[10] R. C. DARWIN / DIE ENTWICKLUNG DES PRIESTERTUMS UND DER PRIESTERREICHE

In diesem Beitrag kann man folgende Kapitel aus dem Buch “Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche” von Rudolf Cronau (Pseudonym “Randolph Charles Darwin”) lesen:

Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des Buches befindet sich in Beitrag 1.

„Diesem Geschlecht von Fetischpriestern entsprang Mohammed, jener Mann, der zu einem der erfolgreichsten Religionsstifter aller Zeiten wurde.“,

„In Wahrheit wird Mohammed die Anregung zur Gründung einer besonderen Glaubensgenossenschaft durch Umgang mit den Angehörigen andrer Völkerschaften erlangt haben. Denn Mekka war ein äußerst stark besuchter Ort im Karawanenverkehr zwischen Südarabien und Ägypten, Palästina, Syrien, Kleinasien, Persien und Indien. Hier trafen sich Bekenner der verschiedensten Glaubensformen: Feuer- und Sonnenanbeter, Brahmanen, Buddhisten, Juden und Anhänger der verschiedenen in Palästina und Kleinasien und Ägypten entstandenen christlichen Sekten. Ein Gedankenaustausch über allerhand religiöse Probleme, über die uralten Fragen „Woher?“ und „Wohin?“ lag von jeher im Charakter der Orientalen. Und so mag auch Mohammed dadurch zum Sinnen und Pläneschmieden gekommen sein.

Die Nichtigkeit des zum Fetischismus herabgesunkenen Götzendienstes seiner engeren Landsleute erkennend, wandte er sich dem Monotheismus der Juden und Christen zu und gründete eine kleine Gemeinde.“,

„Seine angeblich von Allah empfangenen Offenbarungen und Gebote schrieb Mohammed nieder, und so entstand der Koran, eine Sammlung von Schriften, die für alle Anhänger des Islam die gleiche Bedeutung besitzt, die den Gesetzbüchern Manus im Glauben der Inder, dem Alten Testament in der Religion der Israeliten und dem Neuen Testament in den Anschauungen der Christen zukommt.“,

„So zeigt der Islam sich als eine seltsame Mischung echt orientalischer Glaubensformen mit rohestem Schamanentum.“

Ab hier geht es weiter mit dem Originaltext des Buches:


MOHAMMED UND DER ISLAM

Im Gegensatz zu dem historisch nicht feststehenden Bilde Jesu ist uns die Person Mohammeds, des Stifters des Islam, in weit bestimmteren Umrissen überliefert worden. Mohammed wurde im Jahre 570 n. Chr. in Mekka geboren, einer uralten Kultstätte, an der Hobal, der Sonnengott der Araber, verehrt wurde. Sein roh gemeißeltes Standbild soll von 360 kleineren Götzenbildern umgeben gewesen sein, von denen jedes einen Tagesgott darstellte, der an einem bestimmten Tage regierte und gefeiert wurde, während Hobal das ganze Jahr hindurch gleiche Verehrung genoß. Wie an vielen anderen Orten, so hatte auch hier eine bestimmte Familie von Fetischpriestern, die Koreisch, das ausschließliche Monopol des Verkehrs mit den Göttern in den Händen. Dieses Monopol vererbte sich von Geschlecht zu Geschlecht, von den Vätern auf die Söhne und deren Nachkommen. Die Mitglieder dieses Geschlechts nahmen nicht nur die den Göttern dargebrachten Opfer entgegen und verrichteten alle mit dem Kult verbundenen Handlungen, sondern sie hatten sich auch im Volksrat den Vorsitz und in Kriegsfällen die Führerschaft angeeignet.

Diesem Geschlecht von Fetischpriestern entsprang Mohammed, jener Mann, der zu einem der erfolgreichsten Religionsstifter aller Zeiten wurde.

Wie die Geburt Jesu, so ist auch Mohammeds Eintritt in das Leben mit allerhand Legenden umkleidet worden. Ein wundersamer Glanz habe die ganze Gegend erfüllt. Sämtliche Götzenbilder der Erde seien umgestürzt; sogar das seit Jahrtausenden brennende, von den Magiern mit höchster Sorgfalt unterhaltene Feuer des in Persien verehrten Zoroaster sei plötzlich erloschen. Und im gleichen Moment, wo das eben geborene Kind zum erstenmal die Augen öffnete und gen Himmel richtete, habe es ausgerufen: „Allah ist groß! Da ist kein Gott außer Allah, und ich bin sein Prophet!“ —

Wie nicht anders zu erwarten, zeigten sich bei diesem Kinde auch die auf seinen künftigen Beruf hindeutenden unverkennbaren Erscheinungen. Sie offenbarten sich in den für so viele Schüler von Schamanen und Fetischpriestern charakteristischen epileptischen Anfällen. Dieselben steigerten sich später zur Ekstase, zu förmlichen Verzückungen, von denen Mohammed sehr oft befallen wurde, wenn er sich in Gemeinschaft seiner Frau in einer bei Mekka gelegenen Höhle allerlei Anrufungen, Gebeten und Kasteiungen hingab. Wenn Mohammed aus solcher Ekstase erwachte, behauptete er, allerlei Visionen gehabt und von Allah oder dessen Engeln bestimmte Offenbarungen, Aussprüche und Befehle empfangen zu haben. So sei ihm eines Nachts in jener Höhle der Engel Gabriel erschienen und habe ihm geboten, fortan das Lob Allahs zu verkündigen und als dessen Prophet für die Ausbreitung seines Reiches zu wirken.

In Wahrheit wird Mohammed die Anregung zur Gründung einer besonderen Glaubensgenossenschaft durch Umgang mit den Angehörigen andrer Völkerschaften erlangt haben. Denn Mekka war ein äußerst stark besuchter Ort im Karawanenverkehr zwischen Südarabien und Ägypten, Palästina, Syrien, Kleinasien, Persien und Indien. Hier trafen sich Bekenner der verschiedensten Glaubensformen: Feuer- und Sonnenanbeter, Brahmanen, Buddhisten, Juden und Anhänger der verschiedenen in Palästina und Kleinasien und Ägypten entstandenen christlichen Sekten. Ein Gedankenaustausch über allerhand religiöse Probleme, über die uralten Fragen „Woher?“ und „Wohin?“ lag von jeher im Charakter der Orientalen. Und so mag auch Mohammed dadurch zum Sinnen und Pläneschmieden gekommen sein.

Die Nichtigkeit des zum Fetischismus herabgesunkenen Götzendienstes seiner engeren Landsleute erkennend, wandte er sich dem Monotheismus der Juden und Christen zu und gründete eine kleine Gemeinde. Als diese seitens der Strenggläubigen starke Anfeindungen erlitt, zog er im Juli des Jahres 622 mit seinen Anhängern nach der nördlich von Mekka gelegenen Stadt Medina und baute hier eine Moschee, die das erste Heiligtum der neuen Sekte wurde. Von dieser „Hejira“ oder „Hedschra“ genannten Auswanderung Mohammeds an datieren die Bekenner des Islam ihre Zeitrechnung.

Seine angeblich von Allah empfangenen Offenbarungen und Gebote schrieb Mohammed nieder, und so entstand der Koran, eine Sammlung von Schriften, die für alle Anhänger des Islam die gleiche Bedeutung besitzt, die den Gesetzbüchern Manus im Glauben der Inder, dem Alten Testament in der Religion der Israeliten und dem Neuen Testament in den Anschauungen der Christen zukommt.

Voraussetzung der von Mohammed aufgestellten Lehre war der unbedingte Glaube an den „Allah“ genannten einzigen Gott und seine ihm untergebenen Engel, an seine offenbarten Bücher und ein späteres Weltgericht. Das letztere schilderte Mohammed mit der ihm zu Gebote stehenden feurigen Phantasie in Sura 81 seines Koran folgendermaßen:

„Wenn die Sonne sich zusammengerollt und die Sterne herabfallen, wenn die Berge einstürzen, die Meere aufbrausen, die Erde erbebt und ihre Last auswirft, und die Menschen voll Angst fragen, was mit ihr geschehe, wenn die Hölle in lichterlohen Flammen zu brennen beginnt und das Paradies herannaht, wenn die Seelen sich wieder mit den Körpern vereinigen, an diesem Tage werden die Menschen in großen Scharen wieder hervorkommen, um ihren Lohn zu empfangen. Und wer auch nur soviel Böses getan, als eine Ameise schwer ist, der wird dasselbe erfahren und darüber Rechenschaft ablegen müssen.

Ein mohammedanischer Wanderpredigermit Schellenstab

Ein mohammedanischer Wanderprediger mit Schellenstab.

„Die Frevler werden an Haaren und Füßen ergriffen und müssen in sengendem Wind, in siedendem Wasser und erstickendem schwarzen Hauche wohnen. Die Kleider der Ungläubigen sind aus Feuer gewebt. Auf ihre Häupter und Leiber wird kochendes Wasser gegossen, wodurch Haut und Eingeweide sich auflösen. Dazu werden sie mit eisernen Keulen geschlagen, und so oft sie versuchen, der Hölle und ihren Qualen zu entrinnen, so oft werden sie mit den Worten zurückgestoßen: „Nehmt nur hin die Strafe des Verbrennens!“ —

Mit gleicher lebendiger Phantasie schilderte Mohammed in Sura 56 seines Koran die den Gläubigen zuteil werdenden Genüsse und Wonnen des Paradieses.

„Die Gläubigen werden in wundervollen Gärten wohnen und auf mit Gold und Edelstein geschmückten Polstern einander gegenüber sitzen. In ewiger Jugendfrische blühende Knaben werden sie bedienen, mit Kannen, Bechern und Gläsern voll schäumenden Weines. Der Genuß desselben bringt weder Kopfschmerzen noch werden ihre Gedanken verwirrt. Die köstlichsten Früchte stehen zur Auswahl, desgleichen das Fleisch irgendwelcher Vögel, die sie begehren mögen. Als Gefährtinnen sind die schönsten Jungfrauen vorhanden mit großen schwarzen Augen, die gleich Perlen in eben geöffneten Schalen schimmern. Noch unberührt, in unverwelklicher Schönheit und stets gleich geliebt, dienen sie, auf erhöhten Kissen gelagert, den Seligen zur Freude!“ —

Aus diesen kurzen Auszügen erhellt, daß Mohammed sich in seinen Anschauungen über die künftigen Aufenthaltsorte der Ungläubigen und Gläubigen vollständig jenen Vorstellungen angeschlossen hatte, die, wie in einem früheren Kapitel gezeigt wurde, auch in den Religionen anderer orientalischer Völker lebten und dem grausamen, sinnlichen Charakter derselben entsprachen. Wie sie deren Denken und Handeln mächtig beeinflußten, so beherrschten sie fortan auch das Denken und Handeln aller, die sich dem von Mohammed verkündigten Islam anschlossen.

Im weiteren Verlauf seines Lebens zeigte Mohammed sich als ein echt orientalischer, von Rachsucht und Machtgier erfüllter fanatischer Patriarch, dem der Gedanke eines großen, einheitlichen arabischen Priesterkönigtums vorschwebte. In einer Reihe von blutigen, gegen alle andersgläubigen Stämme Arabiens geführten Kriegen suchte er diesen Gedanken zu verwirklichen, wobei die Unterworfenen stets mit dem Schwerte gezwungen wurden, die von ihm verkündigte Lehre anzunehmen. Seine Religion wurde dadurch zu einer Religion des Kampfes, eines Kampfes, der von den an Entbehrungen und Gehorsam gewöhnten Wüstensöhnen mit wahrhaft fanatischer Erbitterung geführt wurde.

Dieser Kampf wurde, als Mohammed im Jahre 632 aus dem Leben schied, von seinen den Titel Kalif annehmenden Nachfolgern mit dem gleichen Eifer und der gleichen Herrschgier weitergeführt. Unter dem Kalifen Abu Bekr (632—634) fielen den Bekennern des Islam die volkreichen Städte Damaskus und Bosra in die Hände. Unter Omar (634—644) wurden Palästina, Syrien, ein großer Teil des Perserreiches und Ägypten erobert. Während jener Zeit wurde in Jerusalem an der Stätte des salomonischen Tempels auch eine Moschee erbaut. Unter dem Kalifen Othman (644—655) unterwarfen die Mohammedaner noch den Rest des Perserreiches und drangen bis zum Indus vor. Unter Moawijah I. (656—679) brachen sie in das Byzantinische Reich ein und belagerten sieben Sommer hindurch Konstantinopel. Unter Abd-Almalik (685—705) nahmen sie Armenien und Lagica in Besitz, breiteten sich über Nordafrika aus, zerstörten im Jahre 698 Karthago, eroberten unter Walid I. (705—714) ganz Mauretanien, setzten bei Gibraltar nach Spanien über, unterjochten Andalusien, zerstörten das Reich der Westgoten und drangen bis nach Frankreich vor. Hier war es, wo in der sieben Tage anhaltenden Schlacht bei Tours und Poitiers im Jahre 732 der Frankenfürst Karl sich den Beinamen Martell, „der Streithammer“, erwarb, indem er dem wilden Ansturm der Mohammedaner ein Ziel setzte und dadurch sowohl das Abendland wie die christliche Welt von der größten Gefahr befreite, die ihnen jemals gedroht hatte.

Eine Andachtsübung der drehenden Derwische

Eine Andachtsübung der drehenden Derwische.

Dieser heftige Zusammenprall des Islam mit dem Christentum bildete aber nur die erste Episode in den vielhundertjährigen Kämpfen zwischen zwei Glaubensbekenntnissen, die, obwohl derselben Wurzel entsprungen, sich doch ebenso feindlich gegeneinander verhielten wie Feuer und Wasser. Ungezählten Millionen den Untergang bringend, zeigen sie, in welche Abgründe blinder, von gewissenlosem, machtgierigem Priestertum erzeugter Glaubenswahn die Menschheit führen kann. —

Eine noch so kurze Schilderung des Islam wäre unvollständig, würde man versäumen, einige Tatsachen zu erwähnen, die auf seinen ursprünglichen Hervorgang aus dem Fetischdienst Hobals in Mekka hinweisen. Zunächst hat sich die Bedeutung dieser alten Kultstätte als Wallfahrtsort und die Verehrung jenes etwa 1 Meter hohen schwarzen Felsblocks, der das Sinnbild Hobals gewesen zu sein scheint, bis auf den heutigen Tag erhalten. „Der glückbringende, gnadenreiche Stein“, dessen Berührung Kranke heilt, langes Leben und Reichtum verleiht, steht in der Kaaba, einem etwa 12 Meter hohen würfelförmigen Gebäude, das nach der Ansicht der Mohammedaner den „Mittelpunkt der Erde“ bildet. Hierher muß jeder Gläubige wenigstens einmal in seinem Leben pilgern, um seinen Tribut an Gebeten, Opfern und Almosen zu entrichten.

In der Kaaba wird auch der „heilige Teppich“ aufbewahrt, den jährlich zu liefern ein Ehrenvorrecht Ägyptens ist. Er wird unter dem Geleit ägyptischer Soldaten von einer besonderen Karawane nach Mekka überführt, worauf der vorjährige Teppich zerschnitten und als Erinnerungszeichen an vornehme Pilger verteilt wird.

Im Hof der Kaaba sprudelt auch der heilige Brunnen Zemzem, dessen Entstehen auf jenen Tag zurückgeführt wird, wo die von Abraham verstoßene Hagar nach langer Wanderung durch die Wüste mit ihrem Sohn Ismael hierhergekommen sein soll. Beide wären dem Verschmachten nahegewesen, da plötzlich habe sich unter des Kindes Ferse eine Quelle geöffnet, deren Wasser als besonders segenspendend noch heute von allen Pilgern andächtig getrunken wird. Da hierfür aber hoch zu zahlen ist, so lassen reiche Pilger dieses Zemzemwasser oft unentgeltlich an ihre ärmeren Glaubensbrüder verteilen.

Ein in Ekstase befindlicher Derwisch, seine Wange durchbohrend

Ein in Ekstase befindlicher Derwisch, seine Wange durchbohrend.

Muna ist ein weiterer Wallfahrtsort in der Umgegend von Mekka. Hier soll angeblich Abraham geopfert haben. Ein in einem Felsen sichtbarer Schlitz soll durch einen Schwerthieb entstanden sein, mit dem der Patriarch dem von ihm geopferten Schaf den Kopf abschlug. Nebenbei steht das rohgefügte „Haus des Teufels“, auf das jeder Pilger sieben Kiesel schleudert, um sowohl dem „bösen Geist“ seine Verachtung auszudrücken, wie auch um ihn zu verhindern, die hier aufgeschlagenen Zeltlager der Rechtgläubigen zu belästigen.

Die in Medina befindliche Ruhestätte Mohammeds ist gleichfalls ein heiliger Wallfahrtsort der Rechtgläubigen. Hier wie an vielen anderen Orten kann man auch die seltsamen „Andachtsübungen“ der Mewlewi oder „drehenden Derwische“ beobachten, einer jener frommen Genossenschaften, die sich im Lauf der Jahrhunderte innerhalb des Islam bildeten und zweifellos einen Rückfall in die schauspielerischen Künste der Schamanen und Zauberpriester der grauen Vorzeit bedeuten. Die Andachtsübungen dieser drehenden Derwische bestehen darin, daß sie beim Klang einer Flöte und dem beständigen Ausrufen der Formel „La ila ilalla Mohammed Ras ou l’Allah!“ („Da ist kein Gott außer Allah, und Mohammed ist Allahs Prophet!“) eine halbe Stunde lang auf demselben Fleck sich wie Kreisel herumdrehen. Dabei ist die eine Hand aufwärts, die andere abwärts gestreckt, was zum Ausdruck bringen soll, daß der Derwisch mit der einen Hand den Segen vom Himmel herunterdrehe und mit der anderen Hand ihn zur Erde leite.

Eine Abart dieser Derwische sind die Rufayis, die sich in fünfzig- bis sechzigmal aufeinanderfolgenden konvulsivischen Niederbeugungen gefallen, dabei Gebete rezitieren und den Atem stoßweise aushauchen, so daß man, wenn man die Augen schließt, meint, einen Dampfmotor zu hören.

Noch eigenartiger zeigen sich die in Nordafrika auftretenden Aissaua, welche behaupten, von ihrem Ordensstifter die Fähigkeit erhalten zu haben, sich jeder Art von gefährlichen Torturen zu unterwerfen und allerlei Gifte und schädliche Dinge ungestraft verschlingen können.

Der Reisende H. von Maltzan schilderte eine dieser Demonstrationen folgendermaßen:

„Die Zeremonie begann mit dem näselnden Absingen einiger sich stets wiederholenden Formeln. Namentlich wurde das „La illaha il Allah“ in allen Tonarten bis zum Überdruß abgeleiert. Das Singen und Schreien, wozu die flachen, nach unten offenen Trommeln geschlagen wurden, bildete eine der Hölle eigene Nationalmelodie. Es war ein Donnern und Krachen, wie wenn ein schwerer Eisenbahnzug durch einen Tunnel rast. Aber das Finale jeder Leistung übertraf noch den gräßlichen Lärm, den ein Eisenbahnzug machen kann. Die trommelnden Hände waren gar nicht mehr zu sehen, so schnell bearbeiteten sie die Instrumente. Nachdem sie wohl 20 Minuten auf diese entsetzliche Weise musiziert hatten, ertönte plötzlich ein Mark und Bein durchdringender Schrei, und hervor stürzte ein Anhänger des Ordens mit allen Zeichen dämonischer Besessenheit. Er sprang in Front des nun mit doppelter Leidenschaft arbeitenden Orchesters, drehte und schwang den Kopf wie eine Kugel an einem Stricke, als ob er gar keine Knochen im Halse, gar keine Rückenwirbel haben könnte, so heftig, so schnell, daß man einige Minuten lang schlechterdings nichts von seinem Gesichte sehen konnte. Solch eine lose und rasche Bewegung, solch ein Schwingen und Rollen, solch eine Musik in vierundsechzigstel und hundertachtundzwanzigstel Takten ist wirklich zum Wahnsinnigwerden, zum Verlieren alles Bewußtseins von Zeit und Raum und physikalischen Gesetzen. Es ward uns in der Tat ganz schwindlig und übel, als wir sahen, wie sich diese Bewegungen des Kopfes, wie eines Balles an einem Stricke, über den ganzen Körper ausdehnten. Der ganze Körper ward ein wirres Gewebe von Zuckungen und Schwingungen, die Gliederflogen umher und durcheinander wie ein verwickeltes Gewebe von Stricken, die man umherpeitscht, als ob jedes Glied nur mit dünnen Bändern an den Rumpf gebunden wäre. Manchmal sah man weder den Kopf, noch Arme und Beine, so schnell zuckten und flogen sie umher und durcheinander. Diese gymnastische Übung steigerte sich mit der immer wahnsinniger werdenden Geschwindigkeit des Trommeltempos eine volle Viertelstunde, bis man, wie an einem in voller Karriere dahinrollenden Wagen die Räderspeichen, ebensowenig von den Gliedern des Tanzenden sah. Der Schaum trat auf die Lippen des Rasenden, die Augen rollten wie wahnsinnig umher, und endlich, im Gipfelpunkt der Ekstase, stürzte der fanatisierte Tänzer strauchelnd zu Boden. In diesem, eines tollen Hundes würdigen Zustande kommt, so lautet das Glaubensbekenntnis des Ordens, der Geist des Stifters über seinen im heiligen Wahnsinn begriffenen Jünger und macht ihn tüchtig, das schädlichste Gift und alles was verwundet und verletzt, ungestraft zu verzehren. Die fanatisierten Kerle wälzten sich in wilder Unordnung auf dem Boden und stießen unmenschliche, schreckenerregende Töne aus, bald dem Grunzen eines Ebers, bald dem Gebrüll eines Löwen vergleichbar. Einige fletschten ihre scharfen Zähne, zwischen denen weißer Schaum hervortrat. Sie schnappten mit wahnsinniger Gebärde nach den ihnen zunächst Sitzenden und es schien wirklich, als wollten sie aus deren Körpern Stücke herausbeißen.“

Ein Skorpione fressender Derwisch

Ein Skorpione fressender Derwisch.

„Nachdem alle Teilnehmer“, so fährt Maltzan fort, „sich in diesen Zustand des wahnsinnigsten Paroxismus gearbeitet hatten, wurde eine große verdeckte Schüssel hergetragen und der Deckel abgehoben. Diese Schüssel enthielt ein wahres Nest von lebenden Skorpionen, Kröten, Eidechsen, über welche die Aissaua mit viehischer Gier herfielen, um alles sofort zu verschlingen.“ Hier war von Taschenspielerkünsten keine Rede; denn Maltzan sah sie deutlich die Schlangen und Skorpione kauen und die Brühe davon an ihren Mundwinkeln herabfließen. Ob aber die Schlangen und Skorpione noch im Besitze ihres ursprünglichen Giftes waren — ist eine andere Frage.

Dieser ekelhaften Zeremonie folgte eine gefährliche. Man brachte nämlich eine Schüssel voll zerbrochenen Glases und voll scharfdorniger Kaktusblätter herein, welche ebenfalls schnell ihres unverdaulichen Inhalts entleert wurde.

„Ich sah sie Nägel verschlingen, hörte sie deutlich das Glas kauen und sah den Saft der stachligen Kaktusblätter über ihre Wangen herabrinnen. Auch konnte ich hier und da Blutstropfen gewahren, mit der Brühe des Kaktus vermischt. Zum Schlüsse wurde ein glühendes Eisen hereingebracht und ein Neger, der besonders fanatisch schien, nahm es in den Mund und beleckte es von allen Seiten. Diesen schwarzen Ordensbruder hatte ich übrigens im Verdachte, ein Taschenspieler zu sein. Dieser Verdacht wurde zur Gewißheit, als ich ihn sich ein Schwert in den Bauch stoßen, ein Messer sich ins Auge stecken und eine Partie brennender Kohlen verschlingen sah. Die Aissaua verstehen es, Gaukelstücke mit höchst schädlichen Handlungen des selbstquälerischen Fanatismus zu vereinigen.“

So zeigt der Islam sich als eine seltsame Mischung echt orientalischer Glaubensformen mit rohestem Schamanentum.

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