[8] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Den vielen überaus mannigfaltigen Religionen des Altertums, von denen jede den Anspruch erhob, die einzig wahre, die allein seligmachende zu sein, reihten sich zu jener Zeit, als das kaiserliche Rom auf dem Gipfel seiner Macht stand, zwei weitere Glaubensbekenntnisse an: das Christentum und der Islam. Beide entsprangen dem Orient, dem Semitentum, und beide gewannen im Laufe der Zeit weite Verbreitung und viele Millionen von Anhängern.“,

„[…] begannen aber auch in diesem Klerus sich jene üblen Eigenschaften zu zeigen, die für das Priestertum fast aller religiösen Glaubensgemeinschaften bezeichnend sind: Rechthaberei und Herrschsucht. Auch die katholischen Priester hielten sich berufen, die gesamte übrige Menschheit dahin zu bekehren, daß ihr Glaube der allein rechte sei und daß vor ihm alle anderen Bekenntnisse und Sekten weichen müßten. Dieses Verlangen führte nicht nur zu schweren Konflikten mit den verschiedenen anderen christlichen Sekten, sondern auch mit den weltlichen Beherrschern des Römischen Reiches, die von jeher darauf bedacht waren, in ihrem weiten, von so vielen verschiedenartigen Völkerschaften bewohnten Reich den Geist der Duldsamkeit, vornehmlich in religiösen Fragen, aufrechtzuerhalten.“,

„Man ersieht daraus, daß schon vier Jahrhunderte nach Christi Geburt alle Vorbedingungen für die Ketzerverfolgungen des Mittelalters vorhanden waren. Schon damals kam es infolge so unerbittlich scharfer Verdammung aller Andersdenkenden zu wüsten Ausschreitungen. Wohl das abstoßendste Schauspiel dieser Art ereignete sich in Alexandria, wo im Jahre 415 der Patriarch Cyrillus den christlichen Pöbel zu brutalen Ausschreitungen gegen die noch am alten Götterglauben hängenden „Heiden“ wie gegen die in der Stadt ansässigen Anhänger anderer Sekten aufhetzte. Zu Tausenden wurden dieselben aus der Stadt vertrieben und ihre Tempel und Versammlungsorte zerstört und verbrannt. Vornehmlich richtete sich die Wut dieser Fanatiker auch gegen die in Alexandria seit sechshundert Jahren bestehende, weithin berühmte Philosophenschule. Die überaus reichhaltige Bibliothek und ein mit derselben verbundenes Museum wurden vernichtet. Die damalige Vorsteherin der Schule, die von allen hervorragenden Philosophen ihrer Zeitgefeierte Hypatia, eine der edelsten Frauengestalten des Altertums, wurde aus ihrem Wagen gerissen, in eine Kirche geschleppt und in rohester Weise erschlagen. Den Leichnam hackte man in Stücke und verbrannte dieselben auf dem öffentlichen Marktplatz zu Asche. —“,

„Wie die christlichen Priester zur Befriedigung ihrer Herrschsucht jede sich darbietende Gelegenheit ausnützten, so auch zur Befriedigung ihrer Habgier. Um die noch von tiefem Aberglauben umfangenen Großen des Reichs sowie die Mitglieder der Kirchengemeinden zu reichen Schenkungen und Vermächtnissen zu veranlassen, griffen sie auf die Vorstellungen der alten Ägypter und Perser zurück und beglückten die gläubige Menschheit mit der Lehre vom Fegefeuer.“,

„Zu allen Zeiten waren die Priester sich wohl bewußt, welch mächtigen Einfluß die Entfaltung von Pomp und Prunk auf empfängliche, sinnlich leicht erregbare Gemüter ausübt. Diese Beobachtung konnte auch den an den Höfen der prachtliebenden römischen Kaiser verkehrenden christlichen Bischöfen und Patriarchen nicht entgehen. Dementsprechend wurde die von den ersten Christengemeinden beobachtete Einfachheit der gottesdienstlichen Handlungen bald verlassen und die bisher gering geachtete, wohl gar verworfene Kunst in den Dienst der Kirche gestellt.“,

„In wie hohem Grade mögen solche in den heißen Ländern des Orients lebende Schmutzfinken durch ihre beispiellose Unsauberkeit zur Verbreitung sowohl von allerhand Ungeziefer wie jener fürchterlichen Seuchen beigetragen haben, die, von Osten her kommend, das mittelalterliche Europa so häufig heimsuchten und vom Priestertum als Strafe für Gottlosigkeit und ungenügende Opfer ausgelegt wurden. —“,

„Aus Ägypten und Palästina wurde das Mönchtum nach dem Abendlande übertragen.“

Ab hier geht es weiter mit dem Originaltext des Buches:


ZWEITES BUCH

Darwin, Die Entwicklung.

DAS ERSTE JAHRTAUSEND DES CHRISTENTUMS

Den vielen überaus mannigfaltigen Religionen des Altertums, von denen jede den Anspruch erhob, die einzig wahre, die allein seligmachende zu sein, reihten sich zu jener Zeit, als das kaiserliche Rom auf dem Gipfel seiner Macht stand, zwei weitere Glaubensbekenntnisse an: das Christentum und der Islam. Beide entsprangen dem Orient, dem Semitentum, und beide gewannen im Laufe der Zeit weite Verbreitung und viele Millionen von Anhängern.

Als Stifter des Christentums gilt Jesus, zweifellos die meist umstrittene Figur der Weltgeschichte. Von allen gläubigen Christen als der von einer Jungfrau geborene Sohn des jüdischen Gottes Jahve verehrt und gepriesen, wird sein Erdendasein von zahlreichen modernen Forschern geradezu bestritten. Er habe in Wirklichkeit nie gelebt, sondern sei gleich Moses, Homer, König Arthur und Wilhelm Teil lediglich als ein Produkt kritikloser Legendenbildung zu betrachten, deren Ursprung auf die Verehrung des ägyptischen Sonnengottes Osiris und der asiatischen Lichtgötter Krischna und Mithra zurückzuführen sei. Andere wieder wollen in Christus einen jener Wanderprediger erblicken, an denen die Länder des Orients von jeher so überaus reich waren. Auch hat es nicht an Bemühungen gefehlt, ihn mit verschiedenen geschichtlich beglaubigten Persönlichkeiten des Altertums zu identifizieren, wie z. B. dem aus Kappadozien stammenden Apollonius von Tyana, der im Jahre 2 vor unserer heutigen christlichen Zeitrechnung geboren wurde und viele Länder des Orients, vor allem Indien besuchte, um dort die Geheimnisse der Magie und Zauberkünste zu erlernen. —

Es gehört nicht zu den Aufgaben dieses Buches, in diese oft mit größter Schärfe geführten Streitfragen einzugehen. Tatsache ist es, daß alle christlichen Völker mit dem Erscheinen Jesu ihre Zeitrechnung beginnen. Ferner, daß sein Handeln, so wie es in den verschiedenen Büchern des Neuen Testaments geschildert ist, in schroffem Gegensatz zu jener Selbstsucht und Machtgier stand, welche die hervorstechendsten Züge der Schamanen, wie auch der Priester des Altertums bildeten. Dem Neuen Testament zufolge wäre auch der Gedanke an ein Priesterreich, an einen irdischen Gottesstaat von Jesus schroff abgelehnt worden, und zwar mit den Worten: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ —

Wie aber die Bücher des Neuen Testaments in ihren Mitteilungen über das Leben Jesu keineswegs allenthalben übereinstimmen, so ist es ebenso eine Tatsache, daß schon während der ersten beiden Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung auch eine jede der vielen verschiedenen christlichen Sekten und Sektchen, die sowohl in den Ländern des Orients wie des Abendlandes entstanden waren, sich ein anderes Bild von dem angeblichen Stifter des Christentums geschaffen hatte, und daß jede dieser Sekten von den in ihrem Dienst stehenden Priestern bei der Behandlung des Lebens Jesu die Anwendung ihrer eigenen Auffassung verlangte.

Wie die Person Christi, so ist auch der Ursprung der ersten christlichen Gemeinden mit Legenden aller Art umwoben. Das griechische Wort „Chrestus“ oder „Krestus“ bedeutete ursprünglich etwas „Besonderes“, „Ausgezeichnetes“, „Angenehmes“. In diesem Sinne wurde es nicht nur auf manche Gottheiten und Personen angewendet, sondern auch von verschiedenen religiösen Sekten angenommen, deren Mitglieder sich für besondere, bessere Menschen hielten. So nannten sich beispielsweise in Ägypten die Verehrer des Gottes Serapis „Christians“; ebendaselbst wurde auch Osiris „Chrestos“ = der „gütige Gott“ genannt.

Nach den Acta Apostolorum XI, 26 wäre die Bezeichnung „Christen“ auch von einer in Antiochien entstandenen Sekte angenommen worden, deren Mitglieder sich als Brüder betrachteten, die sowohl in ihren Rechten wie in ihren Pflichten einander gleichstanden. Daß das Ur-Christentum ebensowenig wie heute eine einheitliche Glaubensgemeinschaft bildete, wird klar, wenn wir nur einige der wichtigsten Sekten nennen, die während der ersten Jahrhunderte der heutigen Zeitrechnung bestanden. Da waren zunächst die Galiläer oder Nazarener, die nicht nur an allen mosaischen Gesetzen, sondern auch an der Beschneidung festhielten. Neben ihnen bestanden die Ebioniten, die sich mit diesem Namen als die in Entsagung und Armut lebenden frommen Christen bezeichnen wollten. Die Gottheit Christi leugnend, verehrten sie ihn bloß als einen Menschen, der bei seiner Taufe mit göttlichen Kräften ausgestattet worden sei und als Messias wiederkommen werde, um ein neues irdisches Reich aufzurichten. Da waren ferner die Gnostiker, die sich in einen aus orientalischen und hellenischen Anschauungen zusammengesetzten Philosophenmantel hüllten, sich als die „Erkennenden“ betrachteten und wissensstolz auf die Menge der „unwissenden Gläubigen“ herabblickten. Ihren Anschauungen zufolge habe der Gegensatz zwischen Gut und Böse, zwischen einem Reich des Lichtes, des Geistes und einem Reich der Finsternis, der Materie, von Ewigkeit her bestanden. Die Menschen, aus Geist und Materie zusammengesetzt, seien teils dem Reich der Finsternis verfallen, teils aber Geistesmenschen und daher erlösungsfähig. Zu diesen Letzteren komme einer der obersten Geister des Lichtreiches, Christus, um ihnen zu verkündigen, daß sie vom Reich des Lichtes herstammen und zu demselben zurückkehren könnten. Diejenigen, welche sich durch diesen Christus auf dem Wege der Entsagung und geistigen Einkehr führen ließen, würden aus der Materie zum Lichtkreis emporsteigen, wogegen die anderen mit der ganzen Materie zuletzt in das wesenlose Nichts zurückfallen müßten. —

Da waren ferner die Montanisten, wilde überspannte Schwarmgeister, die sich neuer Offenbarungen rühmten und ihren Namen von dem Phrygier Montanus entlehnten, der sich selber als der von Gott gesendete Tröster (Johannes 14, 26) ausgab und die Heiligkeit des Lebens in der Kirche durch strenge aszetische Gebote, Fasten und Ringen nach der Ehre des Martyriums sofort verwirklichen wollte. Weiter wären zu nennen die Manichäer, eine Sekte, die von einem im Mithradienst und im gnostischen Christentum emporgewachsenen persischen Magier namens Mani gegründet wurde in der Absicht, Parsismus und Christentum in einer Weltreligion zu vereinen. Neben dem Glauben an einen Gott und sein Lichtreich betonten die Manichäer auch den Glauben an ein ebenfalls ewiges, aber bösartiges Wesen, aus dessen Macht der in einem Lichtkörper aus der Sonne herabgestiegene Christus die Seelen der Gläubigen befreien werde, um sie ins Lichtreich zurückzuführen. Da waren ferner noch die Doketisten, Sabellianer, Modalisten, Patripassianer, Novatianer, Meletianer, Donatisten und andere mehr.

In die mannigfachen Glaubensanschauungen dieser verschiedenen christlichen Sekten einzugehen, würde zu weit führen. Dagegen ist die Tatsache festzustellen, daß jede dieser Sekten vermeinte, den allein wahren Glauben zu besitzen und daß die Mitglieder aller anderen Sekten „Häretiker“, das heißt Anhänger von Irrlehren seien und deshalb rücksichtslos bekämpft werden müßten. —

Aus diesen vielartigen Sekten heraus erwuchs durch den Gedankenaustausch führender Männer, wie Irenäus, Tertullian, Origenes u. a. allmählich eine Theologie, die das Gemeinsame in den verschiedenen Anschauungen in eine feste Formel zu fassen suchte, die allen rechtgläubigen Christen als ein geheimes Erkennungsmittel dienen könne. So entstand schließlich das „Apostolische Symbolum“, das einmütige Glaubensbekenntnis einer allgemeinen katholischen Kirche, in der allein die Wahrheit und das Heil zu finden sei, eine Auffassung, die bereits im Jahre 250 durch Cyprian, den Bischof von Karthago, in dem Satz: „Extra ecclesiam nulla salus!“ „Außerhalb der Kirche kein Heil!“ zum Ausdruck gebracht war.

Die älteste, wohl auf Tertullian zurückzuführende Form des Glaubensbekenntnisses hatte folgenden Wortlaut: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unseren Herrn, geboren vom Heiligen Geist und der Jungfrau Maria; gekreuziget unter Pontius Pilatus; begraben und am dritten Tage auferstanden von den Toten; aufgefahren gen Himmel; sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Und ich glaube an den Heiligen Geist, an die Heilige Kirche, an die Vergebung der Sünden und an die Auferstehung des Fleisches.“ —

Dieses Bekenntnis wurde nur mündlich überliefert und mußte von allen Anhängern der katholischen Kirche geheimgehalten werden. Es wurde von allen gefordert, die sich taufen lassen wollten. Deshalb ging ein längerer Unterricht für die Katechumenen der Taufe stets voraus. Desgleichen entsagte der Täufling dem heidnischen Leben, den heidnischen Göttern und dem Satan. Auch hatte er sich einer Beschwörung zu unterwerfen, durch welche der dem Ungetauften innewohnende böse Geist vertrieben und dem Heiligen Geist gleichsam Raum geschafft werden sollte. „Fahre aus, du unreiner Geist, und gib Raum dem Heiligen Geiste!“, so befahlen die Exorzisten, die im katholischen Klerus der ersten Jahrhunderte eine eigene Klasse bildeten. Die Taufe geschah darauf in der Regel durch dreimaliges Untertauchen; bei Kranken begnügte man sich jedoch auch mit dreimaliger Besprengung. Mit der Taufe verband sich die Salbung mit Öl und die Handauflegung. —

Zur Ausübung ihrer gottesdienstlichen Handlungen fanden die Anhänger dieser katholischen Glaubensgemeinschaft sich anfänglich in den Wohnungen solcher Mitglieder zusammen, die für derartige Zwecke geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnten. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Eintracht wurden allgemein geachtete Mitglieder als „Presbyter“ oder „Älteste“ erwählt. Daneben kam die Bezeichnung „Episkopi“ oder „Vorsteher“ auf.

In der ersten Zeit konnten noch einfache Mitglieder der Gemeinden beim Gottesdienst das Wort ergreifen, sowohl in Rede wie in Gebet. Auch konnte jeder Christ in gültiger Weise die Taufe vollziehen und die Feier des Abendmahls leiten, denn noch galt die angeblich Jesu zugeschriebene Bestimmung: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“ Aber diese selbständige Beteiligung der Gemeindemitglieder wurde mehr und mehr durch die Presbyter und Episkopi zurückgedrängt, welche anfingen, sich als die berufenen Vorsteher der Kirchengemeinden zu betrachten und als solche die ausschließliche Leitung der gottesdienstlichen Handlungen übernahmen.

Als später mehrere beieinanderliegende Gemeinden sich unter die Leitung eines Episkopus oder „Bischofs“ stellten, steigerte sich auch das Ansehen dieser Vorsteher, und die Gemeinden gewöhnten sich daran, in denselben zugleich ihre geistlichen Berater und Oberherren zu sehen. Natürlich trugen die Bischöfe selbst dazu bei, ihre Gemeinden zu der Anschauung zu erziehen, daß sie nicht bloß Vorsteher der Gemeinde, sondern in erster Linie auch Vertreter Gottes seien, der ihnen zur Ausübung ihres Amtes die nötige Befähigung verleihe. So kam es, daß sich im Lauf der Zeit aus den Presbytern und Episkopi ein organisiertes Priestertum entwickelte, dessen Angehörige sich als Vermittler zwischen Gott und den Menschen betrachten ließen und einen besonderen Stand, den „Klerus„, bildeten, im Gegensatz zu den Laien oder dem Volke.

Mit dieser Scheidung begannen aber auch in diesem Klerus sich jene üblen Eigenschaften zu zeigen, die für das Priestertum fast aller religiösen Glaubensgemeinschaften bezeichnend sind: Rechthaberei und Herrschsucht. Auch die katholischen Priester hielten sich berufen, die gesamte übrige Menschheit dahin zu bekehren, daß ihr Glaube der allein rechte sei und daß vor ihm alle anderen Bekenntnisse und Sekten weichen müßten. Dieses Verlangen führte nicht nur zu schweren Konflikten mit den verschiedenen anderen christlichen Sekten, sondern auch mit den weltlichen Beherrschern des Römischen Reiches, die von jeher darauf bedacht waren, in ihrem weiten, von so vielen verschiedenartigen Völkerschaften bewohnten Reich den Geist der Duldsamkeit, vornehmlich in religiösen Fragen, aufrechtzuerhalten.

Gibbon in seinem Werk „Decline and Fall of the Roman Empire“ sowie J. B. Bury, Geschichtsprofessor an den Universitäten Oxford und Cambridge, haben dargelegt (der letzte in seinem meisterhaften Werk „A History of Freedom of Thought“ [Neuyork und London, 1913]), daß gerade die dem Judentum entsprungenen christlichen Sekten in ihrer feindseligen Ablehnung aller anderen religiösen Anschauungen und Gebräuche das Judentum noch weit übertroffen hätten und daß infolgedessen die römischen Kaiser sich wiederholt genötigt sahen, an die Christen scharfe Ermahnungen ergehen zu lassen. Ein im Jahre 311 für die östlichen Provinzen des Reiches bestimmter Erlaß besagte, daß es der besondere Wunsch der Regierung sei, jene Christen, die sich verleiten ließen, von dem Glauben und den religiösen Zeremonien ihrer jüdischen Vorfahren abzufallen und dabei auch alle älteren Anschauungen und Bräuche zu verachten, auf den Weg der Vernunft und Natur zurückzuführen. Manche dieser Christen hätten sich sowohl wegen ihrer törichten Ansichten und übertriebenen Forderungen, wie auch wegen ihres Zusammenschlusses zu besonderen Vereinigungen oder Sekten mancherlei Ungelegenheiten und Verfolgungen ausgesetzt. Ja, manche, die in ihrer gottlosen Torheit verharrten, seien infolgedessen getötet worden. Nichtsdestoweniger sei man gesonnen, auch diesen Christen gegenüber die gewohnte Nachsicht walten zu lassen. Man erlaube ihnen deshalb, an ihren privaten Meinungen festzuhalten und ohne Furcht vor Bedrückungen an ihren Versammlungsorten zusammenzukommen, unter der Voraussetzung jedoch, daß auch sie die schuldige Achtung vor der Regierung und den bestehenden Gesetzen bewahren würden. —

Die in diesen Erlassen gerügte Unduldsamkeit der christlichen Sekten widereinander und gegen Andersgläubige verstärkte sich aber im Lauf der Zeit, je mehr es ihren Bischöfen gelang, auf die jeweiligen Beherrscher des Römischen Reiches Einfluß zu gewinnen. Schon bald nachdem der von seiner zur Christin gewordenen Mutter Helena stark beeinflußte Kaiser Konstantin sich im Jahre 337 hatte taufen lassen, forderten Christen die Vollziehung der alttestamentlichen Strafgerichte gegen Götzendienst. Die Tempel, in denen man bisher Jupiter und den anderen Göttern Griechenlands und Roms geopfert hatte, wurden auf ihr Verlangen geschlossen. Nur in Rom selbst wurde diesen altväterischen Gottheiten eine der Majestät des römischen Volkes zugestandene Freistätte gelassen. —

Zur Besprechung gemeinsamer Angelegenheiten und zur Auslegung der oft streitigen Aussprüche und Lehren Jesu versammelten die Bischöfe bestimmter Bezirke sich mit anderen Abgeordneten der Gemeinden wenigstens einmal jährlich in sogenannten Provinzialsynoden. Allmählich wußten aber die Bischöfe die Gemeindeabgeordneten von diesen Versammlungen auszuscheiden, so daß schließlich die Gemeinden auf solchen Synoden nur noch durch die Bischöfe vertreten waren. Eine weitere mächtige Steigerung des Ansehens dieser Bischöfe erfolgte, als der Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhob. Er ließ sich dabei von dem Wunsche leiten, daß das ganze Römische Reich durch eine gemeinsame Religion enger verbunden werden möge.

Fortan betrachteten die römischen Kaiser sich sowohl als Beschützer der christlichen Kirche, wie auch als deren Oberhäupter mit dem Titel Pontifices maximi. Als solche ordneten sie nicht nur nach ihrem Gutdünken die Kirchensynoden an, sondern präsidierten in denselben auch durch einen Kommissarius oder Bevollmächtigten. Die Beschlüsse solcher Synoden wurden von den Kaisern bestätigt. Diese waren es auch, welche neuerwählten Bischöfen die Investitur erteilten, die Befugnis, ihr Amt antreten und ausüben zu dürfen.

Als Zeichen ihrer Würde empfingen die Bischöfe bei dieser Feierlichkeit aus der Hand des Herrschers oder seines Vertreters einen Ring als Symbol der engen Verbindung des Bischofs mit der Gemeinde, ferner einen Hirtenstab als Symbol seiner Würde und Fürsorge über die Gemeinde. Da mit der Investitur auch die Belehnung mit den innerhalb der Provinz gelegenen Kirchengütern und ihren Einkünften verbunden war, so mußten die Bischöfe den Kaiser als obersten Lehnsherren anerkennen und ihm den Lehnseid leisten.

Als Konstantin die Geistlichen von allen Abgaben befreite, sogar einen Teil der Staatseinkünfte zu ihrem Unterhalt bestimmte und ihnen obendrein gestattete, Schenkungen und Vermächtnisse anzunehmen, da ward der Kaiser vom Priestertum als ein wahrer „Gnadenborn“ gefeiert und gepriesen.

Im Lauf der Zeit zeigte es sich aber, daß infolge solcher Vergünstigungen die Herrschsucht und Habgier der christlichen Priester sich zu steigern begannen. Schon im Jahre 341 wurde auf der in Antiochien abgehaltenen Synode allen Geistlichen geringen Grades von den Bischöfen verboten, sich in kirchlichen Angelegenheiten ohne bischöfliche Erlaubnis an den Kaiser zuwenden. Wenig später maßten sich die in den Hauptstädten der Provinzen residierenden Bischöfe auch eine Oberhoheit über die Bischöfe der kleineren Städte an und ließen sich „Metropoliten“ nennen. Von diesen wiederwarfen sich einige Metropoliten zu geistlichen Oberherren ganzer Ländergebiete auf und nahmen den Titel „Patriarchen“ an. Zur Zeit des Kaisers Theodosius II. gab es deren fünf. Ihre Sitze waren Konstantinopel, Antiochien, Jerusalem, Alexandria und Rom. Da Rom als Hauptstadt der damaligen Welt galt, so konnte es nicht ausbleiben, daß die dortigen Patriarchen bald mit der Prätension hervortraten, sämtliche Priester und Fürsten der Christenheit unter ihre besondere Oberhoheit zu bringen. Sie suchten diese Ansprüche damit zu begründen, daß Petrus, der von Jesus zum obersten der Apostel gemacht worden sei, später Bischof in Rom gewesen wäre, weshalb seine Nachfolger als die „allein wahren Statthalter Gottes“ betrachtet werden müßten.

Investitur eines Bischofs durch den Kaiser. Nach einer Malerei in einem Kodex des X. Jahrhunderts

Investitur eines Bischofs durch den Kaiser.

Nach einer Malerei in einem Kodex des X. Jahrhunderts.

So wenig erbaulich diese mit grimmiger Erbitterung geführten Kämpfe zwischen den um die Oberherrschaft ringenden Kirchenfürsten verliefen, so wenig erbaulich wirkten auch die endlosen theologischen Zänkereien, die sich auf den Reichssynoden, den sogenannten Konzilien, abspielten. Diese Konzilien sollten hauptsächlich dazu dienen, Klarheit über die von der Kirche anzunehmenden Lehren, über die Gestaltung des Gottesdienstes und andere die gesamte Christenheit betreffenden Angelegenheiten herbeizuführen. Das erste dieser Konzilien, auf denen nur die Bischöfe Sitz und Stimme hatten, wurde im Jahre 325 vom Kaiser Konstantin nach der in Kleinasien gelegenen Stadt Nizäa einberufen und vom Kaiser Konstantin persönlich eröffnet. Über 300 Bischöfe hatten sich eingestellt. Wie wenig klar dieselben sich aber noch über die Person Jesu, des angeblichen Stifters der christlichen Kirche, waren, zeigten die scharfen Redeschlachten, die über die ihm anzuweisende Stellung entbrannten. Arius von Alexandria hatte die Lehre aufgestellt, Gott allein sei der unerzeugte ewige Urgrund des Weltalls. Sein Sohn hingegen sei von Gott gezeugt und erschaffen worden. Es habe demnach eine Zeit gegeben, wo er noch nicht vorhanden war. Deshalb sei er auch nicht ewig gleich dem Vater, sondern ein durch den Willen, das Wesen des Vaters entstandenes Geschöpf und darum dem Vater nicht wahrhaft gleich, sondern untergeordnet, obwohl er Gott zu nennen und als solcher anzubeten sei. Seinem Wesen nach sei der Sohn veränderlich, vom Vater vollständig verschieden und mit göttlicher Würde nur ausgezeichnet worden, weil der Vater von Anfang an vorausgesehen habe, daß er gut bleiben werde.

Wegen dieser Ansichten war Arius schon im Jahre 321 seines Amtes in Alexandria entsetzt und aus der dortigen Kirchengemeinschaft ausgestoßen worden. Da aber viele Bischöfe für ihn Partei ergriffen, so kam es in Nizäa über das Wesen Jesu zu äußerst heftigen Debatten. Als hauptsächlichster Gegner der Auffassung des Arius verfocht der gleichfalls aus Alexandria stammende Athanasius die volle Gottheit Christi. Der Streit drehte sich schließlich um die Frage, ob Jesus dem Gottvater als „wesensgleich“ (griechisch: homousios) oder als „wesensähnlich“ (homoiusios) anzusehen sei. Durch Ausmerzung des Buchstabens i vor dem usios wurde endlich bestimmt, daß Jesus seinem Vater wesensgleich sei. Er sei aus dem Wesen des Vaters hervorgegangen, sei Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte und demnach Gott gleich. —

Eine notwendige Folge dieser Zwistigkeiten war die Frage, wie es mit dem „Heiligen Geist“ zu halten sei. Manche der Kirchenväter hielten denselben für eine Gott zwar gleichstehende, doch ihm untergeordnete Persönlichkeit, für ein Einzelwesen; andere dachten sich ihn als eine besondere Gottheit; wieder andere betrachteten ihn als eine von Gott ausgehende Wirkung, die von Ewigkeit her durch den Willen Gottes bestanden habe. Daneben gab es auch manche, die aus Scheu vor der Heiligen Schrift gar keine Meinung zu äußern wagten oder aus Furcht vor dem Kaiser mit ihrem Urteil klug zurückhielten.

Infolgedessen gelangte man auf dem Konzil zu Nizäa betreffs des Heiligen Geistes noch nicht zu einer endgültigen Entscheidung. Seinetwegen kam es auch noch auf dem 56 Jahre später, Anno 381, in Konstantinopel abgehaltenen zweiten Konzil zu einem gewaltigen Krach, als der Bischof Macedonius meinte, daß der Heilige Geist nicht Gott, gleich dem Sohn sei, daher auch nicht „Herr“ genannt oder göttlich verehrt werden dürfe, sondern ein Geschöpf und Diener des Vaters sei. Dagegen bestimmte das Konzil nach langwierigen Streitereien, der Heilige Geist sei lebendigmachend vom Vater ausgegangen, darum Herr und ebenso wie der Vater anzubeten und zu verehren.

Die Heilige Dreifaltigkeit. Teil eines Holzschnittes aus Wernherus, Liber deflorationum vom Jahre 1494

Die Heilige Dreifaltigkeit.

Teil eines Holzschnittes aus „Wernherus, Liber deflorationum“ vom Jahre 1494.

Die Benennung „Gott“ und das Prädikat der Wesensgleichheit mit Vater und Sohn wagte selbst dieses Konzil dem Geiste noch nicht zu geben; doch wurde beides schon damals als rechtgläubige Meinung betrachtet. Ihren vorläufigen Abschluß erhielt die orthodoxe Lehre vom Heiligen Geist im Abendlande durch den von Augustinus ausgesprochenen Satz, daß der Heilige Geist nicht bloß von Gott, sondern auch vom Sohne ausgehe. Dieses Ausgehen dachte man sich als ein Aushauchen von Seiten des Vaters und des Sohnes (spiratio activa), im Gegensatz zu der Zeugung des Sohnes durch den Vater.

Auf diese Weise wurde der Streit um das große Mysterium des Christentums, die Lehre von der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit, einstweilen beigelegt. Da man sich über die „Person“ des Heiligen Geistes doch nicht ganz klar werden konnte, so wurde diese Person auf bildlichen Darstellungen neben den Figuren Gottvaters und des Sohnes vielfach als eine weiße vom Himmel herabschwebende Taube verkörpert. Oder man stellte die Dreieinigkeit in drei nebeneinandersitzenden, vollkommen gleichsehenden Personen dar. Mitunter aber auch als eine einzige Figur, die mit drei Gesichtern ausgestattet ist[Abbildungen derartiger Wandgemälde in frühmittelalterlichen Kirchen finden sich in dem von A. N. Didron veröffentlichten Werk „Iconographie Chrétienne“ (1843), p. 565—604. Ferner in G. G. Goultons „Five Centuries of Religion“ (1923), p. 47-49.].

Auch über die Stellung, die man Maria, der Mutter Jesu, anweisen solle, entspannen sich endlose Streitigkeiten, zumal als Nestorius, der Patriarch von Konstantinopel, die Ansicht äußerte, daß man die Jungfrau Maria nur „Christusgebärerin“, nicht „Gottesgebärerin“ nennen dürfe. Er wollte damit die menschliche Natur in Christo gewahrt wissen. Cyrillus, Bischof in Alexandrien, betonte dagegen, daß die menschliche Natur und die göttliche Natur in Christo so ineinandergemischt seien, daß man sie gar nicht unterscheiden könne und daß die menschliche Natur von der göttlichen Natur gleichsam ganz verschlungen sei. Diese Ansicht wurde von Eutyches, einem Abt in Konstantinopel, noch überboten, indem er Christum gar mit einem Leib höherer Art geboren sein ließ. Eine vorläufige Entscheidung wurde durch einen Brief des Bischofs Leo von Rom herbeigeführt, dementsprechend das Konzil zu Chalzedon im Jahre 451 festsetzte, daß in Christo zwei Naturen unvermischt und ungeändert, aber auch ungeteilt und ungetrennt enthalten seien. Maria wurde darauf der Name „Mutter Gottes“ oder „Gottesgebärerin“ beigelegt, weil in diesem Begriff liege, daß Maria den Gottmenschen nicht nur gebar, sondern auch als solchen empfing; denn die Mutterschaft setzte ein mit der Empfängnis. Nur so sei die Mutterschaft zugleich Muttergottesschaft geworden. Von da ab fing man auch an, die ewige Jungfrauschaft der Maria als Glaubenslehre zu verfechten und diejenigen als Widersacher der „Heiligen Jungfrau“ zu verdammen, welche Maria als wirkliche Ehefrau Josephs betrachteten. So wurde Helvidius von seinem Kollegen Hieronymus mit maßloser Heftigkeit angegriffen und als ein verruchter Ketzer gescholten, als er die Ansicht auszusprechen wagte, daß Maria, nachdem sie Jesu das Leben gegeben, Joseph noch weitere Kinder habe gebären können.

Im weiteren Lauf der Jahrhunderte wurde Maria an die Spitze aller Engelscharen und Heiligen gestellt. Sie galt als die Himmelskönigin, deren Fürbitte von allen erfleht wurde, die sich bedrängten Herzens an den Gottvater oder seinen Sohn wenden wollten. —

Von welch unduldsamem Geist die bereits erwähnten Konzilien beherrscht wurden, zeigt die Tatsache, daß viele der nach Klarheit und Wahrheit strebenden Teilnehmer von ihren Brüdern in Christo wegen ihrer angeblichen Irrlehren verdammt und verbannt wurden. Ein solches Schicksal traf in erster Linie Arius aus Alexandrien. Während man seine Schriften den Flammen übergab, wurde er selber nach Illyrien verbannt. Athanasius, nachmals Bischof von Alexandria, mußte nicht weniger als fünfmal in die Verbannung gehen. Da man seine scharfe Dialektik fürchtete, sandte man ihn nach Trier, an die äußerste Grenze des damaligen Römischen Reiches. Manche andere, wie Nestorius, Diodor, Theodoret und Ibas wurden gleichfalls als ehrlose, fluchwürdige Ketzer verdammt. Nestor starb in einer Oase der Wüste Afrikas, wohin man ihn wegen seiner falschen Ansichten über die Gottesgebärerin verbannt hatte. Honorius von Rom wurde noch als verabscheuungswerter Ketzer gebrandmarkt, obwohl er schon längst im Grabe ruhte.

Da viele Anhänger der verbannten Kirchenväter trotzdem an ihren Lehren zäh festhielten und dieselben hartnäckig verteidigten, so kam es gar bald zu verschiedenen neuen Sektenbildungen, von denen besonders die Arianer, Athanasianer und Nestorianer weite Verbreitung fanden. Diese Sektierer bekämpften einander auf das heftigste ebensosehr mit angeblichen Beweisen aus der Heiligen Schrift, der Tradition und Dialektik, als mit Hofintrigen und wirklichen Waffen. Und wo es sich gar um Anhänger der alten griechischen und römischen Gottheiten handelte, verfuhren sie mit einem Fanatismus, der vor Tempelschändung und rohestem Blutvergießen keineswegs zurückschreckte.

All diese unerquicklichen Zustände veranlaßten den später zum Heiligen erhobenen Hilarius von Tours, an den Kaiser folgende Klage zu richten: „Wir haben gegenwärtig ebenso viele verschiedene Glaubensbekenntnisse als Meinungen, weil wir solche Bekenntnisse ebenso willkürlich aufstellen, wie wir sie ebenso willkürlichen Schiedssprüchen unterwerfen. Der ,Homoiusios‘ wird bald abgelehnt, bald wieder angenommen, worauf von einer der folgenden Synoden die Frage abermals aufgenommen und erörtert wird, ob zwischen dem Gott-Vater und seinem Sohn nur eine teilweise oder eine völlige Wesensähnlichkeit bestehe. Schon allein diese Frage ist Gegenstand endloser Streitigkeiten in diesen unglücklichen Zeiten. In jedem Jahr, nein, in jedem Monat erfinden wir neue Glaubensbekenntnisse und neue unbegreifliche Mysterien. Wir bereuen, was wir soeben getan haben, und verteidigen, was wir soeben bereuten. Wir verdammen jene, welche wir kurz vorher in Schutz nahmen; wir verurteilen die Meinungen anderer, obwohl die gleichen Meinungen in uns selber leben; und wir bekämpfen unsere eigenen Anschauungen, sobald wir sie bei anderen finden. Kurz, wir reißen einander gegenseitig in Stücke und verursachen dadurch unser aller Unheil!“ —

Von welch grauenhaftem Haß manche dieser angeblichen Verkündiger der christlichen Liebe erfüllt waren, zeigt die Tatsache, daß, als im Jahre 336 der Kaiser Konstantin dem Bischof von Konstantinopel befohlen hatte, den aus der Verbannung zurückgekehrten Arius zum Abendmahl zuzulassen, dieser von seinen Gegnern vergiftet wurde. Die Wirkungen des ihm beigebrachten Giftes äußerten sich in wahrhaft entsetzlicher Weise, als Arius in feierlichem Geleite sich auf dem Wege vom kaiserlichen Palast zur Apostelkirche befand. Während die Gegner des Unglücklichen seinen Tod als ein gerechtes Gottesurteil erklärten, verdammten seine Anhänger das Ereignis als einen vorsätzlichen, niederträchtigen Mord. Infolgedessen kam es zwischen den beiden Parteien wiederholt zu blutigen Kämpfen. In einem derselben, wo es sich gleichzeitig um den Besitz der großen Kirche von Konstantinopel handelte, sollen 3150 Christen ihr Leben verloren haben. Bei einem anderen, inmitten der Kirche ausgefochtenen Streit wäre, dem Bericht eines zeitgenössischen Schriftstellers zufolge, das Blut gleich einem Bach aus dem Gotteshause in den es umgebenden Hof hinausgeflossen[Joseph McCabe, „The Evolution of Christian Doctrine“.].

Derartige Ausschreitungen gegen Andersgläubige, ja auch gegen alle in ihren Anschauungen von der „wahren katholischen Kirche“ irgendwie abweichenden christlichen Sekten wiederholten sich mit erschreckender Häufigkeit, als der von der katholischen Kirche so hoch gepriesene, später sogar unter die Heiligen versetzte Augustinus im Anfang des 5. Jahrhunderts durch seine „Lehre vom Gottesstaat“ („De civitate Dei“) den Geist der Unduldsamkeit ungemein verschärfte. Er war es, der durch eine ganz verkehrte Auslegung der im Evangelium Lucae (14, 23) enthaltenen und Christus zugeschriebenen Worte: „Zwingt sie hereinzukommen!“ die Ketzerverfolgungen theoretisch begründete und sie damit zur schauerlichen Praxis der katholischen Kirche machte.

Augustinus, im Jahre 354 in Tagaste bei Karthago geboren, war bis zum Eintritt in sein Mannesalter ein Wüstling gewesen. Später schloß er sich der bereits erwähnten Sekte der Manichäer an, wurde dann ein Zweifler, schließlich aber fanatisch katholisch. In der ersten Zeit nach seinem Übertritt zur Orthodoxie war er, wohl in Erinnerung an seine eigenen Irrfahrten, für Milde und Nachsicht für Andersgläubige gewesen, auch weil durch Schreckensmaßregeln nur Heuchler erzeugt würden. Später aber behauptete er, eines Besseren belehrt worden zu sein; denn große Mengen von Heuchlern und Ungläubigen seien infolge solcher Strafdrohungen mit der Zeit doch zu wirklichen Christen geworden, und zwar durch allmähliche Gewöhnung und das beständige Anhören der Wahrheit. Deshalb fand er auch bald die Bestrafung, ja, die Hinrichtung von andersgläubigen Sektierern nicht nur zulässig, sondern sogar gerecht und zweckmäßig. Man dürfe kein Bedauern darüber empfinden, daß dadurch Tausende umkämen, da das Bewußtsein, noch weit mehr Tausende durch Rückführung zum allein rechten katholischen Glauben gerettet zu haben, einen viel größeren Trost gewähre. Den Vorwurf der Grausamkeit wies Augustin mit der Erklärung zurück, daß es ein weit grausameres Verbrechen sei, Ketzer für ewig zugrunde gehen zu lassen, als zu versuchen, durch scharfe Maßregeln ihr Heil herbeizuführen. Es sei daher vollkommen am Platze, daß solche Ketzer oder Irrgläubige, die nicht gerettet werden könnten und für andere ein Hindernis zum Erreichen ihres Heils bildeten, dem Flammentod und der Hölle überliefert würden. Auch der durch eine Leibesstrafe aus einem Saulus zum wahren Christen gewordene Paulus habe gelehrt, daß man bereit sein müsse, alle Ungehorsamen und Widerspenstigen zu strafen. (2. Kor. 10, 6.) Ferner sei durch Christi Beispiel bewiesen, daß es niemandem freistehe, nach seinem Gutdünken zu glauben oder nicht zu glauben, sondern daß die Kirche das Recht habe, Irrgläubige mit Strafen zu schrecken und zu züchtigen. Habe doch auch Gott, der die Menschen liebe, die ersten Sünder, Adam und Eva, mit Verbannung bestraft, ferner die Rebellen gegen die Priester des Alten Bundes, die Rotte Korah, von der Erde verschlingen lassen. Als man Augustin entgegenhielt, es sei in der Bibel kein Beispiel zu finden, daß die Könige der Erde von Gott aufgefordert worden seien, Strafgesetze zum Schutz der Kirche zu erlassen, erwiderte er, es sei damals die Zeit gewesen, wo der erste Vers des zweiten Psalmes gegolten habe: „Warum toben die Heiden“ usw.; seitdem aber die Kaiser christlich geworden seien, sei ein Hinweis auf die Verse 9 und 10 des gleichen Psalmes am Platz: „Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, und wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen. Werdet weise, ihr Könige!“ Pflicht der Könige sei es demnach, nicht bloß Diebstahl und Mord, sondern auch alles, was gegen den wahren Glauben und die Kirche verübt werde, zu bestrafen. Auch Christus habe durch den Apostel geboten, daß keine Spaltungen stattfinden sollten.

Zur weiteren Rechtfertigung seiner Ansichten stellte Augustin den Satz auf: „die Ketzerei und das Leben außerhalb der katholischen Kirche seien ein Verbrechen!“ Daß Augustin mit dieser Meinung keineswegs allein stand, ergibt sich aus einem Ausspruch des Arcadius, der im Jahre 395 den Begriff der Ketzerei mit den Worten definierte: „Als Ketzer sind alle diejenigen zu betrachten und den gegen Ketzer erlassenen Strafgesetzen zu überantworten, welche auch nur in einem geringen Punkt von den Satzungen der katholischen Kirche abweichend befunden werden!“ —

Man ersieht daraus, daß schon vier Jahrhunderte nach Christi Geburt alle Vorbedingungen für die Ketzerverfolgungen des Mittelalters vorhanden waren. Schon damals kam es infolge so unerbittlich scharfer Verdammung aller Andersdenkenden zu wüsten Ausschreitungen. Wohl das abstoßendste Schauspiel dieser Art ereignete sich in Alexandria, wo im Jahre 415 der Patriarch Cyrillus den christlichen Pöbel zu brutalen Ausschreitungen gegen die noch am alten Götterglauben hängenden „Heiden“ wie gegen die in der Stadt ansässigen Anhänger anderer Sekten aufhetzte. Zu Tausenden wurden dieselben aus der Stadt vertrieben und ihre Tempel und Versammlungsorte zerstört und verbrannt. Vornehmlich richtete sich die Wut dieser Fanatiker auch gegen die in Alexandria seit sechshundert Jahren bestehende, weithin berühmte Philosophenschule. Die überaus reichhaltige Bibliothek und ein mit derselben verbundenes Museum wurden vernichtet. Die damalige Vorsteherin der Schule, die von allen hervorragenden Philosophen ihrer Zeitgefeierte Hypatia, eine der edelsten Frauengestalten des Altertums, wurde aus ihrem Wagen gerissen, in eine Kirche geschleppt und in rohester Weise erschlagen. Den Leichnam hackte man in Stücke und verbrannte dieselben auf dem öffentlichen Marktplatz zu Asche. —

Augustin war es auch, der die schon von Paulus und Origenes angedeutete Lehre von der Erbsünde und der Vorbestimmung oder Prädestination aufstellte und durchsetzte. Er behauptete, daß seit dem Sündenfall Adams die Menschen nicht mehr in der ursprünglichen vollkommenen Reinheit geboren würden, sondern daß jeder von Adam her die Erbsünde als eine unendliche Schuld mit sich trage; denn in Adam habe die ganze Menschheit gesündigt, da zwischen ihm und allen von ihm abstammenden Geschlechtern der innigste Zusammenhang bestehe. Obwohl der Mensch auch als Sünder nicht aufhöre, ein Geschöpf Gottes zu sein, so werde er von der Sünde doch in so hohem Grade beherrscht, daß er aus eigner Kraft unfähig zu wahrhaft Gutem sei. Aber Gott in seinem unerforschlichen, den Menschen verborgenen Ratschluß erwähle durch die Kirche manche Menschen, mache sie zu Empfängern seiner Gnade und führe sie zu ihrem Heil, zur ewigen Seligkeit. Andere hingegen überlasse er bei gleicher Schuld dem Verderben, dem ewigen Tode, der Verdammnis. Durch diese Vorausbestimmung wolle Gott an den einen seine Güte und Barmherzigkeit, an den anderen seine Gerechtigkeit offenbaren. —

Führte die Erörterung solcher Meinungen und Ansichten immer wieder zu unerquicklichen, häufig in förmliche Prügeleien und brutale Gewalttätigkeiten ausartenden Streitereien, so wollte auch der Zank zwischen den Patriarchen von Konstantinopel und Rom für mehrere Jahrhunderte nicht zur Ruhe kommen. Es kam schließlich zu einem förmlichen Bruch zwischen den beiden Parteien, als die Patriarchen zu Rom, um ihren Ansprüchen auf die Oberhoheit über die gesamte christliche Kirche eine historische Begründung zu verleihen, eine Sammlung von etwa einhundert gefälschten Briefen und Urkunden verbreiteten, die von den allerersten Bischöfen Roms herrühren sollten. Nach diesen sog. „Pseudo-Isidorischen Dekretalien“[Die Urheberschaft dieser gefälschten Schriftstücke wurde irrtümlich dem berühmten Bischof Isidor von Sevilla zugeschrieben, der im Jahre 636 starb. Die Echtheit dieser Dokumente, auf welche die Päpste sich zur Begründung ihrer Ansprüche stets beriefen, wurde zuerst im 15. Jahrhundert von dem in Cus an der Mosel geborenen Kardinal Nikolaus Cusanus in Zweifel gezogen. Seitdem sind sie Gegenstand vieler Untersuchungen gewesen. Wie Professor Dr. Heinrich Wolf in seinem Werk „Weltgeschichte der Lüge“ (Leipzig 1922) hervorhebt, muß selbst die ultramontane Geschichtsschreibung die Fälschung zugeben. In neuester Zeit hatten aber die Ultramontanen sich zu der Behauptung verstiegen: Selbst unechten Dokumenten, wie den Pseudo-Isidorischen Dekretalen komme übernatürliche Beweiskraft zu, sobald sie einmal von der Kirche angenommen worden seien.] hatten angeblich die frühesten römischen Bischöfe bereits alle Oberherrschaftsrechte des späteren Papsttums. So wäre z. B. bestimmt worden:

Die Fülle der Macht in allen Glaubenssachen und kirchlichen Angelegenheiten stehe dem Bischof von Rom allein zu. Er solle der Bischof der ganzen universalen Kirche sein; alle anderen Bischöfe wären nur seine dienenden Gehilfen; und jede Synode bedürfe der Genehmigung und Bestätigung des Bischofs in Rom, dessen Entscheidung bis zum Ende von jedem Einwand eines Irrtums unberührt bleibe.“ —

Unter diesen Dekretalen befindet sich auch eine gefälschte, angeblich vom Kaiser Konstantin vollzogene Urkunde, durch die er den Nachfolgern des ersten christlichen Bischofs in Rom, des Apostels Petrus, das ganze abendländische Reich sowie dessen Hauptstadt zugesichert habe. Obwohl die Apostelgeschichte von einem Aufenthalt des Petrus in Rom nichts zu melden weiß, das Verdienst, die christliche Gemeinde in Rom gestiftet zu haben, vielmehr Paulus zukommt, so betonten und behaupteten doch die Patriarchen Roms ihre Ansprüche auf die Oberleitung der gesamten christlichen Kirche mit solcher Hartnäckigkeit, daß die anfänglich von allen Seiten, namentlich auch von den Metropoliten und Patriarchen anderer Länder erhobenen heftigen Widersprüche allmählich erlahmten und endlich verstummten.

Nur die in Konstantinopel, der Hauptstadt des Oströmischen Reiches, sitzenden Patriarchen weigerten sich auf das entschiedenste, die Ansprüche ihrer Kollegen in Rom anzuerkennen. Sich als vollkommen gleichberechtigt mit denselben betrachtend, versagten sie denselben nicht nur Gehorsam, sondern beschuldigten sie auch des wissentlichen Betrugs, der Verfälschung des Glaubens und der Ketzerei und sprachen im Jahre 867 auf einem Konzil den Bann und die Absetzung über die römischen Patriarchen aus. Diese zahlten in gleicher Münze heim, indem sie über die Patriarchen in Konstantinopel gleichfalls den Bannfluch schleuderten und ihre Absetzung verfügten. Der Streit zog sich über mehrere Jahrhunderte hin und führte schließlich zu einer völligen, heute noch bestehenden Trennung in eine morgenländische oder griechisch-katholische Kirche mit dem Sitz in Konstantinopel und eine abendländische oder römisch-katholische Kirche mit dem Sitz in Rom. Um ihrem Anspruch auf die Oberhoheit in allen kirchlichen Angelegenheiten der Christenheit einen weiteren Ausdruck zu verleihen, ließen die Patriarchen Roms sich fortan Papa, „Vater“ nennen.

In ihrem Verhältnis zu den weltlichen Herrschern strebten die Päpste Roms vorsichtigerweise für längere Zeit keine wesentlichen Änderungen an. Erwiesen die auf ihr Seelenheil bedachten Herrscher sich doch nach wie vor als „Gnadenborne“, die mit dem Verleihen wichtiger Privilegien und reicher Stiftungen keineswegs kargten. Deshalb ließen die Päpste es vor der Hand auch ruhig geschehen, daß die Herrscher die Reichssynoden einberiefen, deren Beschlüsse bestätigten und den neuerwählten Bischöfen die Investitur erteilten. —

Wie die christlichen Priester zur Befriedigung ihrer Herrschsucht jede sich darbietende Gelegenheit ausnützten, so auch zur Befriedigung ihrer Habgier. Um die noch von tiefem Aberglauben umfangenen Großen des Reichs sowie die Mitglieder der Kirchengemeinden zu reichen Schenkungen und Vermächtnissen zu veranlassen, griffen sie auf die Vorstellungen der alten Ägypter und Perser zurück und beglückten die gläubige Menschheit mit der Lehre vom Fegefeuer.

Die Vorstellung von einem Ort, wo die Seelen der Menschen vor ihrem Eingang in das jenseitige Paradies einem Läuterungsprozeß unterworfen würden, war schon den alten Persern eigen. Zoroaster hatte eine Wanderung der Seelen durch zwölf Stufen hindurch angenommen, ehe sie vollständig gereinigt seien. Auch Plato hatte gelehrt, daß die Seelen so lange an einem dunklen Ort zurückgehalten würden, bis sie völlig makellos geworden seien. Die Ausbildung der eigentlichen Fegefeuerlehre geschah aber erst durch den Papst Gregor I., der in der Geschichte der römischen Kirche als „der Große“ figuriert. Er saß auf dem päpstlichen Stuhl von 590—604.

Hatten die Parsen sich den Läuterungsprozeß der Seelen nur geistig gedacht, so gestaltete Gregor denselben nunmehr zu einem wirklichen „Reinigungsfeuer„, zu einem „ignis purgatorius“, durch das jede Seele für kürzere oder längere Zeit hindurchgehen müsse, um unbefleckt zum ewigen Leben zu gelangen. Gleichzeitig entwickelte Gregor aber auch den Gedanken, daß die Dauer und die schmerzlichen Zustände dieses Reinigungsprozesses abgekürzt und gemildert werden könnten, und zwar sowohl durch Gebete oder Messen wie durch Opfer, die von den Hinterbliebenen im Namen der Abgeschiedenen darzubringen seien. Da die Messen von den Priestern gelesen werden und von den Hinterbliebenen der Verstorbenen bezahlt werden müssen, so wurden die sogenannten „Seelenmessen“ für die Priester eine ständig fließende Quelle unendlich reicher Einnahmen. Und obendrein für die gesamte Priesterschaft, die Hierarchie, ein weiteres Mittel zur Hebung ihrer Macht. Denn durch diese im kirchlichen Kultus eintretende Neuerung wurde auch die Kirche selbst in ihrem Wesen eine andere. An die Stelle des die Menschen befreienden Erlösers setzte sich nunmehr die Priesterschaft, welche das Opfer Christi täglich neu vollbringt. In den Augen der Gemeinde trat von nun an nicht mehr Christus, sondern der Priester als Vermittler des ewigen Heils in den Vordergrund.—

Zum unerschöpflichen Quell des Reichtums wurden, seitdem Kaiser Konstantin im Jahre 321 die volle Freiheit des „Letzten Willens“ zum Besten der Kirche genehmigt hatte, auch die Vermächtnisse. Von nun an stellten die Priester sich der Vermächtnisse wegen so regelmäßig an Krankenlagern und Sterbebetten ein, daß bald niemand mehr zu sterben wagte, ohne der Kirche ein Legat vermacht zu haben. Diese Erbschleicherei wurde bald so schamlos betrieben, daß sie zu einem förmlichen Ärgernis wurde und die Kaiser Gratian und Valentian sich veranlaßt sahen, derselben durch scharfe Gesetze Einhalt zu tun. —

Aber nicht alle Herrscher waren energisch genug, derart das Priestertum in gewissen Schranken zu halten. Die meisten Kaiser, denen die Bischöfe mit allerhand Schreckbildern vom Fegefeuer und der Hölle zu Leibe rückten, waren schwach genug, um zu dem immer anmaßender werdenden Treiben der Priester und ihrem Streben nach Machterweiterung zu schweigen. Und so besteht die Lehre vom Fegefeuer noch heute und dient dem katholischen Priestertum als eines der hauptsächlichsten Mittel, die gläubige Menschheit von ihren Ersparnissen und irdischen Gütern zu befreien.

Um die ihrer Obhut sich anvertrauenden Gläubigen auch für alle anderen Ansprüche und Forderungen der Kirche gefügig zu machen, hatten die christlichen Priester natürlich auch den uralten, in fast allen orientalischen Bekenntnissen zu findenden Glauben an jenen Ort übernommen, wo Zweifler, Ungläubige und Gottesleugner ihre ewigen Strafen empfangen. Die jüdische „Gehenna“ wurde zur christlichen „Hölle„, zum Schreckensreich des Satanas, des Fürsten der Finsternis, der von dort in tausendfachen Verkleidungen ausgehe, um die Menschen zur Sünde zu verführen. Wie in einem späteren Abschnitt dargelegt werden soll, empfingen die Hölle wie auch der Glaube an Satan, den Teufel, ihre volle Ausbildung allerdings erst durch die Päpste und die in ihrem Solde stehenden Poeten und Maler des Mittelalters. —

Noch eine andere der absoluten geistigen Knebelung aller Mitglieder der Kirche dienende Zwangsmaßregel wurde aus dem Judentum übernommen: der Kirchenbann, die Ausschließung aus der kirchlichen Gemeinschaft. Eine solche war schon im altjüdischen Gesetz als Strafe für Vergehen gegen die mosaischen Gebote vorgebildet. In den Händen der christlichen Kirchenväter und Päpste erlangte der Bann eine furchtbare Bedeutung. Man erfand zwei Grade desselben, den kleinen Bann (Excommunicatio minor) und dengroßen Bann (Excommunicatio major oder Anathema). Der erste schloß bloß die Teilnahme an den Sakramenten aus; der letzte hingegen verstieß den Gebannten ganz aus der Gemeinschaft der Gläubigen. Daß die Bischöfe, Patriarchen und Päpste der ersten Jahrhunderte solche Bannflüche sogar wider ihre Amtsbrüder erließen, um ihrem Mißfallen über diese oder jene nichtzusagende Handlung oder Glaubensformel Ausdruck zu verleihen, wurde bereits erwähnt. Daß dieser Bann den Päpsten des Mittelalters aber auch als Mittel diente, um sogar den Willen der stolzesten weltlichen Herrscher zu beugen, werden wir in späteren Kapiteln erfahren.

* * *

Zu allen Zeiten waren die Priester sich wohl bewußt, welch mächtigen Einfluß die Entfaltung von Pomp und Prunk auf empfängliche, sinnlich leicht erregbare Gemüter ausübt. Diese Beobachtung konnte auch den an den Höfen der prachtliebenden römischen Kaiser verkehrenden christlichen Bischöfen und Patriarchen nicht entgehen. Dementsprechend wurde die von den ersten Christengemeinden beobachtete Einfachheit der gottesdienstlichen Handlungen bald verlassen und die bisher gering geachtete, wohl gar verworfene Kunst in den Dienst der Kirche gestellt.

Um die Stimmung der Andächtigen zu erhöhen, ließen die Priester die Wände der in Kreuzform erbauten Basiliken oder Gotteshäuser mit Gemälden und Mosaikbildern schmücken, die das Leben Jesu verherrlichten. Die Lichtöffnungen wurden mit bunten Glasfenstern versehen, welche die Gestalten der zwölf Apostel oder solcher Heiligen zeigten, die für ihren Glauben gestorben waren. Zum Lob der Höchsten, der Dreieinigkeit, wurde der Kirchengesang eingeführt. Zum Ausüben der gottesdienstlichen Handlungen vertauschten die Priester ihre ursprünglich äußerst einfach gehaltenen Gewänder mit immer prächtiger werdenden Ornaten. Und um sich auch außerhalb der Kirche vom gewöhnlichen Volk, den Laien zu unterscheiden, folgten sie dem von den ägyptischen Isis-Priestern gegebenen Beispiel, ließen das Haupthaar abscheren (Tonsura) und nur einen schmalen Kranz von Haaren (Korona) stehen.

Die Entwicklung des päpstlichen Ornats. I

Die Entwicklung des päpstlichen Ornats. I.

Obere Reihe: Fig. 1. Vorsteher der Gemeinde in Rom, 1. Jahrh.; Fig. 2. Papst im 4. Jahrh.; Fig. 3. Papst im 5. Jahrh.

Untere Reihe; Fig. 4. Papst im 6. Jahrh.; Fig. 5. Papst im 9. Jahrh.; Fig. 6. Papst im 11. Jahrh.

Auch manche, seit uralten Zeiten in den Tempeln Assyriens, Ägyptens, Palästinas, Griechenlands und Roms gebräuchlichen Einrichtungen wurden übernommen. Der dort zum Vertreiben böser Geister wie zum guten Vollbringen von allerhand Wundertaten stets reichlich verwendete Weihrauch begann zu dem gleichen Zweck auch in den christlichen Gotteshäusern emporzuwallen. Das in den Heiligtümern der jungfräulichen Göttin Vesta beständig unterhaltene Herdfeuer wurde zu dem noch heute in jeder katholischen Kirche brennenden „ewigen Licht“. Zur Berufung der Gemeinde wie zur Abwehr von Gewitter und Hagelschlag erklang das Geläute der Glocken. Als Grabgeläute sollte es auch die den Körpern entwichenen Seelen vor den Anschlägen des Satans bewahren. Dem gleichen Zweck dienten die geweihten Kerzen, die von den Gläubigen im Innern der Gotteshäuser vor den Altären angezündet wurden und vor denen sie Gebete für das Seelenheil ihrer abgeschiedenen Angehörigen verrichten. Uralt orientalischen Ursprungs ist auch der sogenannte „Rosenkranz“ (Rosarium), jene auf eine Schnur gezogene Reihe Perlen, deren die Anhänger der römischen Kirche sich noch heute bedienen, um eine bestimmte Anzahl von „Vaterunser“ oder „Ave-Marias“ zu beten. Auch die bei den alten Indern und Ägyptern gebräuchlichen Umzüge mit den Bildern oder den Symbolen der Gottheiten wurden durch die Priester in das Christentum eingeführt und zu eindrucksvollen Schaustellungen gemacht, die mit Aufwand großer Pracht verbunden waren. Derartige „Prozessionen“ fanden und finden noch heute in allen katholischen Gegenden an den Festtagen der Kirche und den Jahresfesten bestimmter Heiligen statt.

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Um die Zwecke der Kirche zu fördern, begannen die Leiter derselben sich auch schon sehr frühzeitig der Frauen zu bedienen, deren natürlicher Hang zum Wunderbaren, Phantastischen den Priestern aller Religionen ja von jeher eines der hauptsächlichsten Mittel zur Befestigung und Erweiterung ihrer Macht gewesen ist. Die farbenreiche, die Sinne berückende Pracht des Gottesdienstes, sowie die große Rolle, welche angebliche von Maria, von Heiligen und Märtyrern verrichtete Wundertaten in der christlichen Kirche zu spielen begannen, verfehlten nicht, auf die weiblichen Mitglieder dieser Kirche einzuwirken und sie zu eifriger Mitarbeit zu entflammen. Die findigen Priester ließen es sich dann angelegen sein, solche Helferinnen geschickt zu leiten. Waren es gar Fürstentöchter, so wurde ihre Vermählung mit heidnischen oder ketzerischen Machthabern herbeigeführt, um diese durch ihre Frauen für den christlichen Glauben zu gewinnen. Denn wenn es gelang, einen Herzog oder König zu bekehren, so war damit die Bekehrung eines ganzen Stammes oder Volkes angebahnt. Die Geschichte der Westgoten in Gallien und Spanien, der Ostgoten in Italien, der Burgunder und Franken enthält genug solcher Beispiele. Es sei hier nur an Chlodwig, den König der salischen Franken (481-511) erinnert, der durch Chlotilde, die Tochter des Burgunderkönigs Chilperich, eine glühende Katholikin, für die Kirche Roms gewonnen wurde. Seine Bekehrung ist von der Kirche einem direkten Eingreifen Christi zugeschrieben worden. Denn als die von Chlodwig gegen die Alemannen geführte Schlacht bei Zülpich (496) sich in eine Niederlage zu verwandeln drohte, habe er in höchster Not und im Grimm, daß seine alten Götter ihn im Stiche ließen, des Gottes seiner Chlotilde gedacht und laut ausgerufen: „Jesus Christus, Du Gott meiner Chlotilde, meine Götter haben mich verlassen. Schenkst du mir den Sieg, so will ich an Dich glauben und mich taufen lassen!“ Darauf habe er sich aufs neue gegen die Feinde geworfen, worauf das Waffenglück sich gewendet und die drohende Niederlage in einen glänzenden Sieg verwandelt habe.

Die am Weihnachtsfest desselben Jahres in Reims erfolgte Taufe des Königs und vieler seiner Anhänger wurde mit außerordentlichem Glanz vollzogen. Das Gotteshaus war so hergerichtet, daß der heidnische Täufling und seine in weiße Gewänder gekleideten Begleiter, darunter 364 Edelinge, meinten, in eine neue Welt voll Zauber und Wunder einzutreten. In zahllosen Lichtern erstrahlte das Innere des mit farbigen Tüchern und Teppichen geschmückten Doms. Es dampften die Weihrauchpfannen und erfüllten das weite Gotteshaus mit wohlriechendem Duft. Die in langen Wanderzügen und manchen Schlachten verwilderten Heiden sahen sich empfangen von einer überwältigenden Musik, von Priestern mit würdevollen Gebärden und frommen Gesichtern und gekleidet in reiche, fremdartig kostbare Gewänder. Diese Priester erhoben funkelnde Gefäße mit verborgenem Inhalt, redeten in fremder, den Heiden unverständlicher Sprache allerhand Gebete und geheimnisvolle Sprüche; kurz, alles war vereinigt, um die Sinne zu packen und die Täuflinge mit heiliger Scheu zu erfüllen. Inmitten solcher Umgebung wurden Chlodwig, seine Begleiter und an die 3000 freie Franken getauft und mit dem Zeichen des Kreuzes gesegnet. Und weil Chlodwig im Gegensatz zu anderen, der „arianischen Ketzerei“ anhängenden Königen der einzige „rechtgläubige“ König in der Christenheit war, so empfing er vom römischen Papst auch einen Ehrenbeinamen, er wurde „der allerchristlichste König“ genannt, ein Titel, welcher von da an auf alle Beherrscher des Frankenlandes überging.

Mit der Taufe Chlodwigs hielt das römische Christentum seinen Einzug unter den deutschen Stämmen. Denn dem Taufakt folgte alsbald auch ein Vertrag zwischen dem König und den Vertretern der rechtgläubigen Kirche zum Schutz der beiderseitigen Interessen. Während Chlodwig der Kirche eine Sonderstellung im Staat einräumte und ihr großen Landbesitz bewilligte, versprach Rom, alle christlich gewordenen Franken im unbedingten Gehorsam gegen die nunmehr geweihte, heilige Person des Königs zu erziehen, wodurch jede Gefahr einer Auflehnung seitens der Untertanen vermindert oder gar ganz abgewendet werde. Ferner sagten die Bischöfe ihm zu, dahin wirken zu wollen, daß die Untertanen der arianisch-christlichen Herrscher der benachbarten Länder von denselben abfallen und ihm die Tore ihrer Städte und die Pässe der Gebirge öffnen sollten. „Denn so oft Du auf dem Schlachtfelde siegst, so oft siegt auch die Kirche mit Dir! Dein Sieg fördert auch uns und unseren allein wahren Glauben!“ — so schrieb der Bischof Avitus von Vienne an Chlodwig, indem er ihn gleichzeitig zum Kampf gegen die in Burgund sitzenden Anhänger des arianischen Christentums anreizte.

Wer die weiteren Eroberungszüge Chlodwigs verfolgt[In sehr eingehender Weise wurden dieselben in Zimmermanns „Deutscher Geschichte“ (I, 257—274) geschildert.], wird erkennen, wie er von Rom zur Bekämpfung dieses „arianischen Ketzertums“ benützt wurde, und wie weder er noch seine Gattin Clothilde von den Bischöfen für irgendeine der von ihnen begangenen Mordtaten gerügt wurden, da dadurch ja auch die Ziele der Kirche gefördert wurden. —

Hatte Rom beim Untergang des burgundischen wie auch des thüringischen Reiches seine Hand im Spiele, so auch bei der Zerstörung des von den Vandalen in Nordafrika gegründeten Königtums, dessen Inhaber gleichfalls Arianer waren. Desgleichen wurde der Langobarden-König Autharis aus dem Wege geräumt, weil bei ihm, einem Arianer, die Sendlinge Roms keinen Fuß zu fassen vermochten. Weil er dem Bekehrungseifer der katholischen Priester Schranken setzte und verboten hatte, Langobardensöhne im katholischen Glauben am Osterfest zu taufen, ward er vom Papst Gregor I. in einem an alle Bischöfe Italiens übermittelten Sendschreiben „der verfluchteste Authari“ genannt, und als er bald darauf an ihm beigebrachten Gift starb, verkündigte der Papst, „der Tod Autharis sei die göttliche Strafe für seine Verschuldung.“ —

Gleich darauf eröffnete Gregor mit der Witwe Autharis, der dem „rechten Glauben“ zugetanen Theolinde einen innigen Verkehr und wußte in ihr einen so frommen Eifer zu entzünden, daß sie nicht eher ruhte, bis ihr zweiter arianischer Gemahl Agilulf, und mit ihm viele Langobarden, den katholischen Glauben annahmen.

Der Einfluß der stets berechnenden römischen Päpste zeigte sich auch bei der Hochzeit Theolindes mit Agilulf. Bis dahin hatte kein Langobardenkönig eine Krone getragen. Nunmehr wurde aber Agilulf mit einer von seiner Gattin gestifteten goldenen Krone gekrönt, der die Umschrift gegeben war: „Agilulf, von Gottes Gnaden König von Italien.“ Was diese Krone besonders auszeichnen sollte, war ein sie innen zusammenhaltender eiserner Ring, der angeblich aus einem bei der Kreuzigung Christi verwendeten Nagel verfertigt war. Nach diesem Ring wurde die Krone fortan auch „die eiserne“ genannt und spielte als solche eine bedeutsame Rolle. So schmuggelte damals die kirchliche Politik den Begriff des „Gottesgnadentums der Herrscher“ auch unter die Langobarden ein. Das Arianertum verschwand sehr bald unter denselben, denn schon unter dem König Grimoald (663—671) trat die Gesamtheit des Volkes zum Katholizismus über. —

Der Papst Gregor I., der von 590—604 den Stuhl Petri bekleidete und dem die katholische Kirche später den Beinamen „der Große“ verlieh, ist auch als der eigentliche Begründer der unabhängigen weltlichen Herrschaft des Papsttums zu betrachten. Schon die Kirchenväter Crysostomus und Ambrosius hatten in priesterlichem Hochmut erklärt, daß der geistliche Stand sich im Gegensatz zum Volk wie die Seele zum Leib, oder wie Gold zum Blei verhalte. Und Augustinus hatte aus dem Satz, daß Himmlisches mehr sei als Irdisches, abgeleitet, daß das Priestertum höher sei als Königtum und darum über ihm stehe. Damit waren alle Vorbedingungen für die Bildung einer besonderen, nicht nur hoch über allem Volke, sondern auch über allen weltlichen Herrschern stehenden Priesterkaste gegeben. Die Priester betrachteten sich infolge der Ordination, der Weihung, welcher magische Kraft beigelegt wurde, gleichsam als halbgöttliche Wesen, die nicht von weltlichen Richtern gerichtet werden dürften, sondern nur den Oberhäuptern der Kirche verantwortlich seien.

Alle diese Anschauungen fanden in dem Papst Gregor I. einen Vertreter, für den die Mehrung des Reiches Christi nichts anderes war, als die Mehrung und Befestigung der weltlichen und geistlichen Herrschaft des Papsttums. Seine Auffassung des Christentums war eine der bürgerlichen wie der geistigen Freiheit durchaus feindliche. Jede Art von Wissenschaft, ausgenommen die, welche der päpstlichen Kasse Geld einbrachte, verachtend, dachte er sogar daran, die seit Jahrhunderten in Rom bestehende Bibliothek, die größte Sammlung an wissenschaftlichen Werken des Altertums, zu verbrennen. An dieser Freveltat wurde er aber glücklicherweise durch den Tod verhindert. Dagegen blieb seine Politik maßgebend für das Papsttum überhaupt. Dasselbe sollte nicht nur zum politischen Mittelpunkt Italiens, sondern der ganzen Welt werden. Aber schon während Gregor sich mit solchen Gedanken trug, war in Arabien ein Mann erstanden, welcher der alsbaldigen Ausführung dieser Pläne die schwersten Hindernisse in den Weg legte, ja, sie für lange Zeit ganz in Frage zu stellen drohte: Mohammed.

DIE ANFÄNGE DES CHRISTLICHEN MÖNCHTUMS

Vergegenwärtigt man sich, daß die Sekte der Christen auf orientalischem Boden entstand, so kann es nicht überraschen, daß sich in ihr auch manche jener Absonderlichkeiten zeigten, an denen das religiöse Leben des Orients von jeher so außerordentlich reich war und noch ist. Die bei allen Asketen orientalischer Bekenntnisse bestehende Sucht, in den Geruch der Heiligkeit zu kommen, bemächtigte sich auch vieler Anhänger des Christentums, ja, sie artete während der ersten Jahrhunderte zu einer förmlichen Epidemie aus.

Um sich unbeirrt von dem sinnlichen und sündigen Treiben der Welt allerhand selbstbeschaulichen Betrachtungen hingeben zu können und vom göttlichen Geist anwehen zu lassen, verkrochen sich viele dieser angehenden Heiligen gleich den Asketen Tibets und Indiens in unterirdische Höhlen undverbrachten jahrelang in denselben. Andere suchten die Einsamkeit der Wüsten auf, wie z. B. der aus Theben stammende Paulus, der an die 90 Jahre in der Libyschen Wüste gehaust haben soll und im Jahre 340 von Antonius von Koma angeblich in betender Stellung tot aufgefunden wurde.

Diesem im Jahr 251 geborenen Antonius wird das Verdienst zugeschrieben, der eigentliche Begründer des „Monachismus“, des christlichen Mönchtums[Das Wort Mönch kommt von Monachus = Alleinlebender oder Einsiedler. Der spezifische Name ist Anachoret oder Eremit (von eremos = Ein-öde, Wüste). Sicher ist, daß Anachoreten- wie Mönchtum lange vor der Begründung des Christentums auch schon in Ägypten, Indien, Persien, Babylon und anderen Ländern des Orients bestanden.] gewesen zu sein. Der Entschluß, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen, sei ihm durch die von ihm buchstäblich aufgefaßten Worte Jesu zum reichen Jüngling gekommen: „Verkaufe was du hast!“ In der zwischen dem Niltal und dem Roten Meer gelegenen Einöde hausend, habe er sich unter unmenschlichen Selbstpeinigungen dem Gebet und der Beschaulichkeit hingegeben, bis in sein 105tes Jahr. Er habe als ein wahrer Wundermensch gegolten und durch sein Beispiel veranlaßt, daß Tausende, welche fürchteten, inmitten der verderbten Welt kein Seelenheil erlangen zu können, sich zu einer gleichen Lebensweise entschlossen.

Von Pachomius, einem Jünger des Antonius, wird berichtet, daß er auf der im Nil gelegenen Insel Tabennä eine größere Zahl von Einsiedlern zu einem heiligen Zusammenleben vereinigt habe. Diese Einsiedler lebten aber nicht unter einem Dache, sondern jeder in seiner eigenen Hütte. Diese Hütten bildeten lange Gassen, weshalb die ersten Mönchsansiedlungen „Laurai“ = „Gassen“ hießen. Erst später wurden solche Mönchsvereinigungen auch in gemeinsamen größeren Gebäuden oder Klöstern (von claustrum = ein geschlossener Raum) angelegt. An der Spitze solcher Vereinigungen stand ein Abbas oder „Vater“, der den Klosterbrüdern auch eine von allen zu beachtende Regel vorschrieb. Das Gemeinsame der Insassen war unbedingter Gehorsam gegen den Abbas oder Abt, Aufgebung alles eigenen Willens und Besitztums, Ertötung der Sinnlichkeit und Hingabe für Gott und göttliche Dinge. Die Beschäftigung bestand aus frommen Übungen und leichten Handarbeiten. Pachomius soll auch das erste Nonnenkloster errichtet haben, in dem seine Schwester Äbtissin wurde.

Durch den Asketen Hilarion wurde das Mönchtum nach Palästina übertragen, wo bald ganze Ansiedlungen solcher männlichen und weiblichen Weltflüchtlinge entstanden, von denen einer den anderen an schwärmerischen Übertreibungen und Selbstquälereien zu übertreffen suchte. Manchen gelang das so vollkommen, daß uns beim Lesen der in ihren Lebensbeschreibungen gegebenen Schilderungen die Haut schaudert. Einige dieser Heiligen ließen sich bei der größten Hitze bis an den Hals in den glühenden Sand graben; noch andere in Pelze einnähen, so daß nur ein Loch zum Atmen frei blieb. Ein besonders fanatisierter Schwärmer hieb sich einen steinernen Paletot aus dem Felsen heraus und trug denselben, wie eine Schnecke ihr Haus, beständig mit sich herum. Sehr viele behängten sich mit schweren eisernen Ketten und Gewichten; so soll der heilige Eusebius beständig zweihundertsechzig Pfund Eisen an seinem Körper getragen haben. St. Macarius setzte sich (zur Abtötung des Wollustteufels) in einen Ameisenhaufen. St. Bernhard, derselbe Schwärmer, der die Seele des zweiten Kreuzzuges war, jener großartigen Narrheit, die Millionen Menschen das Leben kostete, quälte seinen Körper auf grauenhafte Weise, indem er nur Buchenblätter und das elendeste Gerstenbrot aß. Genoß er einmal zur Stärkung seines total ruinierten Magens etwas Mehlbrei mit Öl und Honig, dann weinte er bitterlich über diese Schwachheit. Der heilige Franz von Assissi, ursprünglich ein verdorbener Kaufmann namens Johannes Berardoni aus Assissi, wälzte sich nackt auf Dornen und stieg bis an den Hals in gefrierende Teiche. Die Katherina von Kardone wohnte in einer Höhle, trug ein Kleid von Ginster, mit Dornen und Eisendraht durchflochten, fraß Gras wie ein Tier, ohne sich der Hände zu bedienen, und fastete einmal 40 Tage lang. Eine Anzahl Nonnen der heiligen Therese schliefen auf Dornen oder im Schnee, tranken aus Spucknäpfen, aßen tote Mäuse, tranken Blut, tauchten ihr Brot in faule Eier und durchstachen sich die Zunge mit Nadeln, wenn sie das Schweigen gebrochen hatten. Die heilige Rosa von Lima schlief auf knotigem Holz und auf Glasscherben; als Nachttrunk nahm sie einen Schoppen Galle zu sich. Die heilige Passidea, eine Zisterziensernonne aus Siena, geißelte sich und wusch dann ihre Wunden mit Essig, Salz und Pfeffer; sie schlief auf Kirschkernen und Erbsen, trug ein Panzerhemd von sechzig Pfund Schwere und stieg gleichfalls in gefrierende Teiche. Ja, sie trieb den Unsinn so weit, daß sie sich eine Zeitlang, den Kopf nach unten, in einen rauchenden Schornstein hängte. Den Höhepunkt religiösen Wahnsinns erreichten wohl Thalaläus und Simeon, die es dadurch allerdings auch erzielten, daß sie gleichfalls unter die „Heiligen“ versetzt wurden. Der erstere nahm zwei Wagenräder und vereinigte diese mittelst schwerer Holzstücke zu einer Art von Faß, an dem nur der Raum zwischen den Speichen der Räder offen blieb. In diesen Behälter zwängte sich der wunderliche Heilige nunmehr derart ein, daß sein Kopf auf den Knien ruhte. In solch angenehmer Stellung hatte er bereits zehn volle Jahre zugebracht, als er von Theodoret, Bischof von Cyrus, gesehen und in dessen „Kirchengeschichte“ beschrieben wurde. —

Sein Gesinnungsgenosse Simeon war der Sohn eines ägyptischen Schafhirten. Gleichfalls von religiösem Eifer befallen, schnürte er im Anfangsstadium desselben seinen Leib mit einem Strick so fest zusammen, daß überall Wunden entstanden, die in so entsetzlich stinkende Geschwüre übergingen, daß niemand in seiner Nähe verweilen konnte. Infolgedessen untersagte ihm der Abt diese Art von Selbstpeinigung und ließ ihn reinigen. Aber kaum wiederhergestellt, ersann der zukünftige Heilige eine andere, noch seltsamere Art, um das Wohlgefallen Gottes zu erregen. Er erklomm eine hohe Säule und blieb auf deren Spitze jahrelang stehen. Nur von Zeit zu Zeit stieg er hernieder, um auf eine noch höhere Säule zu klettern. Die erste zu diesem Zwecke benützte Säule war nur vier Ellen hoch. Aber je höher Simeons Wahnsinn stieg, desto höher wurden auch seine Säulen. Als seine Tollheit den Gipfelpunkt erreicht hatte, soll die von ihm benützte Säule 4o Ellen hoch gewesen sein! Auf dieser stand er 3o Jahre! Als seine mausgemergelten Körper endlich die Kraft zum Stehen fehlte, ließ er auf der Säule einen Pfahl errichten und sich an denselben in aufrechter Stellung mit Ketten befestigen. Theodoret, der auch diesen christlichen Fakir beobachtete, versichert, daß derselbe in der Abtötung aller Bedürfnisse so weit gelangt sei, daß er nur einmal innerhalb 41 Tagen Nahrung zu sich genommen habe, ausgenommen das Abendmahl, das ihm an jedem achten Tage überreicht worden sei. Dabei habe er von Sonnenuntergang bis zum Morgengrauen gebetet und zwischendurch 1244 Kniebeugen gemacht! All diesen wunderbaren Leistungen verdankte Simeon einen Beinamen „Stylitos“ der „Säulenheilige“. —

Diese Säulentollheit fand viele Nachahmer, besonders im warmen Morgenlande. Im Abendlande ist nur ein Säulenheiliger bekannt, und die fromme Stadt Trier hat den Ruhm, daß er einer ihrer Söhne war. Der damalige Bischof war aber vernünftig genug, die Säule umzustürzen und den sonderbaren Heiligen zur Stadt hinausjagen zu lassen.

Wie sehr die christlichen Fakire mit ihrem krankhaften Ehrgeiz, als Heilige betrachtet zu werden, beim Volke reüssierten, lehrt gleichfalls die Geschichte. Manche Orte waren stolz auf ihren Besitz, denn von weit und breit kam das Volk, die Heiligen zu sehen. Kamen sie einmal in eine Stadt, so wurden sie im Triumph empfangen; zu Tausenden pilgerte das Volk barfuß und unter Glockenklang ihnen entgegen, um ihren Segen zu erbitten. Die ganze Gegend, in welcher ein besonders toller Einsiedler sein Wesen trieb, hielt sich für beglückt, und man hat Beispiele, daß diese Heiligen von den eifersüchtigen Bewohnern anderer Landschaften gleichsam wie die wilden Affen in Pechstiefeln eingefangen wurden. Salamanius aus Kapersana, einem Dorfe am Euphrat, hatte sich z. B. in ein Haus sperren lassen, welches weder Fenster noch Türen hatte. Einmal im Jahre öffnete er diesen Käfig, um die Lebensmittel in Empfang zu nehmen, welche ihm herbeigeschleppt wurden, wobei der heilige Mann aber mit niemandem redete. Die Bewohner seines Geburtsortes glaubten aber ein Anrecht auf diese „Blume der Heiligkeit“ zu haben und entführten ihn. Aber kaum hatten sie ihn einige Tage, als er ihnen wieder von den Bewohnern eines benachbarten Dorfes gestohlen wurde.

Was vielen solcher wunderlichen Heiligen während ihrer Selbstbetrachtungen gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint, war der Sinn für Reinlichkeit. Auf diese zu verzichten, gehörte ihrer Meinung nach zu jenen Selbstkasteiungen, die notwendig seien, um in den „Geruch der Heiligkeit“ zu gelangen. So preist St. Jerome den heiligen Hilarius, weil derselbe sein ganzes Leben in körperlichem Schmutz und Unrat verbracht habe. St. Athanasius rühmt dem St. Antonius nach, derselbe habe niemals seine Füße gewaschen. Als höchstes Verdienst des St. Abraham wird demselben angerechnet, daß innerhalb 50 Jahren weder seine Hände noch seine Füße jemals mit Wasser in Berührung gekommen seien. Die heilige Sylvia habe niemals irgendeinen Teil ihres Körpers gewaschen. Die heilige Euphrasia gehörte einem Kloster an, dessen Nonnen das Gelübde abgelegt hatten, für immer auf die Annehmlichkeiten des Badens zu verzichten. Die heilige Maria von Ägypten sei wegen ihrer körperlichen Unsauberkeit weithin berühmt gewesen. Und die Umgebung des Säulenheiligen Simeon habe sich durch einen geradezu unerträglichen Gestank ausgezeichnet[Wer das Verlangen hegen sollte, sich weiter in das Leben solcher „Heiligen“ zu vertiefen, sei auf folgende umfangreiche Werke verwiesen: Eusebius, „Ecclesiastical History“; John van Bolland, „Acta Sanctorum“, 63 Bände Folio (Antwerpen, Tangerloo und Brüssel 1643 — 1902); S. Baring-Gould, „The Lives of the Saints“, 16 Bände (Edinburg 1914); E. Cobham Brewer, „A Dictionary of Miracles“ (Philadelphia 1916); Andrew D. White, „AHistory of the Warfare of Science with Theology in Christendom“, II, 69(Newyork 1896).].

In wie hohem Grade mögen solche in den heißen Ländern des Orients lebende Schmutzfinken durch ihre beispiellose Unsauberkeit zur Verbreitung sowohl von allerhand Ungeziefer wie jener fürchterlichen Seuchen beigetragen haben, die, von Osten her kommend, das mittelalterliche Europa so häufig heimsuchten und vom Priestertum als Strafe für Gottlosigkeit und ungenügende Opfer ausgelegt wurden. —

Aus Ägypten und Palästina wurde das Mönchtum nach dem Abendlande übertragen. Hier war es Benediktus von Nursia, der in dem Drang, sich beschaulich in sein Inneres zu versenken, eine felsige Wildnis der Abruzzen aufsuchte, wo er, in Tierfelle gekleidet, in einer Höhle lebte, die man jetzt noch zeigt. Im Jahre 529 schritt er auf dem Monte Cassino zu einer regelrechten Klostergründung, deren Mönche ein dreifaches Gelübde ablegen mußten: das der Armut, der Keuschheit (d. i. Ehelosigkeit) und des Gehorsams. Der Ernst ihres Strebens sollte auch in einer besonderen Tracht, einer schwarzen Kutte, zum Ausdruck gebracht werden. Die Regel dieses Klosters wurde später von manchen anderen abendländischen Klöstern angenommen.

Von außerordentlicher Bedeutung für die Verbreitung des Christentums in den germanischen und skandinavischen Ländern wurde die im Jahre 432 erfolgte Gründung des in Irland gelegenen Klosters Bangor durch den Schotten Patrik. Einer Legende zufolge wäre dieser als Jüngling von Seeräubern dorthin geschleppt worden. Nach seiner Befreiung wäre er aber nach Irland zurückgekehrt, um unter dessen Bewohnern als Missionar tätig zu sein. Durch ihn wurde Irland jene „Insel der Heiligen“, von der aus das Christentum weite Verbreitung fand. Columban brachte es nach Schottland, wo er das Kloster Jona gründete. Columbans Schüler Gall, Pirmin und Fridolin wandten sich den Gebieten des Oberrheins zu, wo Gall das südlich vom Bodensee gelegene Kloster St. Gallen, Pirmin das Kloster Reichenau, Fridolin das auf einer Insel des Rheins gelegene Kloster Säckingen stifteten. Willibrord, gleichfalls ein Schüler Columbans, predigte unter den Friesen; Suidbert unter den Stämmen am Niederrhein. Kilian machte die fränkischen Maingegenden zum Schauplatz seines Bekehrungswerkes; Emmeran und Winfried unterwarfen die in Mitteldeutschland wohnenden Stämme dem Christentum. Winfried, besser unter seinem lateinisierten Namen Bonifatius bekannt, fand bei Geismar im Hessischen ein uraltes Heiligtum, in dessen Mitte eine gewaltige, dem germanischen Gott Donar geweihte Eiche stand. Um den Glauben der hier wohnenden Chatten, daß der Gott jeden in seinem Heiligtum begangenen Frevel sofort rächen werde, zu zerstören, ergriff Winfried eine Axt und führte eigenhändig heftige Schläge gegen den Baum, nicht eher ruhend, bis derselbe gefällt am Boden lag. Die aus jener Zeit stammenden Überlieferungen melden, daß damit die Chatten auch ihren alten Glauben fahren ließen und willig die Taufe angenommen hätten. Bald darauf unternahm Winfried eine Wallfahrt nach Rom, wo der damalige Papst Gregor II. ihn als ein treffliches Werkzeug zur Förderung des Christentums erkannte und ihn zum Legaten und Reichsbischof für ganz Deutschland erhob. In dieser Eigenschaft entwickelte Bonifatius eine außerordentlich rege Tätigkeit. Er gründete die Bistümer Würzburg, Erfurt, Eichstätt und Buraburg; ferner ordnete er die vier Kirchensprengel Salzburg, Passau, Freising und Regensburg. Wegen seiner vielen Verdienste wurde er im Jahre 745 zum Erzbischof von Mainz gemacht. Als solcher gründete er auch das Kloster Fulda, von wo er im Jahre 755 in Gemeinschaft mit 52 Genossen auszog, um unter den an den Küsten der Nordsee sitzenden Friesen das Bekehrungswerk zu vollenden. Anstatt dessen wurde er von diesen mitsamt seinen Begleitern erschlagen.

Johannes Scherr zeichnete in seinem hervorragenden Werk „Germania“ von Bonifatius das folgende zutreffende Bild: „Sittenstreng, hart und herb gegen sich und andere, herrisch und unduldsam, von der römischen Idee ganz und gar erfüllt, ohne eine Spur von Nationalsinn, ein Hierarch vom Scheitel bis zur Sohle, so war Bonifaz ohne Zweifel einer der bedeutendsten Menschen seiner Zeit. Er hat den Gedanken der Universalität des Katholizismus begriffen, hat sich zum fanatisch begeisterten Diener desselben gemacht, hat dafür gelebt und ist dafür gestorben. Er gründete und organisierte die römische Kirche in Deutschland, stiftete Klöster und Bistümer, ordnete das ganze Kirchenwesen im Sinne päpstlicher Politik und wurde als der erste Erzbischof von Mainz der Vater des deutschen Ultramontanismus. Als er, umstanden von seinen psalmierenden Mönchen, angesichts der verblüfften Nachkommen der alten Chatten die uralte Eiche des germanischen Gottes Donar bei Geismar eigenhändig fällte, da war jeder seiner Beilschläge ein Siegesruf für Rom und eine Herausforderung an das heidnisch-nationale Germanentum, das unter den gemeinsamen Schlägen romanisch-hierarchischer Diplomatie und fränkisch-monarchischer Staatskunst rasch und immer rascher erlag.“ —

Ein ähnlicher Eiferer war Ansgar, der von dem in Westfalen gegründeten Kloster Corvey aus nordwärts zog und nicht nur die Bistümer Bremen und Hamburg stiftete, sondern das Christentum auch nach Jütland trug. Von dort ausfahrende Missionare wußten dem christlichen Glauben auch in Schweden und Norwegen Bodenraum zu verschaffen, und zwar unter kluger Benützung der dortigen Machthaber, die den hartnäckigen Widerstand der Volksgemeinden mit Waffengewalt niederschlugen. Der erste christliche König Schwedens war Olaf, der es aber noch nicht wagen durfte, einen dem Gott Odin geweihten Tempel bei Upsala zerstören zu lassen. Das konnte erst im Jahre 1075 durch den König Inge nach blutigen Kämpfen gegen die am alten Götterglauben Hängenden geschehen.

Auch in Norwegen wurde dem „weißen Christ“ anfänglich als dem Gott eines fremden Volkes Abneigung und Haß entgegengebracht. Erst allmählich gelang es den Bemühungen Olafs des Heiligen, mit Hilfe zahlreicher aus Bremen und England herbeigezogenen Priester dem Christengott den Sieg zu verschaffen.

Von Norwegen aus wurde das Christentum nach Island übertragen. Seine Verkündigung wurde aber erst nach hartem Zwiespalt durch eine Tagung der Volksgemeinde des Friedens willen gestattet, jedoch mit dem Vorbehalt, daß es jedermann unbenommen bleiben solle, den alten Göttern opfern zu dürfen. Das Andenken an diese wurde übrigens auch durch einen Priester in der als „Edda“ bekannten Sammlung von Göttersagen für die nachkommenden Geschlechter bewahrt. —

Von Island aus kam der erste christliche Missionar schon im Jahre 999 nach der von Norwegern und Isländern besiedelten Westküste Grönlands. Anfänglich waren die Bestrebungen dieses Missionars, die mit echt nordischer Zähigkeit an ihrem alten Götterglauben hängenden Kolonisten für das Christentum zu gewinnen, keineswegs von erfreulichen Erfolgen gekrönt. Aber allmählich gelang es doch, der neuen Religion Eingang zu verschaffen. Schulen, Klöster und Kirchen entstanden, die unter der Obrigkeit des norwegischen Erzbistums Drontheim standen. Im Jahre 1121 erhielt Grönland sogar einen eigenen Bischof, Arnulf, der seinen Sitz in Gardar nahm, wo die Ruinen einer Kirche und eines Klosters noch heute zu sehen sind. —

Die altgermanische Götterwelt versank mehr und mehr. Ihre hehren Gestalten wurden von den christlichen Missionaren als bösartige Unholde und Teufel bezeichnet, die gegen die Menschen nur Übles im Schilde führten. Und als auch die Bilder dieser Götter durch die dem Christentum, gewonnenen Machthaber ungerächt zerschlagen wurden, so erschien am Ende Christus, der Wundertäter, als der größere, mächtigere Gott. Wie im Lauf der Zeit sein Reich sich über alle germanischen Völker ausdehnte, so in ähnlicher Weise auch über die slawischen Stämme, die in Mecklenburg, Pommern, Preußen und in der Ostermark (Österreich) saßen. Auf gleiche Art wurde es von den Missionaren der griechisch-katholischen Kirche, die ihren Hauptsitz in Konstantinopel hatte, über die Länder der Balkanhalbinsel, über Ungarn, Mähren und Rußland verbreitet.

Ein Teufel entführt die Seele eines Sterbenden. Nach einem Holzschnitt aus dem Jahre 1508

Ein Teufel entführt die Seele eines Sterbenden.

Nach einem Holzschnitt aus dem Jahre 1508.

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