[5] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Seit uralten Zeiten ist die Menschheit von zwei Mächten geleitet und beherrscht worden, von den Starken und Kühnen, die sich durch ihre körperliche Kraft und ihren Wagemut unter ihren Stammesgenossen zu deren Häuptlingen und Königen aufwarfen, und von den Schlauen, den Schamanen und Fetischpriestern, die ihre Mitmenschen im Aberglauben bestärkten, sie beständig mit dem Zorn der bösen Geister und Götter bedrohten und sie dadurch in ewiger Angst und Unterwürfigkeit hielten.“,

„Von der Ersprießlichkeit eines derartigen Zusammenwirkens überzeugt, nahmen die Herrscher auch stets die Priester unter ihren besonderen Schutz. Diese hingegen trugen in hohem Grade sowohl zum Ansehen wie auch zur Sicherheit der Herrscher bei, indem sie die Völker in dem Glauben erzogen, daß die Herrscher durch den Willen und die Gnade der Götter in ihre Ämtereingesetzt und darum heilig und unverletzlich seien. So entstand die Lehre von dem „Gottesgnadentum der Herrscher„, die sich bekanntlich bis auf unsere Tage erhalten hat. —

Aber nicht immer begnügten die Priester sich mit einer solchen Teilung der Herrschaft. Ihre unersättliche Machtgier trieb sie sehr oft zu kühnen oder raffiniert schlauen Anschlägen, um die volle Gewalt an sich zu reißen. Die Geschichte des Altertums weiß von sehr vielen schweren Konflikten zwischen Priestertum und Herrschertum zu berichten, die manchen Völkern geradezu zum Unheil wurden. Aus den meisten dieser Kämpfe gingen die Priester als Sieger hervor, weil sie nicht nur weitaus besser organisiert waren, sondern auch im Ersinnen von allerlei Ränken und Anschlägen wie im rücksichtslosen Durchführen derselben die weltlichen Herrscher weit übertrafen. Dazu übten sie durch ihre Drohungen mit ewigen Strafen eine absolute Macht über die abergläubischen Völker aus.“,

„Der Zusammenschluß und die Fortentwicklung des Priestertums hatten selbstverständlich auch eine weitere Ausgestaltung jener primitiven Fetischhütten zur Folge, die den Schamanen und Zauberpriestern der Naturvölker sowohl als Versammlungsorte wie als Aufbewahrungsstätten für ihre Zaubergeräte dienten. Diese Hütten gestalteten sich im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende allmählich zu imposanten Tempeln, in denen auch die der priesterlichen Phantasie entsprungenen, aus Holz, Stein oder anderen Stoffen gefertigten Figuren der Götter Aufstellung fanden. Bis in die Vorhöfe dieser Tempel zu kommen wurde das Volk genötigt, damit es unter der Aufsicht und Leitung seiner Priester den Göttern nicht nur die schuldige Verehrung erweise, sondern ihnen auch die zur Erhaltung ihrer Gunst notwendigen Geschenke oder Opfer überliefere. Wer es an diesen sichtbaren Beweisen der Verehrung fehlen ließ, den bedrohten die Priester mit der Rache der Götter, die sich in allerhand Unglück, in schrecklichen Krankheiten und Tod offenbare und ewige Strafen nach sich ziehe.

Gleich allen anderen priesterlichen Einrichtungen wurden diese Tempel im Lauf der Zeit zu raffiniert durchdachten Bauwerken, wie ähnliche zu Zwecken des Betrugs nie wieder ersonnen wurden.

Bei ihrer Anlage waren die Priester in erster Linie natürlich darauf bedacht, dem Einblick unberufener Personen in ihre Geheimnisse vorzubeugen. Darum umgaben sie die Tempel vielfach mit hohen Mauern und versahen sie zudem nur mit den allernötigsten Lichtöffnungen, da im unbestimmten Halbdunkel sich nicht nur die angeblichen „Wunder“ leichter vollführen ließen, sondern weil auch die geheimnisvolle Stimmung den Geist der Gläubigen von vornherein mächtig beeinflußte, zumal sie sich auf heiligem Boden, in Gegenwart der allgewaltigen Geister und Götter wähnten.“

Ab hier geht es weiter mit dem Originaltext des Buches:


DAS ENTSTEHEN DER PRIESTERREICHE

Seit uralten Zeiten ist die Menschheit von zwei Mächten geleitet und beherrscht worden, von den Starken und Kühnen, die sich durch ihre körperliche Kraft und ihren Wagemut unter ihren Stammesgenossen zu deren Häuptlingen und Königen aufwarfen, und von den Schlauen, den Schamanen und Fetischpriestern, die ihre Mitmenschen im Aberglauben bestärkten, sie beständig mit dem Zorn der bösen Geister und Götter bedrohten und sie dadurch in ewiger Angst und Unterwürfigkeit hielten.

Sehr häufig kam es vor, daß physische Macht sich mit geistiger Schlauheit in einer Person vereinten, daß ein Häuptling zugleich Schamane war, oder daß ein Priester sich auch der Führerschaft in allen nicht zu seinem geistlichen Beruf gehörenden Angelegenheiten bemächtigte. Das war und ist noch bei sehr vielen Völkern der Fall, vornehmlich bei den Polynesiern und vielen afrikanischen Stämmen. So fand beispielsweise der Afrikareisende Holub, daß der König Sepepo des Marutse-Mambunda-Reiches es vorzüglich verstand, sich vor seinen Untertanen auch als Zauberer und Schamane gefürchtet zu machen[Holub, „Sieben Jahre in Süd-Afrika“, II, 336—390.]. Ein Gleiches berichtete Strabo von den Priesterkönigen der in Kleinasien gelegenen Städte Zela und Pessinus.

Wo nicht ein derartiges Priesterkönigtum herrschte, sondern die physische und die geistige Gewalt in den Händen zweier verschiedener Personen ruhte, da wußten die Priester es den Herrschern stets klarzumachen, daß ihre Unterstützung für dieselben nicht nur höchst wertvoll, sondern geradezu unentbehrlich sei, und daß aus gegenseitiger Förderung große Vorteile für beide Teile erwachsen müßten. In uralten indischen Schriften findet sich der Satz: „Die Herrscher können ohne den Beistand der Priester nicht erfolgreich sein; die Priester wiederum können sich ohne die Herrscher nicht entfalten. Darum werden beide Kasten nur durch gegenseitige Hilfe und gemeinsames Zusammenwirken in dieser wie in der nächsten Welt erhaben!

Von der Ersprießlichkeit eines derartigen Zusammenwirkens überzeugt, nahmen die Herrscher auch stets die Priester unter ihren besonderen Schutz. Diese hingegen trugen in hohem Grade sowohl zum Ansehen wie auch zur Sicherheit der Herrscher bei, indem sie die Völker in dem Glauben erzogen, daß die Herrscher durch den Willen und die Gnade der Götter in ihre Ämtereingesetzt und darum heilig und unverletzlich seien. So entstand die Lehre von dem „Gottesgnadentum der Herrscher„, die sich bekanntlich bis auf unsere Tage erhalten hat. —

Aber nicht immer begnügten die Priester sich mit einer solchen Teilung der Herrschaft. Ihre unersättliche Machtgier trieb sie sehr oft zu kühnen oder raffiniert schlauen Anschlägen, um die volle Gewalt an sich zu reißen. Die Geschichte des Altertums weiß von sehr vielen schweren Konflikten zwischen Priestertum und Herrschertum zu berichten, die manchen Völkern geradezu zum Unheil wurden. Aus den meisten dieser Kämpfe gingen die Priester als Sieger hervor, weil sie nicht nur weitaus besser organisiert waren, sondern auch im Ersinnen von allerlei Ränken und Anschlägen wie im rücksichtslosen Durchführen derselben die weltlichen Herrscher weit übertrafen. Dazu übten sie durch ihre Drohungen mit ewigen Strafen eine absolute Macht über die abergläubischen Völker aus.

Auf dem Boden Ägyptens zogen sich solche Kämpfe durch viele Jahrhunderte hindurch. Dem Namen nach besaßen die ägyptischen Pharaos unumschränkte Gewalt, in Wirklichkeit hingegen waren sie nichts als willenlose Werkzeuge der Hohenpriester, die angeblich Angesicht zu Angesicht mit den Göttern verkehrten, deren Willen einholten und den Herrschern verkündigten. Dieser Wille stimmte natürlich stets mit den geheimen Plänen und Wünschen des Priestertums überein. Und da der Wille der Götter unter allen Umständen ausgeführt werden mußte, so war es bei der unersättlichen Habgier und Herrschsucht jener Hohenpriester unausbleiblich, daß die Wünsche und Forderungen der Götter, resp. der Priester sich allmählich ins Unermeßliche steigerten und zum Verderben für das ganze Land werden mußten. Das zeigte sich während jener von 1300—1090 v. Chr. reichenden Zeit, wo die energielosen Ramsesiden auf dem Thron Ägyptens saßen und sich von den schlauen Hohenpriestern des in Theben verehrten Gottes Amon beeinflussen ließen. Diese brachten die Herrscher allmählich so unter ihren Bann, daß sie jeden ihrer Schritte bestimmten, ihnen vorschrieben, wann sie ausgehen dürften und zu baden hätten, ja, wann sie ihre Gemahlinnen besuchen dürften[W. Howitt, „History of Priestcraft in all ages“ (London 1838).].

Während der Regierung des Königs Ramses IX. (1142— 1123 v. Chr.) gelang es dem Hohenpriester Amen-hotep, sich den Willen dieses Herrschers völlig untertänig zu machen. Ein Nachfolger dieses Hohenpriesters, Hrihor oder Hir Hiru, machte sich unter der Regierung Ramses‘ XII. (1090 v. Chr.) sogar zum Oberbefehlshaber der Armee und zum Verwalter des Schatzamtes. Sowohl in Oberägypten wie in Nubien herrschte er mit einer Unumschränktheit, als ob ein wirklicher König gar nicht vorhanden sei. Er nahm auch den Titel an: „Hrihor, König von Ober- und Unterägypten, Oberpriester des Gottes Amon; Sohn Amons“ usw. —

Über seine Regierung äußerte sich der Ägyptologe James Henry Breasted in seinem auf sorgfältigen Studien der Originalquellen beruhenden Werk ,,A History of the ancient Egyptians“ folgendermaßen:

„Mit einer geradezu erstaunlichen Verlogenheit füllte Hrihor seine Titulatur mit Hinweisen auf seine allumfassende Macht. Der durch ihn repräsentierte Staat war eine Theokratie, ein Priesterreich, nichts als das. Bis weit zurück auf die Tage des Königs Thutnose III. (1479—1459 v. Chr.) finden sich auffallende Beweise von Gott Amons Einmischung in die Regierungsgeschäfte. Sogar Thutnose selbst verdankte seine Krönung einem von diesem Gott verkündigten Orakelspruch. Damals erfolgte aber die Einmischung des Gottes nur bei außergewöhnlichen Veranlassungen. In Hrihors Priesterreich wurden derartige Orakelsprüche hingegen zu einem Hauptbestandteil der Regierungsmaschine. Denn was immer dieser Hohepriester durchzuführen und zu einem Gesetz zu erheben wünschte, wurde zur gegebenen Zeit durch einen besonderen Orakelspruch des Gottes empfohlen und gutgeheißen. Und nach vorheriger Vorbereitung bekundete die Figur des Gottes, wenn der Priester ihm seine Wünsche vorlegte, stets durch eifriges Nicken mit dem Kopfe ihre ausdrückliche Zustimmung. Sämtliche von Mitgliedern der hohenpriesterlichen Familie vollzogenen Testamente und Eigentumsübertragungen wurden durch Amons Aussprüche gutgeheißen. Und so wurden bürgerliche Dokumente zu göttlichen Geboten gemacht. In die Verbannung gesandte politische Flüchtlinge wurden durch Orakel des Gottes begnadigt und zurückberufen. Verbrecher wurden ihm vorgeführt und auf Grund seiner Entscheidung getötet. Priesterliche Gaukelei ermöglichte es so dem Hohenpriester, unter völliger Mißachtung von Gesetz und Gerechtigkeit alles nach seinen Wünschen durchzusetzen und mit angeblich göttlicher Zustimmung zu bemänteln.“ —

Auch in dem benachbarten Äthiopien gewannen die Priester die Oberhand. Wie Strabo berichtet, hielten sie die Könige „eingeschlossen“, d. h. gefangen. Zuweilen sandten sie einem solchen König durch einen Boten den Befehl zu, ,,zu sterben“, worauf sie dann einen anderen einsetzten. Später hob ein energischer König diese Sitte auf, indem er mit Bewaffneten in den Tempel der Priester eindrang und alle niedermachte.

Ähnliche Kämpfe spielten sich, wie weitläufig in den zum Alten Testament gehörigen Büchern der Könige und der Chronika geschildert ist, auf dem Boden Palästinas ab. So gewährt beispielsweise das 26. Kapitel des 2. Buches der Chronika einen interessanten Einblick in den zwischen dem König und dem Priestertum bestehenden Minenkampf. Als der durch erfolgreiche Kriege zu Macht und Ansehen gelangte König Ussia von Juda (809 bis758 v. Chr.) den Versuch machte, sich an die Spitze des Priestertums zu stellen und gleich den früheren Königen David und Salomo im Tempel auf dem Altar das Räucherwerk anzuzünden, vertrat ihm Asarja, der Hohepriester, mit 80 starken Priestern den Weg und ließ ihn buchstäblich hinauswerfen.

Durch welche Ränke, Fälschungen und Mordtaten es der Priesterschaft Israels weiterhin gelang, die Oberhand über das Königtum zu gewinnen, die absolute Herrschaft an sich zu reißen und sich in derselben zu behaupten, bis das Land von den Römern unterworfen wurde, ist von Julius Lippert im 2. Bande seiner „Allgemeinen Geschichte des Priestertums“ (Berlin 1884) ausführlich geschildert worden. Kam unter der Römerherrschaft die Macht der jüdischen Oberpriester zu Fall, so lebte der Geist derselben doch noch viele Jahrhunderte fort. —

Ähnliche Kämpfe um die Allgewalt spielten sich auch in vielen anderen Ländern des Orients ab. Wo es den Priestern gelang, die Alleinherrschaft an sich zu reißen, unterließen sie es nie, die den weltlichen Machthabern zugeschriebene „Heiligkeit der Person“ auch für sich zu beanspruchen. Ja, aus den Mitteilungen glaubwürdiger Schriftsteller des Altertums erfahren wir, daß die Priester mancher Völker bei festlichen Gelegenheiten nicht nur die Gottheiten repräsentierten, sondern sich selber als solche verehren ließen. So berichtet Pausanias (VIII, 15), daß in Arkadien die Priester der Demeter, der fruchttragenden Erde, an deren Jahrestag in der Maske der Göttin erschienen. Das gleiche taten die Priester der Eleusinier (Creuzer, „Symbolik“, III, 447), ferner die geistlichen Oberhäupter der Maori auf Neuseeland.

Als Gottverkörperung erscheint auch der Dalai-Lama, der die Oberhoheit über alle Buddhisten Tibets, Chinas, der Mongolei, Rußlands und deren Nebenländer beansprucht. Um seinen Segen zu erlangen, pilgern seit vielen Jahrhunderten die Buddhisten alljährlich nach Lhassa, dem buddhistischen Rom, um sich angesichts dieser Gottheit zur Erde zu werfen und sich segnen zu lassen. Ein solcher Segen kostet viel, und niemand wird eines solchen teilhaftig, ohne dafür gezahlt zu haben. Aber gläubigen Buddhisten ist kein Goldklumpen zu schwer, kein Nephritstein zu kostbar, als daß sie nicht an den Stufen des Götterthrones aus Dankbarkeit für die Gewinnung des höchsten Glückes niedergelegt würden. Nicht nur küssen sie gesenkten Hauptes diesem überirdischen Wesen die Füße, sondern bestechen sogar die amtierenden Priester, ihnen einen kleinen Teil seiner körperlichen Ausscheidungen zu verkaufen, die sie entweder an Ort und Stelle verschlucken oder in Amulette gefaßt um den Hals tragen, in der Zuversicht, dadurch gegen alle Unfälle und Leiden geschützt zu sein[Thevenot, „Relations des divers voyages“ (Paris 1672). P. P. J. Grüber et D’Orville, „Voyage à la Chine“, I, 22.].

Gleiche göttliche Verehrung genießt das Oberhaupt des in China verbreiteten Taoismus. Sein offizieller Titel lautet Chen-yen, „Der Herrscher des Himmels“. Sein fürstlich eingerichteter Palast liegt in den Gebirgen der Provinz Kiang-si. Auch zu ihm vollführen zahllose Pilger fromme Wallfahrten, um an Ort und Stelle gegen schweres Geld rote und grüne mit allerhand kabbalistischen Zeichen beschriebene Papierstreifen zu erstehen, die unfehlbar alles Ungemach ablenken sollen[Mgr. Danicourt, „Rapport sur l’origine, le progrès et la décadence de la secte des Tao-tse, en Chine“ (Annales de la Foi 1858).].

Ein alle Macht in sich vereinigender Priesterkönig war auch der Mikado, der Beherrscher des japanischen Inselreiches. Sein Name galt als so heilig, daß er nicht ausgesprochen werden durfte; ja, er wurde, solange der Mikado lebte, gar nicht verraten. Darum brauchte man für ihn ganz allgemein den Namen „Dairi“, „das große Haus“, der „Palast“. Kämpfer führt in seiner „Geschichte und Beschreibung Japans“ (I, 174) an, daß das Gottwesen dieses Priesterkönigs in alten Zeiten außerordentlich klar zum Ausdruck gebracht worden sei. „Er war verbunden, alle Morgen einige Stunden mit der Krone auf dem Haupte wie eine Säule auf dem Thron zu sitzen, ohne Hand oder Fuß, Haupt oder Augen oder sonst irgendeinen Teil seines Leibes zu bewegen. Auf diese Weise, so glaubte man, könne Frieden und Ruhe im Reich aufrechterhalten werden. Wandte sich aber der Dairi unglücklicherweise hier- oder dorthin, oder heftete er für eine Zeitlang seinen Blick auf die vor ihm ausgebreiteten Kleinodien und Juwelen, so ward befürchtet, daß Krieg, Hungersnot oder irgendein großes Unglück das Land heimsuchen werde.

Die Verehrung des Mikado in älterer Zeit

Die Verehrung des Mikado in älterer Zeit

Erst in späteren Zeiten begann man, den Dairi von dieser beschwerlichen Pflicht zu befreien und statt seiner nur die Krone für einige Stunden auf den Thron zu setzen. — Die Berührung seiner Person bewirkte genau dasselbe Tabu wie auf den Südsee-Inseln. Jedes von ihm benützte Geschirr wurde zerbrochen, jedes seiner getragenen Kleidungsstücke wurde verbrannt, da die Berührung dieser Gegenstände jedem anderen Sterblichen Krankheit und Tod bringen würde. —

In dem im Herzen Mexikos gelegenen Reich der Azteken lag, obwohl weltliche Herrscher vorhanden waren, die tatsächliche Gewalt gleichfalls in den Händen eines Obersten Priesters, der sowohl seinem Namen nach wie in seiner Kleidung die höchste Gottheit repräsentierte. Lautete sein Titel doch „Teoteuctli“, der „Göttliche Herr“. Ihm stand ein nach vielen Tausenden zählendes, in verschiedene Orden eingeteiltes und straff organisiertes Heer von Priestern zu Gebote. In der Hauptstadt Tenochtitlan sollen deren alleingegen 5000 gewesen sein, die darüber zu wachen hatten, daß die Bevölkerung ganz im Sinne und nach den Vorschriften dieses indianischen Papstes regiert werde. Neben ihm war der weltliche Herrscher bloß eine Scheinfigur. Nicht nur, daß er durch den Oberpriester die Weihe und damit seine königliche Würde empfing, sondern er mußte sich auch in allen wichtigen Angelegenheiten an den Hohenpriester wenden, der mit seinem Urteil den Ausschlag gab.

War demnach das Reich der Azteken trotz des glänzenden Auftretens seiner weltlichen Herrscher ein Priesterstaat, so war das in Südamerika gelegene Reich der Inka in noch weit höherem Sinne eine zum „Caesaro-papismus“ ausgebildete Hierarchie. Die Inkas waren alles in einem: Oberpriester, König und Gott zugleich. Angeblich aus der Sonne hervorgegangen und als „Sonnensöhne“ verehrt, setzten sie sich nicht nur selbst ihre Priester, sondern bestimmten auch die ihnen darzubringenden Opfer und zeremoniellen Handlungen. Um den Gedanken ihrer wahren Göttlichkeit in ihrem Geschlecht zu erhalten und von Generation auf Generation zu vererben, nahmen sie stets ihre eigene, von der gleichen Mutter geborene Schwester zur ersten Frau, damit aus solcher Ehe der rechte Geist der Sonnensöhne beständig neu geboren werde. Gleichfalls über ein wohlorganisiertes Heer von Priestern aller Art gebietend, herrschten die Inka im Sonnenland Tahuantinsuyu, dem heutigen Peru, mit einer Unumschränktheit, wie sie in gleichem Maß wohl nirgendwo auf Erden wieder erreicht worden ist.

Daß priesterlicher Hochmut aber keine Grenzen kennt, erfahren wir, wenn wir uns in die von Priestern geschriebenen Gesetzbücher vertiefen, die der mißbrauchten Menschheit als Richtschnur aufgezwungen wurden. So erklärt das angeblich von Manu, dem Sohn der Sonne, verfaßte Gesetzbuch, daß ein Brahmane, ob unwissend oder gelehrt, als eine große Gottheit zu betrachten sei und als solche in jeder Hinsicht geehrt werden müsse[„The Laws of Manu“, VII, Sp. 217 (Translated y G. Buchler, „Sacred Books of the East“, vol. XXV.].

In dem „Satapatha Brahmana“ genannten Gesetzbuch[Übersetzt von J. Eggeling, p. 1, p. 309.] heißt es sogar:

„In Wirklichkeit gibt es zwei Arten von Gottheiten: die wirklichen Götter und die Brahmanen, welche die heiligen Überlieferungen studieren und lehren. Diese sind menschliche Götter. Während man den ersteren feierliche Opfer darbringt, muß man den menschlichen Göttern, den Priestern, Geschenke verehren.“ —

In seinem Werke „Religious Life and Thought in India“ (p. 201 und 457) schildert Monier Williams die geistige Machtvollkommenheit des Brahmanen als unbegrenzt.

„Sein Zorn ist ebenso furchtbar als jener der Götter. Sein Fluch vernichtet. Sein Segen hingegen macht reich. Er selber wird tatsächlich als ein Gott betrachtet und verehrt. Da gibt es in der weiten Welt nichts, weder ein Wunder noch sonst ein Ereignis, das zu vollbringen er nicht imstande wäre. Würde ein Priester sich vermessen, die Sonne vom Himmel herabzuholen oder sie in ihrem täglichen Lauf stillzuhalten, so würde an seiner Machtvollkommenheit kein Dorfbewohner auch nur einen Augenblick zweifeln. Denn in den heiligen Büchern, durch welche die Brahmanen ihre geheimnisvolle Macht ausüben, steht der in ganz Indien jedermann bekannte Satz: ,Das ganze Weltall ist den Göttern unterworfen; die Götter aber sind wiederum den Mantras, den Brahmanen untergeben; folglich sind die Brahmanen unsere wirklichen Götter!‘ “ —

Nicht genug mit solcher Gleichstellung mancher Priesterkasten mit den Göttern. Wo es ihnen in den Kram paßte, gaben sie auch vor, derartige Macht über die Götter zu besitzen, daß sie imstande seien, dieselben in jeder Hinsicht ihrem Willen zu unterwerfen. Die Schriften verschiedener Forscher, die sich mit dem Studium des Religionswesens der alten Ägypter und Inder beschäftigten, enthalten Angaben, daß die Priester den Göttern sogar mit Vernichtung drohten, wenn sie zögern würden, ihren Willen zu erfüllen[A. Wiedemann in seinem Buch „Die Religion der alten Ägypter“ (S. 142-145, 148), sowie G. Maspero in seiner „Histoire ancienne des peuples de l’Orient classique“ (S. 212) heben gleichfalls hervor, daß die ägyptischen Magier behaupteten, die Götter zwingen zu können, ihren Willen zu erfüllen, anderenfalls sie denselben mit Zerstörung drohten. Dem von J. A. Dubois geschriebenen Werk „Moeurs, institutions et cérémonies des peuples de l’Inde“ (S. 60) sei folgende Stelle entlehnt: „Wie im alten Ägypten die Zauberer bisweilen drohten, die Gebeine des Osiris zu zerstreuen, falls er sich widerspenstig erweise, so behaupten auch die Magier Indiens, durch ihre Zaubersprüche und Beschwörungen sogar die Dreifaltigkeit Brahmas, Wischnus und Schiwas zwingen zu können, ihnen alles auf Erden wie im Himmel zu erfüllen, was sie denselben befehlen möchten.“].

Gott Buddha. Nach einer in Tibet gefertigten Handzeichnung

Gott Buddha.

Nach einer in Tibet gefertigten Handzeichnung.

Der Dalai Lama zu Lhassa als die Verkörperung Buddhas. Nach einer Photographie

Der Dalai Lama zu Lhassa als die Verkörperung Buddhas.

Nach einer Photographie.

Will man auf die kulturellen Zustände der von solchen Priesterkönigen und Nachahmern der Gottheiten beherrschten Länder eingehen, so bietet das noch gegenwärtig bestehende Priesterreich Tibet zweifellos das beste Anschauungsmaterial. Die Bewohner dieses Landes waren bis zum siebenten Jahrhundert n. Chr. Anhänger einer mit dem Glauben an wohlgesinnte und bösartige Geister erfüllten Naturreligion. Unter der Regierung des Königs Srongdsan Gambo (629—698) wurde aber Tibet dem siegreich durch ganz Innerasien vordringenden Buddhismus unterworfen. Wie um die gleiche Zeit die deutschen Länder durch aus Rom und Irland kommende Sendboten christianisiert wurden, so strömten von China und vom Ganges her buddhistische Priester scharenweise nach Tibet hinein, um den zur Staatsreligion erhobenen Buddhismus auszubreiten und zu befestigen. Das konnte allerdings nicht geschehen, ohne daß dieser neuen Religion gar manches vom alten Schamanentum beigemengt wurde.

Es war im 15. Jahrhundert, wo der Priester Tsong-Kaba das tibetanische Priesterreich begründete und dasselbe zwei Jüngern hinterließ, die sich als fleischgewordene Buddhas in die Gewalt teilten. Der eine wählte als Dalai Lama die Stadt Lhassa zur Residenz und vertrat mehr die weltliche Gewalt. Der andere als Taschi- oder Panschen-Lama war in konfessionellen Fragen entscheidend. Als Gottmenschen gebieten diese beiden über ein nach vielen Tausenden zählendes Heer von Priestern oder Lamas, die ein beschauliches Mönchs- und Einsiedlerleben führen und allein die Befugnis haben, die heiligen Bücher zu lesen sowie die religiösen Zeremonien zu vollziehen.

Wird einer der beiden Oberhäupter der tibetischen Religion vom Tod abberufen, so fällt dem anderen die Aufgabe zu, festzustellen, in welchen Körper die Seele des Verstorbenen übergegangen sei, um sich zu neuem Leben zu betätigen. Zu diesem Zweck werden die Namen aller Kinder männlichen Geschlechts gesammelt, die gerade nach dem Tode des Lama geboren wurden. Von diesen Namen wählt der überlebende Lama drei aus und legt sie in ein goldenes Kästchen. Darauf versammeln sich die an Würde den römischen Kardinälen gleichstehenden Chutuktus, die Äbte der großen Klöster, um nach einer Woche inbrünstiger Gebete in Gegenwart des überlebenden Lama das Los zu ziehen. Das so vom Schicksal auserlesene Kind wird dann einem der großen Klöster übergeben, um dort für seinen späteren hohen Beruf erzogen zu werden. —

Die Hauptbeschäftigung der tibetanischen Priester — wenn man das als eine Beschäftigung betrachten will — besteht in schweigendem Nachdenken über das unsichtbare, gestaltlose, allmächtige, barmherzige und das Weltall regierende höchste Wesen. Damit sie von dieser Beschaulichkeit durch keine weltlichen Sorgen und Vergnügungen abgelenkt werden sollen, enthalten sie sich der Ehe. Meist leben sie in größeren Genossenschaften von mehreren Tausenden zusammen, in förmlichen Mönchsstädten, in denen jeder Lama sein eigenes kleines Haus hat. Seltener sind eigentliche Klöster, in denen Gütergemeinschaft herrscht. Daneben gibt es zahlreiche Einsiedler, die sich in kaum zugängige Klüfte und Höhlen verkriechen, um in tiefer Einsamkeit einen höheren Grad von Heiligkeit zu erringen. Während solcher Bemühungen lassen sie sich von frommen Menschen durch Darreichung von Speisen am Leben erhalten.

Die unzähligen geistlichen Müßiggänger zu ernähren und die vielen reichen Klöster mit Schenkungen zu versehen, damit dieselben immer mehr Ländereien, Idole, goldene und silberne Gefäße, Reliquien und Kostbarkeiten erwerben und in ihren Tempeln aufspeichern können, das ist die wichtigste Aufgabe des mit Absicht in größter Unwissenheit erhaltenen Volkes. Verarmt, zu einer Art von Hörigen herabgedrückt, lebt die große Masse der tibetanischen Laien noch heute in steter Furcht vor Gespenstern, Dämonen und Teufeln, die nicht nur beständig ihr Leben bedrohen, sondern durch allerhand Anschläge auch ihr Dasein erschweren.

Bekanntlich ist Tibet auch das Land der Gebetmühlen. Massenhaft hergestellt, bestehen diese Mühlen aus einem drehbaren, in einer Kapsel eingeschlossenen Zylinder, um den ein Papierstreifen gewickelt ist, der mit einer möglichst oftmaligen Wiederholung des an Buddha gerichteten Stoßgebetes bedeckt ist: ,,Om mani padme, hum!“ — „Heil dem Juwel in der Lotusblume!“ Dieses um den Beistand Buddhas flehende Gebet gilt mit jeder Umdrehung der Mühle als so oft von dem Eigentümer derselben gesprochen, wie die in der Mühle befindlichen Papierstreifen geschriebene Wiederholungen des Gebetes enthalten. Jedes einzelne Gebet sichert dem die Mühle in Bewegung setzenden Gläubigen eine Vergünstigung im Jenseits. Deshalb ist jeder Bewohner Tibets mit einer solchen Mühle in Handformat versehen. Gewohnheitsmäßig dreht er sie so oft er kann. Wohlhabende Leute und große Klöster bauen sich riesige Maschinen, deren Papierstreifen mit tausendfachen Wiederholungen des Gebetes bedeckt sind. Häufig sogar durch Wind oder die Wasserkraft eines Baches getrieben, wiederholen solche Mühlen das Gebet während eines Tages viele millionenmal und geben dadurch ihren Eigentümern die Gewißheit, daß sie bei ihrem Tod unmittelbar zu Buddha emporgehoben werden. Der englische Earl of Ronaldshay beschreibt in seinem Buch „Lands of the Thunderbolt“ (London 1923) eine solche Mühle, die mit ihren Papierstreifen ein Gewicht von 4000 Pfund hatte. Eine einzige Umdrehung derselben bedeutete eine millionenfache Wiederholung des ewig gleichen Stoßgebetes. Da diese Mühle durch die vorübergehenden Gläubigen unausgesetzt in Bewegung gehalten wurde, so übersteigt die Zahl der täglich an Buddha gerichteten Anrufungen jede Vorstellung.

Eine tibetanische Gebetmühle

Eine tibetanische Gebetmühle.

Lhassa, das tibetanische Rom, ist eine aus vielen Tempeln und Klöstern bestehende Stadt, in deren Mitte sich der drei Stockwerke hohe mit goldenen Dächern versehene Haupttempel erhebt. Rechts auf einem 500 Fuß hohen Felsen ist die Residenz des Dalai-Lama, eine Anhäufung von Palästen, Tempeln und kasernenartigen mauerumschlossenen Gebäuden, die an die Akropolis von Athen erinnern. Den Mittelpunkt dieser mönchischen Festung nimmt ein Tempelpalast ein, dessen rote Mauern gegen die Weiße der anderen Gebäude abstechen. Die ganze Sammlung von Gebäuden enthält fast 3000 Räume und übertrifft an Ausdehnung den Vatikan in Rom. Hier lebt der Dalai-Lama, hier wird auch der Staatsschatz aufbewahrt, hier auch ist der Sitz der Zentralbehörde, durch die das zahlreiche Heer des buddhistischen Priestertums seine Anweisungen und Befehle empfängt.

Am letzten Tage des tibetanischen Jahres ist Lhassa der Schauplatz großartiger Umzüge, wobei die Priester in den denkbar schreckhaftesten Maskierungen erscheinen, um dem Volke in realistischster Weise klarzumachen, von welchen Unholden, Teufeln und Dämonen es beständig bedroht ist und welcher Anstrengungen es seitens der Priester bedarf, um diese überall gegenwärtigen Feinde der Menschheit abzuwehren. Die Masken dieser Dämonendarsteller haben große, bösschauende Augen, borstige Augenbrauen und fletschende Zähne; andere stellen allerlei Tierfratzen dar — alle aber sind gleich scheußlich und entsetzenerregend. Den Schluß solcher Umzüge bilden dann Gruppen junger Mönche, die, gleich den Teufelsgestalten, vor dem auf seinem Thron sitzenden Dalai-Lama vorüberziehen und ihm ihre Ehrfurcht erweisen.

TEMPELGEHEIMNISSE DES KLASSISCHEN ALTERTUMS

Der Zusammenschluß und die Fortentwicklung des Priestertums hatten selbstverständlich auch eine weitere Ausgestaltung jener primitiven Fetischhütten zur Folge, die den Schamanen und Zauberpriestern der Naturvölker sowohl als Versammlungsorte wie als Aufbewahrungsstätten für ihre Zaubergeräte dienten. Diese Hütten gestalteten sich im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende allmählich zu imposanten Tempeln, in denen auch die der priesterlichen Phantasie entsprungenen, aus Holz, Stein oder anderen Stoffen gefertigten Figuren der Götter Aufstellung fanden. Bis in die Vorhöfe dieser Tempel zu kommen wurde das Volk genötigt, damit es unter der Aufsicht und Leitung seiner Priester den Göttern nicht nur die schuldige Verehrung erweise, sondern ihnen auch die zur Erhaltung ihrer Gunst notwendigen Geschenke oder Opfer überliefere. Wer es an diesen sichtbaren Beweisen der Verehrung fehlen ließ, den bedrohten die Priester mit der Rache der Götter, die sich in allerhand Unglück, in schrecklichen Krankheiten und Tod offenbare und ewige Strafen nach sich ziehe.

Gleich allen anderen priesterlichen Einrichtungen wurden diese Tempel im Lauf der Zeit zu raffiniert durchdachten Bauwerken, wie ähnliche zu Zwecken des Betrugs nie wieder ersonnen wurden.

Bei ihrer Anlage waren die Priester in erster Linie natürlich darauf bedacht, dem Einblick unberufener Personen in ihre Geheimnisse vorzubeugen. Darum umgaben sie die Tempel vielfach mit hohen Mauern und versahen sie zudem nur mit den allernötigsten Lichtöffnungen, da im unbestimmten Halbdunkel sich nicht nur die angeblichen „Wunder“ leichter vollführen ließen, sondern weil auch die geheimnisvolle Stimmung den Geist der Gläubigen von vornherein mächtig beeinflußte, zumal sie sich auf heiligem Boden, in Gegenwart der allgewaltigen Geister und Götter wähnten.

In strenger Beachtung dieser Gedanken waren die Tempel Ägyptens meist nach dem gleichen Grundplan angelegt. Sie bestanden aus einem offenen Vorhof und mehreren Säulenhallen. Dem gewöhnlichen Volk war es nur an gewissen Festtagen, nach mancherlei körperlichen Reinigungen gestattet, in den Vorhof zu treten und dort Opfergaben niederzulegen. Das Innere der Tempel hingegen war nur Personen von Rang und Reichtum, den „Geweihten“, zugängig. Aber auch ihnen war es untersagt, weiter vorzudringen als bis zu der Pforte, die aus der großen Vorhalle in die kleineren Säulenhallen führte. So gab es für jeden Tempelbesucher wohl zu schauen, aber weit mehr noch zu ahnen. Der Laie befand sich Bauwerken gegenüber, deren Verhältnisse jene seiner eigenen Behausung, seiner täglichen Umgebung weit übertrafen. Zudem konnte er sie weder in ihrem ganzen Umfang erfassen, noch ihr im fernen Dunkel verlaufendes Ende erkennen. Der „Geweihte“ übersah wohl die große Vorhalle, aber auch für ihn blieben die innersten Räume des Tempels verschlossen. Auch sein Herz wurde von bangen Schauern ergriffen, wenn sein Auge den Weg zu dem von geheimnisvollem Halbdunkel verschleierten „Allerheiligsten“ suchte.

Die unbefugte Annäherung an diese allerheiligsten Räume, wo die Götterbilder und Altäre standen, und wo sich jene Kammern befanden, in denen die Priester ihre Ornate, Gerätschaften und Geheimnisse verwahrten, war überall unter Androhung der Rache der Götter verboten. Als in den Ruinen von Karthago in den Jahren 1925 und 1926 das Heiligtum des Tanit aufgedeckt wurde, fand man eine Stela, auf der die Gestalt eines Priesters zu sehen war, der seine Hände warnend emporhob. Darunter stand in punischer Schrift zu lesen, daß diejenigen, welche es wagen würden, die heilige Stille des Tempels zu stören, verflucht sein sollten und von Gott Baal zerschmettert würden.

Um von jedem Versuch abzuschrecken, in die Geheimnisse der Priester einzudringen, wurden auch allerhand Geschichten von schweren Strafen in Umlauf gesetzt, die jene getroffen hätten, die sich an den Göttern und ihren Tempeln versündigten. Weil Prometheus einige Funken vom Herdfeuer des Zeus entwendet habe, sei er an einen Felsen geschmiedet worden und mußte dulden, daß der Adler des erzürnten Gottes täglich zu ihm herniederschwebte und ihm die Leber abfraß. Und Tantalus, der sich vermaß, die Allwissenheit der Olympier zu prüfen, sei in den Tartarus, in die Unterwelt hinabgeschleudert worden, wo er für seinen Vorwitz gleichfalls allerlei Strafen durchzukosten hatte.

„Für den Menschen bringt es kein Glück, die Götter zu schauen!“, so schrieb schon Pausanias (X, 32). Und fürwahr, die Neugierde oder der Wissensdurst sind denjenigen, die gleich dem „Jüngling von Sais“ den die Geheimnisse des Priestertums umgebenden Schleier zu heben versuchten, niemals zum Heil ausgeschlagen. Daß alle, die in solcher Weise dem Priestertum zu nahe kamen, Tod und Verderben erlitten, wird von zahlreichen Schriftstellern des Altertums berichtet. So weiß Pausanias zu melden, daß Ägyptos, als er den für jedermann unzugängigen Tempel des Poseidon in Mantinea betreten habe, sofort erblindete und bald darauf starb. Am. Marcellus (XXIII) berichtete vom Heiligtum der Eumeniden, daß alle widerrechtlich hier Eindringende wahnsinnig geworden seien. Derselbe Schriftsteller teilt auch mit, daß, nachdem ein Soldat im Tempel des Baal Chon zu Seleucis die Secreta Chaldaeorum geöffnet habe, das ganze Lager des Verus von der Pest befallen worden sei. Plinius (VII, 45) erzählt ähnliche Schauergeschichten von dem berühmten Palladium, der in Holz geschnitzten Bildsäule der Göttin Pallas, das Jupiter vom Olymp auf die Erde herabgeworfen habe. Das nach Rom gekommene und im Tempel der Vesta aufbewahrte Bild galt als so heilig, daß selbst der Oberpriester, der Pontifex Maximus, es nicht sehen durfte. Als nun eines Tages der Tempel in Brand geriet und der Oberpriester Metellus mit Lebensgefahr das Palladium aus dem brennenden Gebäude rettete, sei er beim Anblick des Heiligtums erblindet. —

Bemühten die Priester des Altertums sich, durch Verbreitung solcher Schreckgeschichten das Volk vom Eindringen in ihre Geheimnisse fernzuhalten, so hatten sie dazu allerdings Grund genug. War doch jede ihrer Einrichtungen auf die Täuschung und Ausbeutung des abergläubischen Volkes eingestellt. In vielen Tempelruinen jener Zeiten wurden geheime Gänge bloßgelegt, die, unter dem Boden oder in den sehr dicken Wänden dahinführend, es den Priestern ermöglichten, ungesehen von einem Teil des Tempels zum anderen zu gelangen[Derartige geheime Gänge befanden sich auch in den Mauern des jüdischen Tempels zu Jerusalem. Direkte Hinweise darauf finden sich im I. Buch der Könige, Kap. 6, 5; Kap. 7, 51; Kap. 15, 15; im II. Buch der Könige, Kap. 2, 10; und in Hesekiel, Kap. 41.]. In erster Linie mögen diese Gänge dazu gedient haben, die vom Volk den Göttern dargebrachten und auf den Altären niedergelegten Opfergaben verschwinden zu lassen. In welcher Weise das geschah, ist aus folgender, den Apokryphen des Alten Testaments entnommener lehrreichen Geschichte zu ersehen, die hier unverkürzt eine Stelle finden möge.

VOM BEL ZU BABEL

Nach dem Tode Astyagis fiel das Königreich an Cyrus von Persien. Und Daniel war stets um den König und höher geschätzt, denn alle Freunde des Königs. (Dan. 6, 28.) Nun hatten die zu Babylon einen Gott, der hieß Bel; dem mußte man täglich zwölf Malter Weizen, vierzig Schafe und drei Eimer Weins opfern. Auch der König diente dem Abgott und ging täglich hinab, ihn anzubeten. Daniel aber betete seinen Gott an. Da sprach der König zu ihm: „Warum betest du nicht auch den Bel an?“ Daniel antwortete: „Ich diene nicht den Götzen, die mit Händen gemacht sind; sondern dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und ein Herr ist über alles, was da lebet.“ Da sprach der König zu ihm: „Hältst du denn nicht den Bel für einen lebendigen Gott? Siehst du nicht, wieviel er täglich isset und trinket?“ Daniel aber lachte und sprach: „Herr König, laß dich nicht betören; denn dieser Bel ist inwendig nichts, denn Lehm, und auswendig ehern, er hat noch nie etwas gegessen.“ (Sir. 30, 19.) Da ward der König zornig, ließ alle seine Priester rufen und sprach zu ihnen: „Falls ihr mir nicht sagt, wer diese Opfer verzehret, so müßt ihr sterben. Könnt ihr aber beweisen, daß der Bel solches verzehrt, so muß Daniel sterben, denn er hat den Bel gelästert.“ Daniel sprach: „Ja, Herr König, es geschehe also, wie du geredet hast!“ Es waren ihrer siebenzig Priester des Bel, ungerechnet ihre Weiber und Kinder. Und als der König mit Daniel in den Tempel des Bel ging, da sprachen die Priester desselben: „Siehe, wir wollen hinausgehen; und du, Herr König, sollst die Speise und den Trank selbst darsetzen, und die Tür nach dir zuschließen und mit deinem eigenen Ringe versiegeln. Und wenn du morgens früh wiederkommst und findest, daß der Bel nicht alles verzehrt habe, so wollen wir gerne sterben; oder Daniel muß sterben, der solches über uns gelogen hat.“ Sie verließen sich aber darauf, daß sie hatten einen heimlichen Gang unter dem Tisch gemacht; durch denselben gingen sie allezeit hinein und verzehreten, was da war. Nachdem nun die Priester hinaus waren, ließ der König dem Bel die Speise vorsetzen. Aber Daniel befahl seinen Knechten, Asche zu holen. Diese ließ er vor den Augen des Königs durch den ganzen Tempel streuen. Darnach gingen sie hinaus, verschlossen die Tür und versiegelten sie mit des Königs Ringe und gingen davon. Die Priester aber gingen nachts hinein, nach ihrer Gewohnheit mit ihren Weibern und Kindern, fraßen und soffen alles, was da war. Früh am Morgen erhob sich der König und Daniel mit ihm. Und der König frug:„Ist das Siegel unversehrt?“ Daniel antwortete: „Ja, Herr König!“ Sobald die Tür aufgetan war, sähe der König den leeren Tisch, worauf er mit lauter Stimme rief: „Bel, du bist ein großer Gott, und ist nicht Betrug mit dir!“ Daniel aber lachte, hielt den König zurück, daß er nicht hinein ging und sprach: „Siehe auf den Boden und untersuche, wes diese Fußstapfen sind?“ Der König sprach: „Ich sehe wohl Fußstapfen, sowohl von Männern und Weibern und Kindern!“ Da ward der König zornig und ließ die Priester fangen mit ihren Weibern und Kindern. Und sie mußten ihm zeigen die heimlichen Gänge, dadurch sie waren ein- und ausgegangen und verzehret hatten, was auf dem Tisch war. Und der König ließ sie töten und gab Daniel den Bel in seine Gewalt; derselbe zerstörte ihn und seinen Tempel. —

Dieses „Verschwindenlassen“ beschränkte sich aber nicht nur auf Speisen und Trankopfer, die auf den Altären niedergelegt wurden, sondern es erstreckte sich auch auf jene Jungfrauen, die in alten Zeiten manchen Göttern geopfert werden mußten, um deren angebliche Neigungen für die „Töchter der Menschen“ zu befriedigen[Das von Wm. Howitt verfaßte, im Jahre 1833 in London erschienene Werk „History of Priestcraft in all ages“ enthält folgende Angabe : „Herodot berichtet, daß auf dem Gipfel des dem babylonischen Sonnengott Belus geweihtenTempels sich ein Gemach befand, in dem neben einem aus reinem Gold gefertigten Tisch ein kostbar ausgestattetes Ruhebett stand. Eine Götterfigur war hier nicht vorhanden. Keinem männlichen Wesen sei es erlaubt gewesen, hier zu schlafen. Dagegen wurde das Gemach von einer Jungfrau bewohnt, die der Versicherung der chaldäischen Priester zufolge auserkoren sei, den Sonnengott durch ihre Gegenwart zu erfreuen, wenn er sich abends in dieses Gemach zurückziehe.“

Weiter führt Howitt an, daß ähnliches über den in Theben stehenden Tempel des ägyptischen Sonnengottes berichtet worden sei. Ferner habe im Tempel zu Paterae in Lycien, wenn immer ein göttliches Orakel erwartet wurde, die Priesterin die Nacht zuvor im Tempel zubringen müssen. Mit anderen Worten, die Priester hätten den Gott zum Sündenbock für ihre eigenen ungezügelten Gelüste gemacht. Denn unter dem Vorwand, ihm ein Schönheitsopfer darzubringen, hätten sie stets die schönsten Frauen des ganzen Volkes für ihre eigenen Zwecke ausgewählt. Diese Art abscheulicher Täuschung scheine während des Altertums in außerordentlichem Umfang betrieben worden zu sein; denn wenn man all den vielen Erzählungen der griechischen Mythologie sowie den homerischen Darstellungen über den Ursprung der Halbgötter auf den Grund gehen wolle, so seien sie nur in dieser Weise zu erklären.].

So wurde dem von den Phöniziern verehrten Baal alljährlich zu verschiedenen Zeiten eine der schönsten Jungfrauen des Landes als „Braut“ zugeführt und vor allem Volk der im Hintergrund des Tempels stehenden riesigen Bildsäule des Gottes in den Schoß gesetzt. Darauf entfernten sich die Priester, ließen aber, um das Herabsteigen der Braut von ihrem hohen Sitze zu verhindern, einen grimmigen Löwen in dem Tempel. Aber schon nach kurzer Zeit öffnete sich hinter der Geängstigten ein am Körper der Statue angebrachtes geheimes Pförtchen, durch welches Priesterhände die Braut des Baals in den Bauch des Gottes hineinzogen, um sie dann ein steiles Treppchen hinab und durch geheime Gänge in die Gemächer der Priester zuführen. Dort hatte sie den Lüsten derselben zu dienen, bis sie durch eine andere „Gottesbraut“ abgelöst und von den Priestern auf irgendeine unauffällige Weise beseitigt wurde. —

Von heiligen Schauern durchweht, lasen wir in den Tagen unserer Jugend von dem großen Wunder, das mit Iphigenia, der schönen Tochter Agamemnons geschah. Als sie auf dem Altar geopfert werden sollte, wurde sie vor den Augen des im Tempel versammelten Kriegsvolkes in einer Wolke entrückt. Recht sonderbar muten uns solche „Entrückungen“ an, wenn wir in den Werken des Livius lesen, daß der römische Senat im Jahre 186 v. Chr. ausdrücklich verboten habe, „daß fernerhin Personen von den Göttern entführt würden!

Wie die Priester Baals die ihm geweihten Bräute verschwinden ließen

Wie die Priester Baals die ihm geweihten Bräute verschwinden ließen.

Solche Entführungen geschahen wahrscheinlich mittels geschickt hergestellter Aufzüge, die sich über den Altären befanden. Kurz bevor die bedauernswerten Opfer in die Höhe gehoben und zu den Göttern entführt wurden, warfen die Priester einige Hände voll des in allen Tempeln des Altertums reichlich verwendeten Weihrauchs in die vor dem Altar stehenden Räucherbecken und erzeugten damit jene himmlischen Wolken, die den eigentlichen Hergang verhüllten. Die in angemessener Entfernung stehende gläubige Menge staunte dann diese im mystischen Halbdunkel der Tempel vor sich gehende Himmelfahrt als ein großes Wunder an, während die Opfer in Wirklichkeit auf Nimmerwiedersehen in den geheimen Gemächern der Priester verschwanden. —

Als vortreffliche Theatermaschinisten erwiesen die Priester des Altertums sich auch in der Wiedergabe der göttlichen Attribute, vornehmlich des Donners. Nach einem Bericht des Plinius erhob sich beim Betreten des Labyrinths in Theben im Innern desselben ein furchtbares Krachen und Donnern. Schaudernd fiel das Volk in die Knie und starrte voll Ehrfurcht jene heiligen Männer an, deren im Verborgenen arbeitende Helfershelfer mittels mächtiger Trommeln, dünner Blechtafeln und einem Haufen herabstürzender Steinblöcke den göttlichen Donner nachahmten.

Daß man auch verstand, künstliche Erdbeben zu erzeugen, ist aus dem von Philostratus geschriebenen „Leben des Apollonius von Tyana“ (1. Kap. 3. 5.) zu ersehen, wo erzählt ist, daß dieser Reisende in Indien beim Besuch eines Tempels folgende Erfahrung erlebte: „Die Tempelpriester, heilige Hymnen singend, führten ihn in feierlicher Prozession dem Tempel zu, wobei sie mit ihren Stäben taktmäßig auf den Boden stießen. Der Boden begann darauf sich gleich einem vom heftigen Sturm gepeitschten See zu bewegen. Bald erhob er sich um mehr als zwei Fuß, um gleich darauf wiederauf sein gewöhnliches Niveau zurückzufallen.“

Wie die Wundermänner des Altertums solche Erdbeben erzeugten, wurde gelegentlich der Ausgrabung des in Eleusis gelegenen Tempels der Göttin Ceres offenbar. Dieser Tempel war während der Blütezeit Griechenlands der Schauplatz der weithin berühmten Eleusinischen Mysterien, in denen die wechselvollen Zustände der Erde in allerlei geheimnisvollen Handlungen zur Darstellung kamen. Unter denselben durften Gewitterstürme und Erdbeben natürlich nicht fehlen. Das in Menge herbeiströmende Volk wurde dabei manches Mal durch gewaltige Erdbeben in Schrecken versetzt, die sich unter jähem Übergang von hellem Licht zum tiefsten Dunkel an einer bestimmten Stelle des Tempels erhoben und unter furchtbarem Lärm vollzogen. Als englische Gelehrte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts diesen Tempel durchforschten, fanden sie, daß der Fußboden desselben aus Holzbestanden hatte und beweglich gewesen sein mußte. Denn noch waren in den Seitenwänden die vertikalen und horizontalen Rinnen zu sehen, in denen dieser jedenfalls mit Erde bedeckt gewesene Fußboden bewegt wurde. Auch war noch das geheime Gewölbe zur Aufnahme der Maschinerie vorhanden, mittels welcher der Boden heftig auf und ab gestoßen, oder nach rechts und links geschleudert wurde, so daß die darauf stehenden Personen all die schrecklichen Empfindungen eines wirklichen Erdbebens erlebten. —

Die Bücher des Altertums wimmeln von Berichten über allerhand ähnliche Wundertaten, die von Priestern in solchen Tempeln verrichtet wurden. Beim Nachdenken über diese Wunder gelangt man zu der Überzeugung, daß die Urheber dieser Wunder nicht nur eine sehr ausgebildete Kenntnis der Mechanik besaßen, sondern auch zweifellos mancherlei wichtige Entdeckungen gemacht hatten und ausnützten, die später in Vergessenheit gerieten und erst in neuerer Zeit wieder gemacht werden mußten. Insbesondere galten die Priester Ägyptens als die mächtigsten Zauberer des ganzen Orients. Ihre Priesterseminare waren im vollsten Sinne des Wortes Hochschulen für allerlei Geheimwissenschaften.

Aus den „Pneumatica“ genannten Schriften des Hero von Alexandria, der in den Jahren 150—100 v. Chr. lebte, ist beispielsweise ersichtlich, daß er bereits die Dampfkraft kannte und zu allerlei Experimenten verwendete. So beschreibt er einen von ihm angefertigten Altar. Zündete man auf demselben ein Feuer an, so öffneten sich automatisch die Türen des die Götterbilder umschließenden Allerheiligsten. Und sie schlössen sich wieder ohne jede Beihilfe, sobald das Feuer erlosch. In ähnlicher Weise ließ er beim Öffnen der Tempelpforten Trompeten ertönen. Ferner bewirkte dieser Wundermann, daß die Figuren der Götter Wein spendeten oder Tränen vergossen. Aus den zahlreichen Brüsten der Göttin Cybele schössen sogar, bald nachdem in ihrem Altar zwei verborgene Lampen entzündet waren, Strahlen von Milch hervor, die von den die Göttin anbetenden Gläubigen mit ehrfurchtsvollem Staunen betrachtet wurden.

Der weitgereiste griechische Schriftsteller Lucianos, der im 2. Jahrhundert n. Chr. in Syrien den Tempel der Göttin Mylitta besuchte, teilt in seinen Werken (10., 32, 86) folgendes mit:

„Hier gibt es viele Wunder, geschnitzte Ebenbilder der Götter, die den Syrern ganz körperlich erscheinen; denn diese Bilder schwitzen, ja bewegen sich und weissagen. Oftmals wurden im Tempel, wenn er verschlossen war, laute Töne vernommen. Besonders merkwürdig ist, daß die dortige Göttin auf ihrem Haupt einen Stein trägt, von dem nachts so heller Glanz ausstrahlt, daß der ganze Tempel wie von Lampen erleuchtet ist. Am Tage ist dieser Schein schwächer, hat aber doch eine stark feuergelbe Farbe. Ein anderes Wunder dieses Gottesbildes ist, daß es dir, wenn du ihm gegenüber stehst, gerade ins Gesicht schaut und mit seinen Blicken dir nachfolgt, wo immer du deine Stellung veränderst, zu gleicher Zeit aber auch dem, der auf der entgegengesetzten Seite von dir steht und hin und her geht, ganz die gleiche Erscheinung bietet. Nun aber will ich erst von ihrem Apollo das Merkwürdigste berichten und zuerst sein Orakel erwähnen. Zwar gibt es auch bei den Griechen, Ägyptern, Libyern und Asiaten viele Orakel, aber von allen diesen vernimmt man die Sprüche nur durch den Mund der Priester. Dieser Apollo hingegen bewegt sich von selbst und verrichtet willig allein das ganze Geschäft der Weissagung. Wenn er nämlich orakeln will, fängt er an, sich auf seiner Stelle zu rühren, worauf die Priester ihn sogleich in die Höhe heben. Unterlassen sie dies, so bricht ihm der Schweiß aus und er bewegt sich immer sichtbarer und heftiger, sobald sie ihn auf ihre Schultern genommen haben, treibt er sie im Kreise herum und springt von einem auf den anderen. Endlich stellt der Oberpriester sich dem Gott gegenüber und befragt ihn über alles. Will der Gott nun, daß etwas nicht geschehen solle, so geht er rückwärts, gibt er aber zu etwas seine Zustimmung, so treibt er seine Träger vorwärts. Auf diese Weise holen die Priester die göttlichen Offenbarungen ein.“ —

Für alle diese vermeintlichen Wunder hat unsere moderne Wissenschaft befriedigende Erklärungen. Wie das Schwitzen und die Bewegungen des Apollo hervorgebracht wurden, ist an manchen Götzenbildern ersichtlich geworden, die an den verschiedensten Orten Asiens, Afrikas und Europas gefunden wurden und samt und sonders zur Ausführung gleichartiger Schwindeleien dienten.

Eine wohlerhaltene Figur dieser Art ist der in der Altertumssammlung des Schlosses zu Sondershausen in Deutschland aufbewahrte „Püsterich“, die aus Kupfer gearbeitete etwa drei Spannen hohe überaus häßliche Gestalt eines nackten Mannes, dessen Mundöffnung durch einen Holzpfropfen verschlossen wurde. Die Figur ist hohl. Wurden solche Figuren bis zu einer gewissen Höhe mit Wasser gefüllt und auf eine von unten her stark erhitzte Eisenplatte gestellt, so trat das infolge der Dampfentwicklung höher steigende Wasser als Schweiß aus mancherlei geschickt angebrachten Öffnungen. Oder es rieselte als Tränen aus den Augen; oder die gespannten Dämpfe trieben einen den Mund des Götzenbildes verschließenden Holzpflock mit mächtigem Knall hervor, worauf zischende Dampfwolken dem Götterbild entströmten. All diese Erscheinungen wurden dann von den Priestern dahin ausgelegt, daß die Götter in Zorn geraten seien[Über schwitzende, seufzende oder mit den Augen zwinkernde Götterbilder berichteten auch Diodorus (Sic. 17, 10); Strabo (6, 1); Herodot (7, 140); Coriolan (37); Plut. Timoleon (1, A.); Plutarch (Camill. 6) u. a. Daß manche Götterfiguren sogar Blut schwitzten, ist in den Werken Appians (Bell. cio. 4, 4) und des Apollonius (Rhod-Argon 4, 1284) zu lesen.].

Daß die Augen des von Lucianos beschriebenen Götterbildes dem Beschauer überall folgten, ist eine perspektivische Täuschung, die an jedem gemalten oder photographisch aufgenommenen Porträt beobachtet werden kann, dessen Augen genau auf den Beschauer gerichtet sind. Derartige Bilder spielten früher in Romanen und Erzählungen eine große Rolle. Es wurden qualvolle Szenen geschildert, die ein Mörder vor dem Bilde seines Opfers zu bestehen hatte; wie solche Bilder mit Vorhängen bedeckt oder gar beseitigt werden mußten, da die Geängstigten sich an keiner Stelle des Zimmers sicher fühlten, ja die peinliche Empfindung hatten, im Rücken angeschaut zu werden, wenn sie sich umgewendet hatten. In Ritterromanen spielten sich solche Szenen meistens in den ehrwürdigen Ahnengalerien ab. Den Feigling, den entarteten Nachkommen peinigten dort die zornigen, durchbohrenden Blicke seiner tapferen Vorfahren; der Erbe des Hauses sah die Blicke seines ganzen Geschlechtes auf sich vereinigt; Zögernde wurden dadurch ermutigt, Frevler von ihren Vorhaben abgeschreckt. Auf gläubige und abergläubische Gemüter übten derartige Bilder stets eine gewaltige Wirkung. —

Was nun den von Lucianos am Haupt der Göttin Mylitta gesehenen Stein betrifft, der nachts einen so hellen Glanz ausstrahlte, als ob der ganze Tempel von Lampen erleuchtet sei, so ist zunächst zu bemerken, daß auch Apulejus in seinen „Metamorphosen“ behauptet, er habe, als er um Mitternacht einen Tempel betrat, um die Götter anzubeten, ein der Sonne gleiches Licht gesehen.

Auf Grund sorgfältiger Studien kamen verschiedene Gelehrte, darunter Professor Cady von Oxford, zu der Überzeugung, daß manche Priester des Altertums auch ein aus uns noch unbekannten Kraftquellen kommendes, außergewöhnlich gutes Licht gekannt haben müssen. Er glaubt dieses daraus annehmen zu dürfen, daß die in großer Tiefe unter der Erde liegenden altägyptischen Grabkammern mit prachtvollen Skulpturarbeiten und Bildern geschmückt sind, die nur bei sehr starkem Licht hergestellt sein können. Die Annahme, daß die Künstler bei Fackelbeleuchtung gearbeitet hätten, sei hinfällig, da die Farben der Malerei nicht unter Fackelbeleuchtung entstanden sein könnten, außerdem an den Wänden jede Spur von Ruß fehle, der sich bei längerer Verwendung von Fackeln unbedingt hätte absetzen müssen.

Zweifellos waren manchen Priestern des Altertums die Eigenschaften des bei Baku und in Persien vorkommenden Naphtha oder Petroleums wohl bekannt. Da es im I. Kapitel des 2. Buches der Makkabäer (18. und 19. Vers) ausdrücklich „das Feuer des Altars“ genannt wird, so ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß es von Baku oder Persien auf dem Wege des Handels bezogen und im Tempel Salomons regelmäßig zum Erzeugen des ,,heiligen Feuers“ verwendet wurde. Während des schweren Krieges mit Jason versteckten die Priester die noch vorhandenen Vorräte dieses Feuers „in einer tiefen, trockenen Grube, damit kein Unberufener es finde“. Als nach mehreren Jahren der Priester Nehemia aus der Gefangenschaft der Perser entlassen wurde und den Tempel Salomos wieder hergerichtet und gereinigt hatte, sandte er Leute aus, „das verborgene Feuer zu suchen“.

Wie im 20. Vers erzählt wird, „fanden sie aber kein Feuer, sondern ein dickes Wasser“. Nehemia ließ dasselbe schöpfen, herbeibringen und über das auf einen Holzstoß zugerüstete Opfer gießen. „Als nun die Sonne wohlheraufgekommen und die Wolken vergangen waren, da entzündete sich ein großes Feuer, des verwunderten sich alle.“ Im 36. Vers ist zu lesen, daß Nehemias Gesellen den Ort „Nechpar“, auf deutsch „Reinigung“ nannten. Etliche hießen ihn auch „Naphtha“. —

Bekanntlich entzündet sich Naphtha bei einer Temperatur von 140 Grad Fahrenheit von selbst. Da in Palästina die Temperatur in der Sonne weit höher steigt, so erklärt es sich, daß das „dicke Wasser“, nachdem „die Sonne wohl heraufgekommen war“, von selber entflammte.

Zweifellos kam Naphtha auch in dem im 18. Kapitel des ersten Buches der Könige geschilderten Wettstreit zur Verwendung, den Elias mit den Baalspriestern bestand. Elias ging aus diesem Streit als Sieger hervor, als er den auf freiem Felde aus Steinen aufgeführten Opferaltar und das Holz sowohl wie das Brandopfer mit Wasser, oder richtiger mit dem wasserhellen Naphtha übergießen ließ, und zwar in so reichlichem Maß, daß es auch die den Altar umgebende Grube füllte. Es war inzwischen Nachmittag geworden, die Zeit, wo die Sonnenwärme den höchsten Grad erreicht hatte. „Da fiel“, wie in den Versen 38—40 zu lesen ist, „das Feuer des Herrn herab und fraß das Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser aus der Grube. Da das alles Volk sah, fielen sie aufs Angesicht und sprachen: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Elias aber rief: ,Greifet die Propheten Baals, daß ihrer keiner entrinne.‘ Und sie griffen sie. Und Elias führte sie hinab an den Bach Kison und schlachtete sie daselbst.“

Die Ägyptologen Brugsch und Dümichen, die Physiker Lichtenberg und Schweizger, Carus Sterne, sowie Professor Cady von Oxford und andere hervorragende Gelehrte gelangten auf Grund mancher in Ägypten, Palästina und Griechenland gemachten Funde wie auch aus den auf uns gekommenen Schilderungen der ägyptischen Tempel zu Edfu und Dendera, der israelitischen Stiftshütte in Jerusalem und des Apollotempels zu Delphi zu der Überzeugung, daß die Priester des Altertums zweifellos auch die Elektrizität gekannt und verwertet haben müssen.

Vor manchen ägyptischen Tempeln standen nämlich 30—40 Meter (90— 120 Fuß) hohe, mit kupfernen Spitzen beschlagene Mastbäume, die nach erhaltenen Inschriften zufolge den Zweck hatten, „die Ungewitter des Himmels zu brechen“, mit anderen Worten, die Blitze unschädlich zu machen. Eine diesbezügliche Inschrift wurde von Brugsch in dem Aufsatz: „Eine Bauurkunde des Tempels von Edfu“ auf Seite 122 des Jahrganges 1875 der „Zeitschrift für ägyptische Sprache“ veröffentlicht. Sie lautet verdeutscht: „Das Eingangstor, dessen Bekrönung zum Himmel ragt, hat auf seinen beiden Seiten zwei hölzerne Mäste, deren Spitzen mit Kupfer beschlagen sind; Pyramidionspitzen befinden sich an ihnen, um das aus der Höhe kommende Unwetter zu brechen.“

Am Tempel von Medinet Abu, dessen Bau bis ins Jahr 1300 v. Chr. zurückreicht, standen sogar vier derartige Mäste mit Spitzen aus vergoldetem Kupfer.

„Welche Erklärung“, so fragt Dümichen, „bietet sich uns für diese hohen, über die Gebäude hinausragenden Mäste, die mit Kupfer beschlagen und an den Spitzen vergoldet waren und den Zweck hatten, das aus der Höhe kommende Unwetter abzuwehren? Es hält in der Tat schwer, nach der in den Inschriften gegebenen Beschreibung eine andere Bestimmung für sie anzunehmen, als die von Blitzableitern.“

Brugsch äußert sich in folgender Weise: „Eine vergoldete Kupferstange auf einer riesengroßen Spitzsäule aus Granit stellte einen Blitzableiter dar, wie man sich ihn nicht besser wünschen konnte. Diese Blitzableiter im größten Stile, die je die Welt gesehen, ,brachen die Gewitter‘. Das scheint mir so klar auf der Hand zu liegen, daß kaum eine andere Deutung möglich ist.“ —

Den ausführlichen Beschreibungen des salomonischen Tempels zu Jerusalem zufolge, die im Alten Testament (1. Buch der Könige, 7. Kap., 2. Buch der Könige, 25. Kap., 2. Chronika, 3. Kap.) und von dem jüdischen Historiker Flavius Josephus gegeben wurden, ließ auch Salomo vor der Tempelpforte zwei eherne Säulen aufstellen.

Im 7. Kapitel des 1. Buches der Könige ist berichtet, daß Salomo zu diesem Zweck nach der Seestadt Tyrus sandte und von dort Hiram, einen „Meister in allerlei Erzwerk, einen Mann voller Weisheit und Verstand“ nach Jerusalem berief. Dieser Meister fertigte für den König zwei inwendig hohle eherne Säulen, die vor dem Eingang zum Tempel, die eine zur Rechten und die andere zur Linken, aufgestellt wurden. Die Länge dieser Säulen wird im 1. Buch der Könige, Kap. 7, auf 18 Kubits, im 3. Kapitel des 2. Buches der Chronika aber auf 35 Kubits angegeben. Sie waren mit ehernen Spitzen von 5 Kubit Länge versehen, von denen aus ein Kettenwerk zum Chor führte.

Wahrscheinlich dienten die inwendig hohlen Säulen dem gleichen Zweck, wie die vor den ägyptischen Tempeln stehenden Mastbäume. Bei den vielen Beziehungen, die Salomo mit Ägypten unterhielt, ist anzunehmen, daß von dort her auch die Kenntnis von der blitzableitenden Wirkung metallener Gegenstände nach Palästina gelangte und beim Bau des Tempels, der seiner hohen Lage wegen der Blitzgefahr besonders stark ausgesetzt schien, verwertet wurde.

Der berühmte Physiker Arago äußerte sich darüber in folgender Weise: „Der Tempel der Juden existierte einen Zeitraum von 1000 Jahren und war durch seine Lage den sehr starken und häufigen Gewittern Palästinas ganz besonders ausgesetzt. Nichtsdestoweniger haben weder die Bibel noch Josephus uns berichtet, daß der Blitz jemals in denselben eingeschlagen habe. Die Ursache davon ist sehr einfach. Durch besondere Einrichtungen war der Tempel von Jerusalem mit Blitzableitern versehen, die unseren heutigen ganz nahe kamen. Das Dach des Tempels, mit stark vergoldetem Zedernholze bekleidet, war von dem einen Ende bis zu dem anderen mit langen eisernen oder stählernen und oben vergoldeten Lanzen besetzt. Die Frontwände des Gebäudes waren gleichfalls in ihrer ganzen Ausdehnung mit stark vergoldetem Holze bedeckt. Unter dem Vorhofe des Tempels endlich befanden sich Zisternen, in welche das von den Dächern laufende Wasser durch metallene Röhren abfloß. Wir finden hier die Schäfte von Blitzableitern und eine solche Menge von Konduktoren, daß Lichtenberg recht hatte, wenn er behauptete, der zehnte Teil unserer heutigen derartigen Vorrichtungen sei weit entfernt, in seiner Konstruktion eine solche Vereinigung von genügenden Umständen darzubieten.“

Lichtenberg äußerte auch die Ansicht, daß die berühmte, außen mit Gold überzogene Bundeslade, die im Tempel aufbewahrt wurde und „aus der Gott in Gestalt einer Feuerflamme herausfuhr“, um den die Lade berührenden Frevler zu töten, eine Art „Leydener Flasche“ gewesen sei. Ihre Ladung sei wahrscheinlich mittels der auf dem Dach des Tempels angebrachten, mit goldenen Spitzen versehenen Lanzen und Mäste erfolgt, welche die Luftelektrizität aufsaugten und durch goldene Ketten in das wundertuende Heiligtum gelangen ließen.

Dahingehende Andeutungen finden sich nicht nur im 9., 10 und 16. Kapitel des 3. Buches Mosis, sondern auch im 4. und 16. Kapitel des 4. Buches Mosis. Ferner im 14. Kapitel des 1. Buches Chronika. Im Vers 9 des 10. Kapitels des 3. Buches Mosis werden Aaron und seine Söhne ausdrücklich gewarnt, vor dem Betreten der Stiftshütte weder Wein noch starke Getränke zu genießen, damit sie nichts versehen und infolge eines Versehens umkommen möchten. —

Römischen Schriftstellern zufolge hätte auch der Sabiner Numa Pompilius es verstanden, sich den Blitz dienstbar zu machen. Nachdem er zum König von Rom erwählt und damit zugleich der religiöse Gesetzgeber wurde, habe er die den Tempeldienst verrichtenden Vestalinnen gelehrt, das Opfer auf elektrischem Wege zu entzünden, so daß die gläubige Menge an die unmittelbare Einwirkung der das Opfer gnädig aufnehmenden Gottheit glaubte.

Dem blitzeschleudernden Jupiter ließ Numa Pompilius auf dem Gipfel des Aventinischen Hügels einen Tempel errichten, wo der Gott unter dem Beinamen „Elicius“ verehrt wurde. Elicius heißt „der Herabgelockte“. Diese Bezeichnung wird darauf zurückgeführt, daß Numa die Kunst verstanden habe, die Blitze herabzulocken und zu leiten. Servius Tullius, der etwas versah, als er dem Volk den „Jupiter elicius“ zeigen wollte, wurde bei diesem Experiment erschlagen. —

Zweifellos kannten die Priester des Altertums auch den Phosphor, dessen geheimnisvolle Leuchtkraft dazu verwendet worden sein mag, die Häupter der Götterstatuen mit einem „Heiligenschein“ zu umgeben, oder im Halbdunkel der Tempel auf den Wänden allerhand Schriftzeichen hervorzubringen gleich jenen, die den König Belsazar während seines Gastmahls derart erschreckten, „daß ihm die Beine schlotterten“. (Daniel 5, 6.)

Sicherlich kannten die Priester des Altertums auch das Geheimnis des sog. „schwarzen Raumes“, der bei unsern modernen Magiern eine so wichtige Rolle spielt. Sie verstanden ferner, mittelst magischer Laternen und hochpolierter metallener Doppelspiegel sowohl auf den Tempelwänden wie auf den vom Altar aufsteigenden Rauchwolken allerhand geheimnisvolle Geister- und Göttergestalten erscheinen zu lassen.

Auf die Verwendung einer Laterna magica läßt auch eine Erklärung des Damascius schließen, dahin lautend, auf der Wand eines Tempels sei ein Licht sichtbar geworden, anfänglich unbestimmt und wie aus weiter Ferne kommend. Aber allmählich habe es sich in ein immer klarer hervortretendes Antlitz von überirdischer Schönheit und Milde verwandelt.

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