenische Konzil zu einem Dogma erhoben werden, in dem die Irrtumlosigkeit oder Unfehlbarkeit des Papstes für alle Fälle festgelegt werden sollte, wo er

„in Übung seines Amtes als höchster Lehrer aller Christen mit seiner Autorität definiert, was in Sachen des Glaubens und der Moral von der ganzen Kirche zu halten sie.“

Alle Vorstellungen und Warnungen Bismarcks, daß derartige

„tief eingreifende Änderungen in dem Organismus der katholischen Kirche, wie sie durch die absolutistischen Tendenzen der Kurialpartei angestrebt werden, nicht ohne Einfluß auf die Beziehungen der Kirche zum Staat und damit auf ihre eigene Stellung der Regierung gegenüber bleiben würden“,

waren erfolglos. Am 18. Juli 1870 wurde die Unfehlbarkeit des Papstes als ein Dogma der katholischen Kirche proklamiert. Am nächsten Tag, dem 19. Juli 1870, erfolgte die offizielle Kriegserklärung Frankreichs an Preußen, nicht zuletzt in der Hoffnung, daß die katholischen Staaten Süddeutschlands Preußen im Stich lassen würden. Wenn Napoleon III. bei der Zusammenkunft mit Bismarck in Donchéry am 2. September 1870 sagte, er selbst habe den Krieg nicht gewollt, sondern er sei durch den Druck der „öffentlichen Meinung“ dazu genötigt worden, so bedarf es nur des Hinweises auf die weiter oben wiedergegebenen Ausführungen des Bischofs Lacroix, um jeden Zweifel hinsichtlich der Macher dieser „öffentlichen Meinung“ auszuschließen. Die Gebete des Papstes für den Sieg der französischen Waffen waren umsonst, nachdem er „als Stellvertreter des Gottes des Friedens auf Erden“ noch am 22. Juli 1870 Napoleon und dem König von Preußen seine „Vermittlung“ angeboten hatte, von letzterem aber am 30. Juli an die französische Regierung als die Friedensstörerin verwiesen worden war.

Als papistische Anmaßung – nicht Bismarck, wie die katholischen Geschichteklitterer behaupten – durch die Folgen der Konzilsbeschlüsse vom 18. Juli 1870 den sog. „Kulturkampf“ provoziert hatte, gegen den sich Bismarck energisch und nicht ohne Erfolg zur Wehr setzte, kannten Haß und Rachsucht des römischen Männerbundes gegen das neu geeinigte Deutschland keine Grenzen mehr. Am 24. Juni 1872 sagte Pius IX. in seiner Ansprache an eine Deputation der Deutschen katholischen Lesevereine:

„Wir haben es mit einer Verfolgung zu tun, die, von weitem vorbereitet, jetzt ausgebrochen ist; es ist der erste Minister einer mächtigen Regierung, der nach seinen siegreichen Erfolgen im Felde sich an die Spitze der Verfolgung gestellt hat. Aber diese feindliche Verfolgung der Kirche wird unfehlbar den Glanz jenes Triumphes in Frage stellen. Wer weiß, ob nicht bald sich das Steinchen von der Höhe loslöst, welches den Fuß des Kolosses zertrümmert“.

Rufen wir uns erneut die Worte Baudrillarts ins Gedächtnis, daß Handlungen und Reaktionen in der Geschichte nicht vom Zufall bestimmt, sondern von „wirkenden Wesen“ ausgelöst werden, dann werden wir nicht dem Irrtum verfallen, anzunehmen, daß dieses Steinchen sich etwa „von selbst“ loslösen werde, vielmehr werden wir auch hier nach den „wirkenden Wesen“ suchen. Gottes Mühlen mahlen langsam, sagt ein Sprichwort. Warum auf jeden Fall die politischen Mühlen des römischen Vizegottes langsam mahlen, wurde oben dargelegt. Rache ist ein Gericht, das kalt genossen werden muß, d. h. je wirkungvoller die Rache sein soll, umso ruhiger und sorgfältiger muß sie geplant und vorbereitet werden. Nach diesem Gesichtspunkt handelt auch der römische Männerbund. Ein paar Jahre oder auch Jahrzehnte spielen hierbei keine Rolle, wenn es gilt, den Erfolg eines Racheplans nach Möglichkeit sicherzustellen, und dies erachtete der Vatikan nach den Niederlagen von Königgrätz und Sedan für doppelt notwendig. Und wenn dabei zu hoffen ist, gleich zwei oder drei Fliegen auf einen Schlag zu treffen, warum nicht?

Ein Faktor, den sich die Papisten zunutze zu machen gedachten, war der durch die Niederlage im Krieg gegen Deutschland mächtig erwachte Chauvinismus und Revanchegedanke im französischen Volk nach 1871. Frankreich allein war aber viel zu schwach für die Durchführung der papistischen Pläne. Nun, was war da für den Papst näherliegend, als diesem Frankreich eben Bundesgenossen zu verschaffen, und was war natürlicher, als daß der Blick Roms hierbei auf den großen östlichen Nachbarn Deutschlands fiel, dessen seit Jahrhunderten bestehenden mächtigen Drang nach Westen Bismarcks kluge Politik nur mühsam in andere Bahnen zu lenken vermocht hatte? Und wenn man bei dieser Gelegenheit dem schismatischen Zarenstaat zugleich Raison beibringen und den Einfluß der Papisten dort verstärken könnte, warum nicht?

Durch die innenpolitischen Schwierigkeiten, die durch die römisch-katholischen Polen, vom römischen Klerus unterstützt, dem Zaren bereitet wurden, ward dieser zunächst einmal hilfesuchend in die Arme des Papstes getrieben. Zar Alexander III. entsandte im Jahr 1888 den Fürsten Iswolski als diplomatischen Vertreter zum „heiligen Stuhl“, wo Papst Leo XIII. und sein Kardinalstaatssekretär Rampolla sofort alle politischen Künste aufwandten, um den Zaren für ihre Bündnispläne zu gewinnen. Schon am 2. Mai 1888 berichtete Iswolski hierüber an den Zaren, der aber das republikanische und „atheistische“ Frankreich nicht für bündnisfähig hielt, ja dieses wegen seiner politischen und religiösen Einstellung verabscheute.

Um den Argwohn des Zaren gegen Frankreich zu beseitigen, hielt der Kardinal von Karthago und Algier, Msgr. Lavigerie, am 12. November 1890 auf Veranlassung des Papstes bei einer Feier aus Anlaß der Anwesenheit des französischen Geschwaders in Algier auf dem Admiralschiff eine Festrede, in der er ausführte, daß die Form einer Verfassung an sich nicht den Grundsätzen widerstreite, in der christliche und zivilisierte Staaten leben müßten, daß es vaterländische Pflicht jedes Bürgers sei, der gewählten Regierungform anzuhangen, um sein Vaterland vor dem Abgrund, der es bedrohe, zurückzureißen. Am Schluß seiner Rede bemerkte der Kardinal vielsagend, er fürchte nicht, höheren Orts fallen gelassen zu werden, und ließ durch das Bläsercorps der „Weißen Väter“ die Marseillaise spielen. [Herbert Schneider: „Der Vatikan und die Vorbereitung des Weltkriegs“ H. Quell Folge 24 vom 30.3.1936, Seite 967.] In der Tat bestätigte Rampolla in einem Brief an die französischen Bischöfe, daß die Kurie den Schritt Lavigeries unterstütze. Auf den Zaren machte dieses ebenso widerliche wie raffinierte Theater aber tiefen Eindruck, und Frankreich war für ihn bündnisfähig gemacht.

Mit einem feierlichen Tedeum in der Notre-Dame-Kirche am 13. Oktober 1893 anläßlich des russischen Flottenbesuchs in Toulon segnete die römische Klerisei die russisch-französische Verbrüderung, und wenige Wochen später nahm der „Osservatore Romano“, das amtliche Organ der Kurie, das Verdienst des französisch-russischen Bündnisses ausdrücklich für den Vatikan in Anspruch. Am 13. November 1896 aber schrieb der französische katholische Abgeordnete Jacques Piou im „Figaro“:

„Der erste und wesentlichste Urheber der Annäherung zwischen Frankreich und Rußland war Papst Leo XIII. Seine Haltung störte die klugen Berechnungen, die darauf hinausliefen, Frankreich zu isolieren. Frankreich hörte auf, verdächtig zu sein . . . Leo XIII. hatte das unverhoffte Glück, durch sein Beispiel Frankreich eine Freundschaft zu verschaffen, die Rettung bedeutet. Dank ihr steht es nicht mehr allein in der Welt angesichts seiner verbündeten Gegner.

Baron Mohrenheim (der russische Botschafter in Paris, d. Verf.) erklärte oft und hat es auch anderen wiederholt, daß sich die russische Regierung nicht entschlossen hätte, mit der französischen Republik ein Bündnis zu schließen, wenn nicht der Papst als erster es mit seiner moralischen Autorität unterstützt hätte.“ [Schneider aaO. 969.]

Das satanische Doppelspiel, das der „heilige Vater“ bei dieser Kuppelei gegenüber Rußland trieb, erhellen wohl am besten die Ausführungen, die der schon wiederholt erwähnte ungenannte „Missionar“ in „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ über das russisch-französische Bündnis machte:

„Und Rußland? – Das ,orthodoxe‘, intolerante Rußland! – Geduld! – Rußland hat schon die Wiederherstellung Polens, hat ihm Sprach- und Religionfreiheit versprochen. Es kann sich diesmal kaum, ohne sich vor der ganzen Welt zu entehren, über ein solch feierlich gegebenes Versprechen hinwegsetzen.

Das übrige wird sich mit der Zeit unter dem Druck neuer Ereignisse und neuer Verhältnisse von selbst ergeben.“ [Hervorhebung v. Verf.]

Furchtbar hat sich inzwischen am Zarenhaus der Romanow das Wort erfüllt, daß, wer vom Papst ißt, daran stirbt. Und wer erinnert sich nicht zugleich der Worte des römisch-katholischen Paters Chrysostomus Baur, daß es die geschichtliche Aufgabe des Bolschewismus sei, in Rußland mit der orthodoxen Kirche „reinen Tisch“ zu machen und damit der Katholisierung des russischen Volkes den Weg zu bereiten?

Wir wollen indessen nicht weiter in der Zeitfolge der geschichtlichen Ereignisse vorausgreifen. Ehe wir aber nun weiterfahren, sei nochmals an die oben wiedergegebenen Ausführungen Baudrillarts über die Beweggründe des Papstes erinnert, durch das „heilige Bußgericht“ am 18. März 1912 jene Entscheidung zu treffen, die den Waffendienst der katholischen Kleriker in der französischen Armee gewissermaßen sanktionierte. Es dürfte auch durch die kurzen Ausführungen über die Vorgeschichte der papistischen Politik gegen Deutschland zur Genüge klar gemacht sein, daß diese Entscheidung des Papstes zu jenem Zeitpunkt ihre Erklärung nur durch Betrachtung der gesamtpolitischen Lage in Europa finden kann. Der Papst bereitete systematisch den Krieg gegen Deutschland vor, wobei ihm Frankreich und Rußland als hauptsächliche Werkzeuge dienten. Darin ließ er sich auch durch die antikirchlichen innerpolitischen Maßnahmen der französischen Regierung nicht stören, ja es mag ihm gar nicht unwillkommen gewesen sein, sich hierdurch vor der Öffentlichkeit noch besser tarnen zu können, wenn er nur die realen Machtmittel Frankreichs, d. h. die Armee, in der Hand behielt. Dem galten seine besonderen Bemühungen.

Während Papst Pius X. in einem Erlaß vom 11. Juni 1911 sagte: „Die vornehmste Pflicht der Gegenwart ist es, die kriegerischen Bestrebungen und allen nationalen Wehrgeist zu bekämpfen“, propagierten die Satzungen der katholischen Verbände in Frankreich „den patriotischen Zusammenschluß und die christliche Orientierung der jungen Franzosen“. Systematisch wurde auf die Durchsetzung des französischen Offizierskorps mit fanatischen Katholiken hingearbeitet. Die Armee sollte im entscheidenden Augenblick, d. h. im Krieg, eine Auffangorganisation für die in den Laienschulen und –verbänden erzogene Jugend werden. Baudrillart sagt hierüber selbst:

„In der neuen Laufbahn, in die sie (d. h. die in Laienschulen und –verbänden erzogenen jungen Franzosen) eintraten, fanden sie als Führer Männer, die den patriotischen und den christlichen Glauben vereinigten, nicht nur die Priester und Ordensbrüder, die das neue Militärgesetz zur Armee gezogen hat, nicht nur diese bewunderungswürdigen Berufsoffiziere, die aus unseren großen Vorbereitungsschulen, so wie der Schule von Ste. Geneviève und dem Collège Stanislas, hervorgehen, sondern auch die jungen Leute der Gesellschaft und des Volkes, die den katholischen Verbänden angehörten. Die Führer dieser Verbände haben ihr Amt gewissenhaft erfüllt . . . Und in der Tat, sie (d. h. die Angehörigen der katholischen Jugendverbände) haben einen Kern gebildet, für den die Religion etwas ganz anderes ist als eine Gesamtheit von oberflächlichen Gebräuchen; sie ist in die Intimität ihres Lebens eingedrungen und hat sie zu Aposteln gemacht, sodaß diejenigen, die sich ihnen zuerst als Patrioten zugewandt hatten, merkten, daß sie es mit wirklichen Christen zu tun hatten.

Vom ersten Tage der Mobilisation an hat unsere Jugend ihre Überzeugung und ihre christliche Hoffnung kund gegeben, ihren Willen, der Sache der Kirche und zugleich der Sache Frankreichs zu dienen.“ [G. A. 223-224/194-195.]


[Lesen sie hier weiter, Anmerkung neuevolkswarte.wordpress.com]

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